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Der Bericht zum Zwischenseminar der Seminargruppe 1, 03. bis 08. Februar 2013 im Bildungshaus Ottersleben von Juliane Patz mit Unterstützung von Diane Hillebrand

Liebe Einsatzstellen,

die Seminare geben uns jungen Leuten Raum. Jede_r von uns findet etwas anderes an ihnen wichtig für sich selbst. Eines erleben wir im Seminar jedoch alle: wie es ist, wenn verschiedene Menschen offen zueinander sind und intensiv Zeit miteinander verbringen. Für mich ist das der Kern des Freiwilligendienstes in der Kultur. Man lernt es nicht in der Schule und nicht vor dem Computer. Ich habe zwar schon einmal studiert, aber eine Seminargruppe, so wie jetzt, hatte ich noch nie.

Ich will nun einen Bericht über das Zwischenseminar unserer Seminargruppe 1 (»Du bist wir« / Die Schönen) in Ottersleben versuchen – er zeigt vielleicht, was so ein Seminar sein kann.

Die Themen unseres Zwischenseminars hatten wir uns zu einem großen Teil selbst ausgesucht. Unsere Wahl war thematisch auf Persönlichkeitsentwicklung, Zukunftsperspektiven, Gruppendynamik und Nachhaltigkeit gefallen. Drei künstlerische Workshops waren in Zusammenarbeit mit unserer Seminarleiterin Franzi auf die Beine gestellt worden, Til und Johannes hatten angeboten, einen Stadtrundgang durch Magdeburg zu organisieren. Um uns kulturelle Feinheiten und die Auswirkungen unserer Lebensweise auf die Welt und entfernt lebende Menschen noch bewusster zu machen – eines der Ziele der .lkj) Sachsen-Anhalt e.V. –, stand außerdem wieder das Thema »Globales Lernen« auf dem Programm. Darüber hinaus wollten wir uns natürlich über die fast sechs Monate in unseren Einsatzstellen austauschen und unsere Eigenverantwortlichen Projekte voranbringen.

FSJ Kultur Zwischenseminar SG1 Magdeburg- Ottersleben 2012/2013

Eigentlich nötiger Schutzanzug für Kaffeeplantagen – auf dem Konsumkritischen Stadtrundgang

 

FSJ Kultur Zwischenseminar SG1 Magdeburg- Ottersleben 2012/2013

Im Tanzworkshop I

Als Seminarleiterinnen reisten wieder Franzi und Kati mit uns zum Seminar, diesmal nach Ottersleben in der Nähe von Magdeburg. Gleich in den ersten Tagen merkten wir, wie empfindlich eine Gruppe auf Veränderungen in der Zusammensetzung reagiert: Ferdinand wurde krank, musste heimreisen und hinterließ eine Lücke, die kein anderer schließen konnte. Auch Marcos fehlte, Clemens war erkältet und schleppte sich tapfer durch die Tage, weswegen wir zum Beispiel weniger Musik zusammen machten als noch im September.
Neu dazugekommen war Sophie, die im Januar ihr FSJ Kultur in Naumburg begonnen hatte. Trotz dieser Veränderungen mochten wir einander und konnten auf dem Vertrauen aufbauen, das wir im ersten Seminar in so vielen Spielen und Aufgaben und im Zusammensein aufgebaut hatten. Nirgendwo war dieses Vertrauen so sehr zu spüren wie bei den künstlerischen Workshops, an denen wir in drei Gruppen über zwei Tage hinweg teilnehmen durften. In der Tanzgruppe ließ Lena Wenke, eine leidenschaftliche Tanzpädagogin, uns fünf Mädchen Modernen Tanz, Jazzdance und Hiphop-Stile ausprobieren. So wie noch nie in diesem häufig büro-lastigen FSJ durften wir die Ausdrucksmöglichkeiten erkunden, die unser Körper hat. Das Tanzen ließ uns ganz intensiv kommunizieren und hat uns sehr viel gegeben.
FSJ Kultur Zwischenseminar SG1 Magdeburg- Ottersleben 2012/2013

Im Tanzworkshop II

FSJ Kultur Zwischenseminar SG1 Magdeburg- Ottersleben 2012/2013

In Action beim Actionpainting I

Zur selben Zeit fanden die beiden anderen künstlerischen Workshops statt: Actionpainting, geleitet von Diane aus unserer Seminargruppe, und Fotografie, geleitet von Yvonne Most. Die Actionpainter_innen arbeiteten intensiv mit Farben und Materialien, wobei das Ziel hier der Prozess des Kunstschaffens – die Aktion – und nicht unbedingt das Ergebnis war. Am Abschlussabend konnten wir einige Arbeiten in einer Ausstellung bewundern. Die Fotografie-Gruppe experimentierte mit verschiedenen Perspektiven, Belichtungen und Einstellungen und schuf auch ein Foto, an dem wir alle beteiligt waren: Wir dunkelten den Raum komplett ab und jede_r beleuchtete sein_ihr Gesicht nur mit einer Kerze. Die entstandenen Bilder wurden ebenfalls am Abschlussabend vorgestellt. Unsere Tanzgruppe gab eine Jazzdance-Einlage und zeigte Fotos und ein Video vom Workshop.
FSJ Kultur Zwischenseminar SG1 Magdeburg- Ottersleben 2012/2013

In Action beim Actionpainting II

Wichtig ist bei allen Seminaren auch, dass wir lernen, eigenständig aktiv zu werden. So organisierten Melissa und Marie unseren Abschlussabend, an einem anderen Abend entwickelten Franzi und Leonie eine Spielerallye. Johannes und Til führten den Stadtrundgang durch Magdeburg mit uns durch und Clemens und Te übernahmen die Spielleitung bei dem Abends immer wieder gern gespielten Spiel »Werwolf«. Für verschiedene Aufgaben innerhalb des Seminars gab es außerdem wechselnde Aufgabenkarten, so dass beispielsweise die »Seminarraumperlen« für Ordnung sorgten und der »Hase mit der Uhr« alle pünktlich zusammenzutrommeln hatte.

FSJ Kultur Zwischenseminar SG1 Magdeburg- Ottersleben 2012/2013

Fotografie

Außerhalb des Seminares standen wir in puncto »Eigenständigkeit« alle vor der Herausforderung, Eigenverantwortliche Projekte zu planen und durchzuführen. Um den anderen unser EVP – so weit wir bisher damit waren – vorzustellen, probierten wir uns im »Pitchen«. Die Übung lehnt sich an den Elevator’s Pitch an, bei dem Manager-Trainees nur eine Fahrt mit dem Fahrstuhl Zeit haben, um einen Geschäftskollegen von einer Idee zu überzeugen.
So standen wir also vor der Gruppe und präsentierten kurz und knapp entlang bestimmter wesentlicher Fragen unser Vorhaben – zugleich eine Vorbereitung für die überzeugenden Darstellung einer Projektidee vor potenziellen Geldgebern und Unterstützern. Jede_r bekam von der Gruppe ein Feedback zu Idee und Präsentation, und wir feilten gemeinsam an den konkreten Plänen. Um unser Projekt zugleich der Öffentlichkeit zugänglich machen zu können, bekamen wir von Franzi noch eine Einführung in das Gebiet der Pressearbeit.

Das Seminar gab uns auch Gelegenheit, eine Pause von der Tagesarbeit einzulegen und uns auszutauschen: Was für Arbeiten prägten unseren Arbeitsalltag, wie zufrieden fühlten wir uns, welche Wünsche hatten wir noch, was trauten wir uns vielleicht nicht auszusprechen und wie waren wir in die verschiedenen Beziehungsgeflechte eingebunden? Wen duzten, wen siezten wir und welchen Unterschied machte das aus? Gleichzeitig bekamen wir natürlich einen Einblick in die Kulturlandschaft Sachsen-Anhalts mit den verschiedenen Institutionen und ihren Grenzen und Verbindungen untereinander. Diese Berufsperpektive vertieften wir in einer Gesprächsrunde mit vier Berufstätigen aus der Kultur: Eine Tanzpädagogin, eine Journalistin und Künstlerin, eine Fotografin und Kulturmanagerin sowie ein Musikpädagoge saßen am Mittwochabend an wechselnden Tischen mit uns zusammen und beantworteten Fragen, fragten aber auch nach unseren Träumen.
FSJ Kultur Zwischenseminar SG1 Magdeburg- Ottersleben 2012/2013

Til als Fotomodell

FSJ Kultur Zwischenseminar SG1 Magdeburg- Ottersleben 2012/2013

Franzi, Kati und ihr großes Herz

Eine andere Einheit, die von unserer Seminarleiterin Kati und der Gastreferentin Elke Fiege von der .lkj) Sachsen-Anhalt e.V. geleitet wurde, beschäftigte sich mit unserem Verhalten in Gruppen. Sie beruhte auf einem aus Israel stammenden Programm namens Betzavta (dt.: Miteinander) zur Einübung gelebter Demokratie. Mit einer Übung, bei der wir kurze Zeit mit Bindfäden in kleinen Gruppen zusammengeknüpft waren, lernten wir über unsere jeweilige Art, mit (immer unvollständigen, auf Annahmen beruhenden) Anweisungen umzugehen und uns in einer Gruppe den anderen mehr oder weniger anzupassen.

Eine Übung, die nachdenklich machte, brachte eine größere Gruppe in die Situation, eine Geheimsprache zu entwickeln, in der sie sich kryptisch über ein bestimmtes Thema unterhielt. Wir konnten beobachten, wie wir die Dazukommenden nicht einweihten, wie wir es ihnen schwer machten, sich zu integrieren, also »mitzureden«, wie wir sie durch unsere nicht erklärte Geheimsprache regelrecht schockierten. Was, wenn Menschen neu nach Deutschland oder in eine Institution kommen und Ähnliches erleben? Es entstand dadurch ein Bewusstsein, wie wichtig es ist, sich in diesen Situationen noch aktiver den neu Hinzugekommenen zuzuwenden. In anderen Slots loteten wir unsere eigenen Stärken und Schwächen aus, schauten Kurzfilme über globale Wertschöpfungsketten und machten neben der Magdeburger Stadtführung noch einen »Konsumkritischen Stadtrundgang« mit dem BUND.

Und für alle weiteren Fragen, liebe Einsatzstellen des FSJ Kultur bzw. BFD Kultur und Bildung, frag doch einfach eure_n tolle_n Freiwillige_n, wie sie_er das Seminar erlebt hat!

Juliane Patz mit Unterstützung von Diane Hillebrand

FSJ Kultur Zwischenseminar SG1 Magdeburg- Ottersleben 2012/2013

Die „Schönen“ im Kerzenschein