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Freiwillige während der DDR-Gedenkstättenfahrt in der Gedenkstätte Deutsche Teilung Marienborn

Seminarbericht von Florian Wende (FSJ Kultur Freiwilliger 2018/19)

Vom 2.-5. April 2019 fand das Wahlpflichtseminar „DDR Gedenkstättenfahrt“ des FSJ Kultur- und FSJ Ganztagsschule-Jahrgangs 2018/19 statt. Wir trafen uns am Dienstagmorgen in den Räumen der .lkj), und nutzen die Zeit des Ankommens für ein gemeinsames Kennenlernen und einen grundlegenden Einstieg in das Thema. Wir haben uns zusammen darüber ausgetauscht wie wichtig Erinnern ist, welche Formen der Erinnerung es gibt, und haben festgestellt, dass es enorme Unterschiede gab. Wir können uns positiv, als auch negativ, gemeinsam als Kollektiv oder individuell subjektiv erinnern – es ist wie mit allem im Leben: Ein Zusammentreffen unterschiedlicher Standpunkte, unterschiedlicher Bezüge zu einer Thematik. Nach einer Beschäftigung mit der DDR an sich, war es das auch schon mit dem ersten Tag, ein sehr gelungener und vor allem ruhiger Einstieg.

Am nächsten Morgen kamen wir wieder alle zusammen, um uns mit dem Bus auf den Weg zur Gedenkstätte „Deutsche Teilung Marienborn“ zu machen. Ein imposanter Ort, ein Beispiel für eine Welt, wie wir sie heute nur noch schwer greifen können. Es wäre ja unvorstellbar heute mitten in Deutschland an einer gewaltigen Grenzanlage zu stehen, unzählige Kontrollen über sich ergehen zu lassen und dann nur auf einer Route nach Berlin zu fahren. Nach einer Führung über das Gelände der Gedenkstätte, welche sicherlich bei besserem Wetter noch etwas ausführlicher gewesen wäre, kamen wir zu einer gemeinsamen Reflexion zusammen und mussten unsere Eindrücke erst einmal verarbeiten. Wir haben durch das anschließende Gespräch mit einem netten Mitarbeiter der Gedenkstätte gelernt, das Erlebte in einen geschichtlichen Kontext zu setzen, um es besser greifbar zu machen, und hatten einen langen, sehr lebendigen Austausch.

Danach machten wir uns auf den Weg zurück nach Magdeburg, um eine Führung durch das die Stasi-Unterlagen-Archiv zu bekommen. Die Stasi mag für unsere Generation ein unglaublich schwieriges Kapitel sein, weil die Dimensionen weit über das hinweg gehen, was sich in unserem Vorstellungshorizont befand. Wir sahen die unglaubliche Menge an Dokumenten. Dokumente, welche präzise alles über das Leben unzähliger Menschen wiedergeben, und natürlich mit den vorgeworfenen Vergehen dieser Personen. Durch das Studieren einzelner Akten, mit geschwärzten Namen und Daten, stieß ich persönlich auf eine Akte einer ehemaligen inoffiziellen Mitarbeiterin der Staatssicherheit, aus meinem Heimatdorf, einem kleinen Stück Land mit einer noch kleineren Anzahl an dort lebenden Menschen. Das hat mir wieder die Dimension dessen aufgezeigt, was sich in 40 Jahren DDR Geschichte abgespielt hat.

Der Donnerstagmorgen begann mit einer gemeinsamen Straßenbahnfahrt in Richtung Gedenkstätte Moritzplatz Magdeburg. Nach netter Begrüßung wurden wir von einem Zeitzeugen empfangen, der nach seiner versuchten Grenzflucht im Gefängnis am Moritzplatz landete. Er erzählte uns sehr differenziert von seinem Leben in der DDR, seiner misslungenen Republikflucht und seiner Zeit im Gefängnis. Vor allem berichtete er aber von den grausamen Methoden der psychologischen Beeinflussung in seiner Zeit in der Untersuchungshaft. Es entwickelte sich eine sehr ausführliche Diskussion mit den Teilnehmenden, die Bezug auf das nehmen konnten, was sie bereits in der Führung vorher erfahren haben.

Am Donnerstagabend trafen wir uns zu einem gemeinsamen Filmabend, der Film „Goodbye, Lenin!“ stand auf dem Programm. Eine sehr gute Filmwahl, da neben der Vielzahl an negativen Erinnerungen, griff dieser Film sehr viele ostalgische Perspektiven auf, und verhalf uns zu einem detaillierteren Blick auf die DDR.

Nach vielen Diskussionen am Abend in der Jugendherberge, war es auch schon soweit, und der letzte Tag des Wahlpflichtseminares brach an. Beginnend mit einer Zugfahrt nach Halle zur Gedenkstätte „Roter Ochse“, einem ehemaligen NS- und DDR-Gefängnis, auf dessen Gelände sich heute wieder ein Gefängnis befindet. Vor der Führung, welche auf sehr viele Einzelschicksale Bezug genommen wurde, und darum sehr authentisch wirkte, hatten wir ein weiteres Zeitzeugengespräch. Neben der Zeit im Gefängnis des Zeitzeugen, haben wir auch sehr viel über Jugendarbeit in der DDR, über persönliche Jugenderlebnisse und vieles mehr erfahren. Ein wirklich sehr toller Mensch, der heute noch in sehr vielen sozialen Projekten und über seine eigene Stiftung sehr engagiert ist. Jeder, der sich dafür interessiert, sollte sich doch bitte über Lothar Rochau informieren.

Abschließend haben wir, wohlgemerkt nach einer sehr langen Woche mit ungeheurem Input, unsere letzte Kraft gebündelt, um abschließend unsere Erlebnisse zu reflektieren, und allmählich Abschied zu nehmen.

Ein paar letzte Worte in eigener Sache, ich mag mich ganz herzlich bei Sina für die tolle Planung des Seminars bedanken, ebenso wie bei allen anderen Referierenden und Zeitzeugen. Ich denke ich spreche im Namen der Gruppe, wenn ich einen ganz besonderen Dank an Lisa, unserer Betreuung während dieser Tage ausspreche. Sie hat es sehr wohl verstanden, differenzierte Diskussionen zu führen, die Gruppe dauerhaft zu motivieren und sie war ein wirklich sehr angenehmer und offener Gesprächspartner bei sämtlichen Problem(ch)en.