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von Alexander Schmitt

Hier Sitz ich also, im Zug und schaue aus dem Fenster. Ich seh da Dinge die ich kenne: die Häuser, die Straßen, das Wasser. Ich sehe Heimat. Aber jetzt Sitz ich im Zug und fahre zum Flughafen. Hab mal Bock die Ausstellung zu besichtigen, die sich Welt nennt. Mit einem Fallschirmsprung.

Heimat: Ich verlasse dich und komm auch erstmal nicht wieder, sondern bin weg für ein Jahr. Mal ein wenig verschollen, aber hoffentlich nicht so ganz verloren. Und seh dich dann erst später wieder. Wenn ich nämlich zurück bin und ein wenig erzählen kann.

Ich setze mich also in diesen Flieger und hebe ab. Breche auf in andere Welten, an andere Orte um neues zu erleben und neues zu finden. Um Anderes zu suchen und Fremdes zu entdecken. Vielleicht in einem Fluss schwimmen, in dem zuvor nie jemand geschwommen ist. Vielleicht einen Tempel besuchen und Heuschrecken essen. Ich könnte aber auch nur Fotos davon machen, um auch endlich mal bereichert zu werden. Von einem fremden Land.

In einem Land in dem auch ich mal der Fremde bin. Da wo die Sonne etwas mehr scheint als hier und der Schweiß, der mir im Gesicht perlt, ein Symbol des Lebens ist und entspannen kann. Mal etwas weg von dem ganzen Stress, den ich hier so viel habe, den ich mir vor allem aber selber mache. Und einfach mal was anderes erleben.

Auch einfach mal ins kalte Wasser springen oder mit dem Fallschirm. Mal so mutig sein und die Herausforderung auch wahrnehmen. Mal die Chance packen und etwas Großes daraus machen. Einmal im Leben die Perspektiven wechseln, sehen wie andere mich sehen, um zu sehen wie jemand mich sieht und wie das überhaupt ist mit der Wahrnehmung.

Ich will also weg. Ich will also weg von alledem, was ich kenne, weil ich jetzt was Neues erleben muss. Einfach mal raus, weil: Wenn nicht jetzt, wann dann? Ich will also weg und mein Entschluss steht fest. Und ich will springen.
Aber da ist etwas was mich stört. Etwas was mich hier halten will. Und dieses etwas ist in mir. Es ist da und wird auch dableiben. Und es bringt mich zum Nachdenken: Was, wenn das alles falsch ist? Was, wenn ich nicht dafür gemacht bin? Wenn das alles nicht so soll, sondern anders? Und Zweifel. Zweifel, ob ich das wirklich kann, ob das wirklich was für mich ist. Ob das gefährlich ist wie ein Fallschirmsprung.

In meinen Gedanken falle ich runter in das neue Leben und das sollte mir jetzt eigentlich Angst machen, je mehr ich darüber nachdenke, aber irgendwie passiert etwas. Die Gedanken an die neue Kultur, das neue Land, alles ist so kribbelig und irgendwie, irgendwie mag ich dieses Gefühl. Es ist als ob ich verliebt wäre und glücklich. Ich bin gesprungen oder werde es noch tun und das macht mich glücklich, obwohl es ja eigentlich gefährlich ist. Und ich realisiere, dass der Moment mit der größten Gefahr, gerade der Moment mit der geringsten Angst ist. Ich realisiere, dass es gut ist, das zu tun und dass ich davon profitieren kann.

Diese Zweifel, die ich hatte, hatte ich auch bei anderen Dingen. Selten hatte ich den Mut diese Angst zu bezwingen. Ständig habe ich im Schatten von ihr gelebt und dabei übersehen, dass hinter diesem Berg der Angst so viel Wundervolles steckt. Ja selten habe ich diesen Berg bezwungen, weil ich zu viel Angst hatte. Das hat mich zurückgehalten im Leben. Nie habe ich Dinge getan, die mir Angst gemacht haben. Nie habe ich zum Beispiel dieses Mädchen angesprochen, was mich angelächelt hat. Wie wäre mein Leben dann wohl gewesen? Wenn ich mich mal getraut hätte was zu machen. Und dafür einzustehen, was ich eigentlich will und wer ich eigentlich bin.

Es gibt ja diese Grenzen und diese Grenzen waren für mich vielleicht zu beengend. Aber eigentlich habe ich diese Grenzen doch selber erschaffen. Grenzen die nur in meinem Kopf existiert haben und mit denen ich mir selber befohlen habe nur Bestimmtes zu tun. Und jetzt müssen diese Grenzen weg, weil sie einfach blöd sind.

Ich habe selten gemacht, was man machen sollte, weil ich einfach nicht den Mut dazu hatte, aber so einfach ist das gar nicht. Mut zu haben. Mut zum Wollen. Mut zum Machen. Und endlich die Dinge in die Hand nehmen, endlich mal die Macht zu haben, über das eigene Leben so pur und ehrlich zu entscheiden, wie ich es will.

Also halt ich daran fest, werde die Grenzen in meinem Kopf einreißen. Werde die Zweifel über Bord werfen und die Ängste ausschalten. Ich springe einfach und ziehe das jetzt durch. Ich habe den Mut und mache jetzt einfach mal das Schwere.