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Jugendbildungsstätte Peseckendorf: 27.09.-01.10.2010

Ein Erfahrungsbericht von von Maria Neubert

Alles fing mit einem verregneten Tag an. Das war ein bisschen schade, denn im Prinzip freute ich mich auf die kommende Seminarwoche. Aufgeregt fieberte ich den fünf Tagen entgegen. Was wohl alles auf mich zukommen würde? Und wie wohl das Schloss Peseckendorf aussieht? Peseckendorf – Was für ein Name! Ich fragte mich, wie man es wohl richtig ausspricht und wo die Betonung liegen sollte. Peseckendorf liegt zwar in der Nähe von Magdeburg, jedoch hatte ich noch nie etwas von diesem Dorf gehört. Vermutlich rührten meine anfänglichen Sprachdefizite ja daher. Im grauen Tageslicht und pitschnass durch den Regen stand ich schließlich vor dem Schloss, zusammen mit den anderen FSJ´ler_innen, die ich am Magdeburger Bahnhof traf, um eine Fahrgemeinschaft zu bilden. Wir traten ein und fanden uns in einer kreativen bunten Welt wieder.

FSJ Kultur Einführungsseminar SG1 Peseckendorf 2010/2011

Die Seminargruppe 1 des Jahrgangs 2010/2011

Ziel des ersten Seminars war es, dass wir einander kennen lernen sollten. Am Anfang war es noch ziemlich schwierig, sich alle Namen zu merken, denn wir waren eine beachtliche Gruppe von insgesamt 24 jungen Menschen. Die erste Aktion in dieser Hinsicht war erst einmal ein kurzes Vorstellen mithilfe unterschiedlicher Karten, auf denen eine Vielzahl von Motiven abgebildet und Begriffe vermerkt waren. Jeder sollte sich eine aussuchen, sich dann kurz vorstellen und erklären, was auf der Karte zu sehen ist und aus welchem Grund man sich genau für diese entschieden hat. Bei mir war – wie hätte es auch anders kommen können? – eine Menschengruppe mit Regenschirmen abgebildet. Darunter stand das Wort „Zusammen“.
Es folgten viele Namensspiele. Die ersten waren simpel, jedoch gab es Steigerungen. Beispielsweise mit allen FSJ´lern_innen, die sich in einem Kreis aufgestellt hatten: In der ersten Runde sollte man den anderen sagen, wie man heißt. In der zweiten Runde sollte man jedoch selbst jemanden mit Namen ansprechen können. In der dritten und letzten Runde wurde einem gesagt, zu wem man hingehen musste. Der einzige Vorteil bei diesem Spiel war, dass viele Namen der Jungs in unserer Gruppe doppelt vertreten waren. Die Chancen standen also nicht schlecht, den richtigen zu erwischen. Eine andere amüsante Form des Kennenlernens war das Speeddating. Ich kannte diese Art bis dato nur aus Filmen. Es hat eine Menge Spaß gemacht, im etwas schummrigen Licht zu sitzen und dem/der anderen zu einer bestimmten Fragestellung Dinge über meine Person zu erzählen und selbst zuhören zu können. Allerdings musste man nach einem Glockenton immer wieder aufstehen und zum nächsten Gesprächspartner wechseln – immer, wenn es spannend wurde. Das Eis brach immer mehr. Während der ganzen Woche sorgten unsere Betreuerinnen Kati und Franzi dafür, dass wir immer wieder mit neuen Leuten zusammen kamen, um miteinander zu arbeiten, oft sogar unter ein wenig Zeitdruck.
FSJ Kultur Einführungsseminar SG1 Peseckendorf 2010/2011

FSJ Kultur ist klasse!

FSJ Kultur Einführungsseminar SG1 Peseckendorf 2010/2011

Unsere Seminarziele

Abgesehen vom „einander Kennenlernen“ ging es in diesem Seminar noch um andere Dinge: Wir bekamen einen Überblick, welche Einsatzstellen noch am FSJ Kultur beteiligt sind und wie breit gefächert die kulturelle Arbeit sein kann. Zudem unterhielten und diskutierten wir über den Kulturbegriff und wie er sich im Laufe der Zeit verändert hat. Ein zentrales Thema war auch das eigenverantwortliche Projekt, auch als EVP abgekürzte Form bekannt. Wir bekamen viele Informationen zu Projektmanagement und zu Fördermöglichkeiten mit auf den Weg. Was für die Zusammenarbeit der Gruppe wichtig sein wird, sind Gruppenregeln, die wir vorgeschlagen, beurteilt und gewählt haben. Die beste war wohl: „Die Betreuerinnen tanzen in den Raum“. Natürlich sind auch Regeln dabei, die jede/r in seinem Alltag anwendet. Zum Beispiel Pünktlichkeit oder Toleranz. Ein Schwerpunkt war zudem der Umgang mit möglichen Konfliktsituationen in unseren Einsatzstellen und wie wir damit umgehen können. Außerdem diskutierten wir darüber, was in den kommenden zwei Seminaren inhaltlich behandelt werden sollte.
Nebenbei hatten wir genügend Möglichkeiten, um uns kreativ auszutoben. Egal, ob es um die Erstellung eines Plakats, eines Blitzprojektes oder um die gestellte Wochenaufgabe ging, es entwickelten sich meist vollkommen unterschiedliche Resultate, in Bezug auf die eigentliche Aufgabenstellung. Zum Beispiel bekamen wir eine CD, auf der unterschiedliche Musiktitel zu hören waren. Wir sollten uns von der Musik inspirieren lassen und dazu etwas für den Abschlussabend gestalten oder initiieren. Zum Schluss kamen eine Ballettaufführung, eine Talkshow, ein Dessert mit Filmdokumentation vom Kochen, eine Blackbox und vieles mehr zustande. Es war auf jeden Fall sehr unterhaltsam.
FSJ Kultur Einführungsseminar SG1 Peseckendorf 2010/2011

Ausschnitt aus der Abschlussabendpräsentation

Gleichzeitig hat es uns aber auch gezeigt, was man alles innerhalb einer Woche schaffen kann, was Teamwork bedeutet und worauf es bei der Planung und Durchführung eines jeden Vorhabens ankommt. Mir persönlich hat es sogar die Angst vor dem eigenverantwortlichen Projekt genommen und meine Selbstzweifel existieren nicht mehr. Im Prinzip kommt es drauf an, dass man mit genügend Engagement etwas verändern sollte. Wenn man also eine Idee gefunden hat, für die man sich richtig begeistern kann, sollte auch genügend Motivation vorhanden sein, um es auch in die Tat umzusetzen. Uns kommt zugute, dass uns viele Möglichkeiten offen stehen und wir in den unterschiedlichsten Bereichen agieren können.

FSJ Kultur Einführungsseminar SG1 Peseckendorf 2010/2011

Unsere Seminarthemen sind klasse!

In der Gruppe haben sich nach einiger Zeit kleine Insider-Witze eingeschlichen. Der Evergreen war wohl das Konditionieren mithilfe des Klicken eines Kugelschreibers, was von zwei FSJ´ler_innen ausging. Die beiden versuchten während der fünf Tage, uns durch das klassische Konditionieren dazu zu bringen, dass wir ein „Wuff“ von uns geben, sobald wir ein Kugelschreiberklicken hörten. Am Abschlussabend wurde ein Film vorbereitet, bei dem eine immer wiederkehrende Sequenz dieses Klicken war und die Gruppe zum wuffen animierte. Die Initiatoren freuten sich an diesem Abend besonders, da ihr Experiment geglückt war. Es wurden in der Gruppe Aufgaben verteilt, wie die „Raumperle“, die den Seminarraum ordentlich hält oder der „Leuchtturm“, der die Anwesenheit aller Teilnehmenden überprüft. Kuriose Aufgaben hatte unsere „Ameisenkönigin“, die zweimal am Tag das Privileg hatte „Ameisenkönigin“ zu rufen, worauf sich alle in der Seminargruppe auf den Boden werfen mussten und wild mit Händen und Füßen zuckten.

Dies sollte so lange gemacht werden, bis die Ameisenkönigin dem Ganzen Einhalt gebot. Aber auch der „Kick“ sorgte für gute Laune und vertrieb die Müdigkeit, denn er machte mit uns jeden Morgen ein Warm Up, bevor wir uns in unsere Arbeit stürzten. Wir stellten uns dazu in einem Kreis auf, gingen leicht in die Knie und klatschten auf die Oberschenkel. Dann begann der Kick vorzusingen und wir mussten nachsingen. Die letzte Zeile konnte irgendwie niemand, den Kick natürlich ausgeschlossen. Die fünf Tage in Peseckendorf gingen schnell vorbei. Wir hatten in der Zeit eine Menge Spaß, lernten aber auch viel Wertvolles für unsere Arbeit bei den Einsatzstellen. Beflügelt verließen wir das Schloss. Ich sah es mir noch mal genauer an. Im Sonnenschein wirkte das Schloss gleich anders. Etwas nagte aber an meiner Hochstimmung, und das war der Abschied der vielen neuen Menschen, die ich ins Herz geschlossen hatte. Wir vertrösteten uns gegenseitig auf den Sonntag, zu einer Pflichtveranstaltung in Marienborn zum Tag der deutschen Wiedervereinigung. Auch wir waren an dem Tag wiedervereinigt.