Blog

Bericht zum Zwischenseminar in Hongsa, Laos

weltwärts-Zyklus 2015/2016

 

Samstag/Sonntag: Anreise und letztendlich auch Ankommen in Hongsa (Sayabouli)

Nach mitunter recht langwieriger und holpriger Fahrt durch mindervertrauenswürdiges Gebiet bzw. Bootsfahrt mit motorbedingten Unterbrechungen fanden wider meiner Erwartungen alle Freiwillige Sonntagnachmittag pünktlich zu Monikas Guesthouse. Alle wurden pflichtbewusst vom hauseigenen Personal und Mitbewohner*innen in Form von Monikas Katzen und Hunden begrüßt. Vor allem Letztere sollten im Verlauf der folgenden Woche reges Interesse an den Seminareinheiten zeigen und tatkräftige Mithilfe leisten bei der beschwerlichen Aufgabe, eine unbeliebte Keksdose zu leeren.

 

Montag: Ankommen, Orga, Meine Einsatzstelle & Ich

Nach einem für uns ungewohnt methodischem und durchgeplantem Organisationsteil wurden wir direkt statt vor eine Aufgabe vor 60 gestellt. Dazu mit Zeitlimit. Kollektives Aufseufzen bei uns, die wir mittlerweile wohl etwas zu sehr an die laotische Langsamkeit gewöhnt sind. Das funktionierte dennoch (bis auf die Sache mit den Keksen) erstaunlich gut und es wurden alle Aufgaben sogar vor Ablauf der Zeit erledigt.

Nachmittags der Themenblock „Meine Einsatzstelle und Ich“; um einen Überblick über den bisherigen Verlauf unseres Dienstes zu bekommen, sollte jede*r eine individuelle „Wohlfühlkuve“, vom Vorbereitungsseminar im August bis zum aktuellen Zeitpunkt erstellen.

Außerdem gab es verschiedene Fragen, anhand derer wir uns über das persönliche Befinden hinaus eingehender mit den vergangenen Monaten (Was habe ich erreicht?) aber auch mit der aktuellen Situation (Was geht mir durch den Kopf?) und dem Ausblick auf die noch kommende Zeit beschäftigen konnten.

Überraschend unterschiedlich fiel die Auswertung der Kurven aus, auch wenn insgesamt steigende Tendenzen deutlich waren. Die detaillierteren Fragen bereiteten mir selbst mehr Schwierigkeiten und der anschließende Austausch über unsere Antworten nahm entsprechend viel Zeit in Anspruch. Es war interessant zu sehen, wie unterschiedlich sich das Alltagsleben in unseren Städten/Dörfern verläuft und wie damit umgegangen wird.

 

Dienstag: Perspektivwechsel, kreative Auseinandersetzung, „kollegialer“ Austausch

Der Einstieg ins Thema Perspektivwechsel fiel etwas ungewohnt in Form eines Kartenspiels aus. Der Haken dabei war, dass jedem Spieltisch andere Regeln gegeben wurden und wir während des Spiels nicht kommunizieren durften. Neben der zu erwartenden Verwirrung lief die Sache friedlich ab und führte schließlich auch nach teils holprigen Transfer zum eigentlichen Inhalt, unterschiedlichen Kulturen und den darin enthaltenen (evtl. unbekannten) Regeln.

Anschließend wurde es wieder kreativer, in Untergruppen versuchten wir unseren Freiwilligendienst in Laos in einer kurzen Simple Show darzustellen und zu filmen.

Nachdem dieser Teil noch weiter in den Nachmittag ausgedehnt wurde ging’s im Anschluss mit dem Austausch von Lehrmethoden, Erfahrungen aus dem Unterricht und der Zusammenarbeit mit der Lao Youth Union weiter. Trotz vieler offensichtlicher Gemeinsamkeiten (etwa die Kopierfreude unserer Schüler und Schülerinnen bei Tests) war ich erstaunt, wie sehr sich die Einsatzstellen in Organisation und Gestaltungsfreiheit unterscheiden.

 

Mittwoch: Freizeit

An unserem freien Tag durfte eine fest eingeplante, gemeinsame Aktivität natürlich nicht fehlen, daher machten wir uns auf Empfehlung unserer Gastgeberin Monika auf ins Weberdorf nebenan. Monikas Hund Max lies es sich nicht nehmen, uns auf unserer Wanderung zu dem „nahe“ gelegenen Dorf zu begleiten, bei der sich nicht nur aufgrund der tierischen Begleitung interessante Gespräche ergaben. Alle Freiwilligen hielten wie Max tapfer bis zum Schluss durch, auch wenn sich der Weg etwas komplizierter gestaltete, als Monikas selbstgezeichnete Karte vermuten lies. Ein Eis war für unseren Freund und Helfer dann aber, trotz Hundeblick, doch nicht drin. Leidlich gekühlt machten wir uns auf den Rückweg in der Intention, diesmal den direkten Weg durchs Dorf zu nehmen.

Der Nachmittag war uns zur eigenen Gestaltung freigegeben, neben der Weiterarbeit an den Simple Shows trafen wir uns zu einer gemeinsame Lao-Stunde und zum physischen Ausgleich gab es eine kurze Einführung ins Krav Maga von Jan.

 

Donnerstag: Wer bin Ich? oder „Reduktion von menschlicher Komplexität im praktischen Experiment“

Die Aufgabe, die zunächst ganz unschuldig klang, bestand darin, sich selbst 10 Gruppierungen zuzuordnen, erst für sich persönlich und diese im Anschluss mit einer anderen Person auszutauschen und auf Post-Its zu notieren, die dann an Klamotten etc. angepinnt wurden. Derart bepflastert konnten wir bei den anderen nach Gemeinsamkeiten und Unterschieden suchen. Die Situation war an sich schon etwas merkwürdig und unangenehm, jeder wurde auf Grund einiger Stichworte automatisch bestimmten Stereotypen zugeordnet.

Zudem hatte ich selbst nicht das Gefühl, in diesem Umfeld die 10 Gruppen genannt zu haben, die tatsächlich für mich am prägendsten sind, von gewissen Schwierigkeiten, diese zu verbalisieren einmal ganz abgesehen. Im Anschluss an die „Nabelschau“ wurden wir angehalten, wie hätte es anders sein können, nach und nach Zettel, „Teile unserer Persönlichkeit“, abzulegen. Die Entscheidungen vielen keinem von uns leicht und man spürte deutlich wie die Laune sank.

Zum Schluss war niemand mit dem zufrieden oder einverstanden, was von dem ohnehin schon vereinfachten Persönlichkeitsmodell übrig geblieben war.

Allerdings wurde mir dadurch sehr deutlich vor Augen geführt, warum es mir etwa auch nach acht Monaten noch so unangenehm ist, als Falang betitelt zu werden. Oder mit allen bisher dagewesenen deutschen Freiwilligen (die Freiwilligen aus Deutschland) über einen Kamm geschert zu werden.

Anschließend durften wir wieder unsere Vorstellungskraft bemühen. Aufgabe war es, drei Tagebucheinträge aus der Zukunft zu verfassen: der letzte Tag in der Einsatzstelle, der erste Tag zurück in Deutschland und der 1. Dezember 2016. Mit zunehmender Entfernung des Datums fiel es mir schwerer, etwas zu Papier zu bringen. Ebenso fand ich es anstrengend, mir so emotionale Tage wie Abschied und Ankunft bildlich vor Augen zu führen.

Nachmittags blieb es beim Zukunftsthema, wenn auch in abstrakterer Weise, Studium, berufliche Vorstellungen u.Ä..

Was kann ich gut und mache ich gerne? Und wie schätzen andere mich ein? Welche beruflichen Perspektiven lassen sich daraus für Mitfreiwillige erschließen? Und welche dieser Berufsfelder/Studiengänge sprechen mich selbst an bzw. überraschen mich?

Neben weniger ernst gemeinten, dafür aber umso unterhaltsameren Vorschlägen, fanden sich auch einige neue Denkanstösse und Ideen, was teilweise die immer noch vorherrschende Unsicherheit in Sachen Studium wohl etwas verstärkte. Trotzdem war es spannend zu sehen, wie viele Fremdeinschätzungen es gab, in denen man sich selbst tatsächlich wiederfinden konnte.

Um einen gemeinsamen Abschluss zu gestalten, war ein bunter Abend angedacht. Unsere mehr oder weniger fertig gestellten Simple Shows wurden präsentiert, was für erhebliche Belustigung sorgte, auch die ungeschnittene Variante mit etwas gestressten Regieanweisungen. Außerdem drei kreative Gedichte/Songs von unseren Schreiberlingen aus Luang Prabang.

 

Freitag: Abschied und Heimreise

Freitagmorgen ging es dann auch schon wieder auf mehr oder weniger direktem Weg Richtung Heimat. Mir selbst ist der Abschied erstaunlich schwergefallen, war es doch das erste Mal seit langem, dass wir als Gruppe zusammen waren.

Außerdem hat mich überrascht, wie stark mir der Kontrast zwischen dieser Woche unter Deutschen und meinem Alltag in Thakhek, der neben Paulina fast ausschließlich aus Laoten besteht, aufgefallen ist. Zuvor war mir nicht bewusst gewesen, wie sehr wir uns bereits eingelebt hatten. Zurück in Deutschland werde ich auf jeden Fall frieren und laotische Ruhe und Gelassenheit vermissen.