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FSJ’ler_innen des FSJ Politik  und FSJ Kultur engagierten sich!

von Albrecht Dreißig & Robin Radom

 

OTTO sagt nein Danke!

OTTO sagt nein Danke!

Rund 55 Millionen Menschen kostete der zweite Weltkrieg das Leben. Er gilt als der schlimmste Krieg der Geschichte und prägt bis heute das Denken und Handeln vieler Menschen. Ein Vermächtnis des Krieges ist die Mahnung, dass das Gedenken an die Opfer kein nationales Gedenken der eigenen Opfer sein darf, sondern dass jedes verlorene Menschenleben in diesem Krieg eines zu viel war. Am 16. Januar 1945 sah sich auch die Stadt Magdeburg, die zur damaligen Zeit ein wichtiger Industriestandort des Nazireichs war, den Schrecken des Krieges ausgesetzt.

90 Prozent der Altstadt zerstört, 2000 Tote und Unmengen an Kultur in Schutt und Asche, das ist die traurige Bilanz des fünftschwersten Luftangriffs auf eine deutsche Stadt, auf die zurückfiel, was von deutschem Boden ausging: Ein brutaler Krieg, der vor nichts halt machte und der einzig Tod und Zerstörung brachte.

Man könnte denken, dass dieses Ereignis eine Mahnung darstellt, eine Mahnung vor dem Nationalsozialismus. Doch Neonazis nutzen jedes Jahr diesen Anlass, um den „deutschen Opfern“ zu gedenken und ihren Geschichtsrevisionismus zu verbreiten. Aus Tätern werden Opfer gemacht und mit Parolen wie „alliierter Massenmord“ und „Bombenholocaust“ wird der Nationalsozialismus verharmlost und die Geschichte verdreht. Auch dieses Jahr wurde am 15. Januar in Magdeburg ein „Trauermarsch“ initiiert, an dem sich rund 1000 Neonazis beteiligten. Doch etwas hinderte sie daran durch die Innenstadt zu ziehen: 6000 Menschen, Bewohner_innen der Stadt Magdeburg, die sich nicht mehr damit abfinden wollen, dass ihre Stadt weiterhin Schauplatz eines stumpfsinnigen Trauerspiels ist, haben die 3. Meile der Demokratie zu einem Erfolg werden lassen. Die Meile vereinnahmte den Breiten Weg und setzte in Magdeburg ein Zeichen gegen Rechts und für Demokratie und Toleranz. Zahlreiche Vereine und Institutionen, Privatpersonen und Musiker_innen luden ein und stahlen damit den rechten Antidemokraten die Show. So auch die Freiwilligen des FSJ Politik und des FSJ Kultur. Mit sechs gelungenen Projekten beteiligten sie sich an der Meile.
3. Meile der Demokratie

Zerstörung durch rechte Gewalt eines Stuhls der Aktion “Mein rechter, rechter Platz bleibt leer”

3. Meile der Demokratie

Die Außerirdischen von kamaTV interviewen die Prominenz von Politik und Kultur (hier: Matthias Puhle)

Im Projekt kamaTV zogen sechs FSJ’ler_innen verkleidet als Außerirdische vom Planeten Kama durch die Stadt und befragten – auch im Rahmen der Aktion „Mein rechter, rechter Platz bleibt frei!“ – die „Erdlinge“ nach den Befindlichkeiten auf ihrem blauen Planeten. Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Intoleranz kennen die putzigen Vertreter_innen außerirdischen Lebens von ihrem Heimatplaneten nicht. Entsprechend verwundert zeigten sie sich in den Interviews über das menschliche Treiben.
Geschichte schreiben konnten die Besucher_innen der Meile am Stand des Projekts „Zeitkapsel“. In diesem Projekt wurden Zukunftsbetrachtungen und Vergangenheits­pers­pektiven miteinander verbunden. Jede­­_r Bürger_in der Stadt Magdeburg war aufgerufen, ihre_seine Gedanken, Wünsche, Ideen und auch Ängste, die sie_er mit der Zukunft Magdeburgs verbindet, auf einen Zettel zu schreiben. Diese Zettel wurden anschließend in einer Truhe verpackt und für zehn Jahre dem Stadtarchiv übergeben. Auf der Meile der Demokratie im Jahr 2021 soll diese Truhe wieder geöffnet werden.
3. Meile der Demokratie

Botschaften für das nächste Jahrzehnt werden verfasst …

3. Meile der Demokratie

Linke Hand gegen Rechts!

Ähnlich war das Projekt „Linke Hand gegen Rechts“. Hierbei sollten die Besucher_innen ihre linke Hand auf buntem Papier aufzeichnen, ausschneiden und anschließend ihre Wünsche und Sorgen im Bezug auf Rechts aufschreiben. Diese Hände wurden daraufhin auf eine braune Wand geklebt.
Wer sich sportlich betätigen wollte, kam beim „Rad der Demokratie“ voll auf seine Kosten. Hierbei ging es darum, durch das Strampeln in extra dafür präparierte Fahrräder so viel Strom zu erzeugen, dass ein Bildschirm, auf dem Schlagworte einer demokratischen und toleranten Gesellschaft abgebildet wurde, betrieben werden konnte. Hierbei sollte vor allem sinnbildlich dargestellt werden, dass eine demokratische Gesellschaft die Anstrengung aller ihrer Mitglieder_innen benötigt und sie eben nicht selbstverständlich ist, sondern harte Arbeit erfordert, auch und gerade gegen Rechts.
3. Meile der Demokratie

Fahrrad fahren gegen Rechts!

3. Meile der Demokratie

Glücklich werden durch Courage und Toleranz

Die FSJler_innen im Bereich Kultur haben sich ebenfalls mit einem Stand im Abschnitt der Jungen Meile der Demokratie beteiligt. Hierfür buken sie  Glückskekse mit außer­gewöhnlichen Sprüchen, die die Standbesucher_innen gegen eine kleine Spende erwerben konnten. Die Glückkekssprüche konnten gegen passende Buttons mit Sprüchen wie „Kein Sex mit Nazis“, „Toleranz“, „Für Demokratie“, etc. eingetauscht werden. Der Spendenerlös in Höhe von 100 Euro wurde dem Opferfonds des Miteinander e.V. gespendet, der sich für die juristische Hilfe für Opfer rechter Gewalt eingesetzt.
Im letzten Projekt konnten sich die Besucher_innen weiterbilden und zwar im Bezug auf zivilen Ungehorsam. Waren alle vorigen Projekte eher symbolischer Natur, wurden hier ganz praktische Fähigkeiten bei der Auseinandersetzung gegen Rechts vermittelt. In Form eines Stewardessenballets wurde den Teilnehmer_innen gezeigt, wie sie sich z.B. im Falle von Sitzblockaden zu verhalten haben.
3. Meile der Demokratie

Tipps und Infos zum ziviler Ungehorsam

Letztendlich konnte zwar nicht verhindert werden, dass die Neonazis durch Magdeburg marschieren, aber zeigte die Meile doch, dass eine breite Schicht innerhalb der Bevölkerung nicht gleichgültig gegenüber rechter Gewalt und Fremdenhass steht, sondern dass Toleranz und Weltoffenheit tief in der Gesellschaft verankert sind.