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Einführungsseminar der Seminargruppe 1, 02. bis 07. September 2012 im Cyriakushaus Gernrode

Ein Erfahrungsbericht mit ganz persönlichen Eindrücken von Clemens Garlipp und Diane Hillebrand (»Die Schönen«)

Ob mit der Bummelbahn oder mit dem Auto über den Feldweg, irgendwie kamen wir, die Seminargruppe 1 – aka. »die Schönen«, am 02.09. alle heil in Gernrode an.

Franzi & Kati, unsere Teamerinnen für die nächsten sechs Tage, erwarteten uns bereits mit Tee, Keksen und amüsanten »Kennenlernenspielen« in der Hinterhand. Kennenlernspiele in der Art von Gesichter zeichnen (mit sehr abstrakten Varianten :-)) oder das Zuwerfen von imaginären Bällen.

Natürlich hatten wir alle keine Ahnung, was da auf uns zukommen würde. Man wusste nur sehr wenig oder auch gar nichts über die anderen, doch das sollte sich schnellstmöglich ändern. Durch unsere Teamerinnen von Anfang an zu einem offenen Umgang ermutig, durfte jede_r ein ungefähres Erwartungsbild abgeben. Also Themen nennen, die im Laufe des Seminars noch einmal eingebracht werden sollten oder was er_sie selbst zur Gruppe beisteuern könnte. Wir merkten schon in den ersten Stunden, dass wir hier Gleichgesinnte gefunden hatten. Manche noch etwas schüchtern, andere schon umso offener, doch alle brachten ihre Ideen, Fragen und Wünsche für das bevorstehende Seminar ein. Schon in der ersten Pause fanden wir uns spontan auf der Terrasse zusammen, lauschten und machten Musik. Das Rasseln, der überschwängliche Gesang und das Geklimper sollte uns noch die gesamte Woche den Takt angeben. Vor allem dieses eine Lied, mitgebracht auf der Ukulele, wird wirklich für immer in unseren Gehirnen eingebrannt sein … Lalalala

Nach dem lockeren Miteinanderwarmwerden ging es dann am nächsten Tag ans Eingemachte:
Was ist Kultur?

Und da jeder seinen Senf dazugeben durfte, wurde auch schnell klar, dass es die Mischung macht. Monotonie wäre ja auch öde. Gewiefte Köpfe unserer Gruppe verglichen die Kultur mit einem Eisberg, bei dem man zuerst nur die Spitze erkennt. Jedoch weiß ja jede_r, dass unter der Oberfläche der eigentliche Großteil liegt. Sollte man mal drüber nachdenken. Und noch viel wichtiger: Ist ein Nilpferd nicht einfach nur ein tiergewordener Eisberg?

FSJ Kultur Einführungsseminar SG1 2012/2013 Cyriakushaus GernrodeFSJ Kultur Einführungsseminar SG1 2012/2013 Cyriakushaus GernrodeFSJ Kultur Einführungsseminar SG1 2012/2013 Cyriakushaus GernrodeFSJ Kultur Einführungsseminar SG1 2012/2013 Cyriakushaus GernrodeFSJ Kultur Einführungsseminar SG1 2012/2013 Cyriakushaus Gernrode
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Nachdem wir uns nun etwas kannten, hieß es jetzt Vertrauen aufzubauen. Dazu wurden wir in das Reich der Erlebnispädagogik entführt:

So erwarteten uns verschiedene Übungen, z.B.

  • Das Pendel: sich von zwei Leuten seiner Größe wie ein Brett hin- und herwerfen lassen
  • Eine Moorüberquerung mit »Zauberarmband«
  • oder sich gemeinsam auf ein Decke stellen und versuchen, sie umzudrehen.

Gar nicht so einfach…

Ebenso kreativ ging es weiter, als uns rohe Eier erwarteten, die nur mit Naturmaterialien verpackt die Terrasse hinunter geworfen werden sollten und dabei dem vermeintlichen Tod entgehen mussten. Es hieß also Entrinnen nicht Zerrinnen. Abenteuerliche zweite Schalen aus Zeitungspapier, Baumblättern oder Apfelhälften, konnten jedoch nur eins von vier Eiern behüten. Der_Die Überlebenskünstler_in kam leichtverletzt mit einer Beule davon. Bravo!

Da wir uns nun vertraut waren und auch hatten, zogen wir gemeinsam los, um Gernrode zu erkunden. Oder besser gefragt: Wo verdattert und verdudelt sind wir hier eigentlich gelandet? Keine Zugverbindung, keine Menschen auf der Straße und soweit das Auge um die Ecke blickt: Einbahnstraßen, die enger nicht sein konnten.

Gernrode entpuppte sich jedoch als ein schönes kleines Harzdörflein, das neben der doch gut besuchten Cyriakuskirche auch ein Kuckucksuhrenmuseum und eine alte Elementarschule, die ebenfalls besichtigt werden kann, vorzuweisen hat. Außerdem ist es ein sehr reinliches und ruhiges Fleckchen, das mit Wanderwegen und schönen Ausblicken punkten kann.

In einer gemütlichen Runde mit Bier und Gitarre auf der Terrasse fiel uns auf, dass die Leerkörper, trank man sie auf den richtigen Inhalt, durchaus mit den gespielten Akkorden harmonierten. Voller Neugier und Eifer wussten wir, was zu tun ist: Nachstimmen. Nachdem das getan war, pusteten alle an ihrem Einsatz über den Hals der Flasche. Raffiniert, wie wir waren, hatten wir auch gleich ein Aufnahmegerät zur Hand. Wieder einmal hatten wir bewiesen, dass wir musikalisch doch alle in dasselbe Glas schauen.

Nach solchen lustigen Freizeitgestaltungen ging es jedes mal wieder in den Seminarraum. Um dort auch voll konzentriert zu sein, dachten sich Franzi & Kathi oder auch wir Warmups aus. Resultate waren oft Erkenntnisse wie, dass Schere–Stein–Papier–Gewinner_innen auch viele Fans haben können oder dass das Singen eines Kinderliedes nahezu unmöglich ist, wenn man die Glieder, den Kopf und die Zunge schüttelt.

Dann ging es kollektiv Richtung Bus, um mit ihm gen Quedlinburg zu düsen. Klassenfahrtfeeling kam auf, als wir wie die kleinen, sturen Entchen Kathi hinterher watschelten. Ziel war das Theater, wo wir einiges vom Geschehen hinter den Kulissen erfahren wollten. Leider nur in Form einer kleinen Führung inklusive Schilderung, da gerade Sommerpause und logischerweise dann auch kein_e Schauspieler_in weit und breit zusehen war.
Wieder wohlbehütet in Sweet Home Gernrode angekommen, sollten wir am nächsten Nachmittag einmal etwas Eigenes auf die Beine stellen, um einen kleinen Vorgeschmack auf unser eigenverantwortliches Projekt zu bekommen. Nach ein paar Stunden Theorie fanden wir uns also in Gruppen zusammen. Die Musikant_innen spielten für die Gernröder_innen vor dem Edeka auf oder chauffierten Ukulelelisten per Einkaufswagen durch die Reihen von Angebot und Nachfrage. Die Kreativen gesellten sich auch auf den Platz bei Edeka und malten und bastelten mit einigen Kindern. Dieser bunte Fleck im tristen Grau war schon vom weiten zu erkennen und sogar gewieft durch Kreidekunstwerke ausgeschildert. Kunst & Musik: Ab 15.30 Uhr! Das Highlight ihres Projektes war der Wunschbaum, an den alle Menschen bunte Zettel mit ihren Belangen hängen konnten. Und siehe da: Der Baum trug viele Früchte! Außerdem bildeten sich zwei Filmgruppen. Eine der beiden machte es sich zur Aufgabe das wilde Treiben unseres Seminars für die Nachwelt gewitzt wie auch spontan festzuhalten. Die andere Filmgruppe bekam sogar Unterstützung von Laura, die extra für uns mit professionellem Kamera-Equipment den beschwerlichen Weg nach Gernrode auf sich nahm. Denn diese Gruppe hatte ihre Ziele hoch gesteckt: Der Kurzfilm den sie drehen wollten, sollte an zwei Wettbewerben teilnehmen (bei ARTE und beim Jugend-Kultur-Preis Sachsen-Anhalt). Gesagt – Getan: Schon nach einem Tag war der ca. zweiminütige Kurzfilm im Kasten und alle waren stolz wie Bolle.

Am Abend ließen dann alle diesen erfolgreichen Tag zusammen am Lagerfeuer mit Knüppelkuchen und, zur Feier des Tages, mit etwas Bier/Wein ausklingen. Ja, es klang im wahrsten Sinne des Wortes, denn auch die Musikant_innen spielten wiedermal ein Liedchen und steckten so manchen mit ihrem »lieblichen« Gesang an.

Nun war der Donnerstag auch schon gekommen und mit ihm unser letzter gemeinsamer Abend. Alle hatten noch so Einiges für ihre Wochenaufgabe vorzubereiten und dafür wurde der Tag auch hauptsächlich genutzt. Als nun der Abend angebrochen war und sich alle im »Gerosaal« versammelt hatten, begann das lang geplante Programm. Eröffnet wurde der Abend mit amüsanter Pantomime von unseren Teamerinnen Kathi und Franzi, die charakteristische Merkmale unserer Gruppe und markante gemeinsame Ereignisse (Ist das Sand oder Pfeffer im Salat?!) nachstellten. Für uns hieß es möglichst schnell aufspringen und per Stift auf der Aluschale buzzern. Darauf folgte ein Beitrag musikalischer Art von unserer gruppeneigenen Band, die sich mit »Wir sind ‚Du«“ vorstellte. Später zeigte die Videogruppe, wie sie unseren Seminaralltag festgehalten hatte. Darauf folgte der von der Filmgruppe gedrehte und geradeso fertig geschnittene Kurzfilm »Symbiose«. Alle Beiträge wurden kräftig beklatscht. Gegenseitiges Einschleimen und Schulterklopfen und das – wenn man das mal objektiv betrachtet – nicht unverdient. Die vierte und letzte Gruppe hielt sich mit ihrem Programmpunkt lange sehr bedeckt. Niemand von uns wusste, was nun auf uns zukommen würde. Déjà-vu. Doch bald war das langgehütete Geheimnis enthüllt: Ein Spielemarathon. Das heißt: Klamotten tauschen im Dunkeln, Scharade auf Zeit, alle Körperteile verrenken bei Twister und Wörter wie das endoplasmatische Retikulum oder Obstsalat ohne Requisiten darstellen.

Nachdem die Sieger_innen gekürt, die Tränen gerollt und die Ehrenrunden gedreht waren, wurde es noch mal düster in Gernrode. Eine kleine Gemeinde von mutigen Bürger_innen fand sich zusammen, den Werwölfen den Garaus zu machen. Dieser Verband hockte auf dem Boden, die Spielleitung schlich drum herum und die amüsierte Menge saß daneben. Selten war es so ruhig im Seminarraum. In Gernrode war jede Nacht Vollmond. Manchen kleinen Mädchen und Buben durchfuhr ein Schauer, wenn sie beim blinzeln genau in das Antlitz eines Werwolfes blickten. Auch wenn jede Runde einer starb, haben irgendwie alle überlebt.

Am nächsten Morgen waren die Gesichter müde und die Gemüter getrübt. Die letzten Stunden waren gekommen. Im Nu wurden Räume und Zimmer gereinigt, das Geschirr gespült und der Pfand zusammengesammelt. Jener verschwand leider mit zweien von uns, von denen wir keinen richtigen Abschied nehmen konnten.

Zum letzten Mal saßen wir zusammen im Seminarraum und werteten die letzten Tage aus. So lobten wir alle die Gruppe aus Menschen, in der wir die letzten Tage gewachsen waren. Ein dickes Danke ging obendrein an unsere Teamerinnen, die uns zuallererst ertragen und das alles organisiert hatten. Auch dem Hausherren stellten wir eine kleine Aufmerksamkeit auf den Tresen: Selbstgemachte Marmelade von den Alumni-Freiwilligen.

Mit den Koffern vor der Tür, dem Fahrplan ansatzweise im Kopf, einer schönen Woche im Gedächtnis und der Vorfreude auf den ersten oder nächsten Arbeitstag im Herzen nahmen wir uns alle noch mal in den Arm, auf den Arm und dann Abschied.

Hier die Woche noch einmal in einer kurzen Zusammenfassung:

FSJ Kultur Einführungsseminar SG1 2012/2013 Cyriakushaus Gernrode

Eindrücke vom Einführungsseminar der ersten Seminargruppe im idyllischen Gernrode. »Du bist wir« ist das selbstgewählte Motto der Woche, neben Kennenlernen, Einheiten zu Kulturbegriff und Identität, standen auch fliegende Eier und Flanieren mit offenen Augen durch Gernrode auf dem Programm.

FSJ Kultur Einführungsseminar SG1 2012/2013 Cyriakushaus Gernrode

Einige musizierten vor dem Supermarkt, andere luden GernroderInnen zum kreativen Werkeln ein und das Filmteam huschte durch die hiesigen Sehenswürdigkeiten und hielt sie medial fest. Gefolgt von Einheiten zu Kommunikation und Konflikt brummt allen der Schädel vor lauter Kreativität und Input. Das Einführungsseminar der ersten Gruppe Freiwilligendienste Kultur und Bildung 2012_13 neigt sich dem Ende zu. Sie sind und es war schön!

FSJ Kultur Einführungsseminar SG1 2012/2013 Cyriakushaus Gernrode

Nach einer Führung im Quedlinburger Theater und einem kurzen Zwischenstopp in der Harzer Idylle, liegt uns Gernrode wieder zu Füßen und wird heute nachmittag mit selbstgestrickten kulturellen Aktionen von uns bespielt. Gestärkt mit morgendlichem Yoga kann nichts schief gehen.