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Zwischenseminar Magenta – mal wieder ein absolutes Partizipationsträumchen!

Die Farbe Magenta ist keine Spektralfarbe, sie entsteht durch die Mischung anderer Farben. Genauso verhält es sich mit Unserer Seminargruppe. Wir kommen von verschiedenen Orten, arbeiten in unterschiedlichen Einrichtungen, haben verschiedene Interessen, verschiedene Haarfarben – kurz gesagt: sind eine bunte Mischung! Und doch schaffen wir es mit kindlicher Einfachheit immer wieder auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen und uns zu mischen. Bis ein schönes, „strahlendes und leuchtendes“ Magenta entsteht.

Das Zwischenseminar im Februar, sowie alle anderen Fahrten wurde wieder einmal nach unserem selbst gewählten Motto „ein Partizipationsträumchen!“ (© by Alexander Kiel) gestaltetet.

Das heißt Mitbestimmung und Teilhabe at it’s best! Bis auf wenige vorgegebene Reflexionseinheiten wurde die Planung und Durchführung der Seminartage komplett uns überlassen. Und diese Freiheiten haben wir absolut bestmöglich genutzt.

Einige Dinge wurden aus den vorherigen Seminaren beibehalten, wie zum Beispiel die „is-was?“-Runden oder die Briefkästen & secret friend-Aktion.

Doch unsere herzallerliebsten Seminar-Betreuungs-Mäuse Yomana und Sina kamen direkt wieder mit neuen Ideen um die Ecke! So gab es diesmal zusätzlich noch eine „wie-ist-mein-Befinden-Landschaft“.  Kurioserweise befindet sich genau die gleiche, aber reale Landschaft gerade vor mir: ein wunderschönes Berg-Panorama mit allem Drum und Dran: Wiesen, ein Fluss, Bäume – das ganze Programm. Täglich konnten wir unsere selbst-gestalteten Reh-und Eichhörnchen-Avatare neu platzieren, je nachdem wie wir uns fühlten. Zum Beispiel entspannt auf der Wiese in der Sonne liegend oder auch den Boden unter den Füßen verlierend in der Luft. Außerdem gab es dieses Mal ein selbst gewähltes Awareness-Team: eine Gruppe von Leuten, die allzeit präsent zur Verfügung standen um sich ganz persönlich und diskret um das ein oder andere kleine und große Problem unserer Magenta-Schäfchen zu kümmern.

Anstatt nun den chronologischen Ablauf der 5 Tage niederzuschreiben werde ich den Fokus lieber auf die Highlights legen. Natürlich haben wir die Neudazugestoßenen begrüßt, Orga-Runden gemacht, 3-mal am Tag gegessen (Miris Kokos-Brokkoli-Nudel-Sauce wird wohl für immer und ewig ins FSJ Kultur-Speise-Programm aufgenommen, YUM!), uns musikalisch ausgetobt und gebastelt, die wunderbar pädagogischen und dynamischen Gruppenspiele absolviert, die Morgen-Mittags-Abend-Muffel mit WUPs terrorisiert und in den Pausen die ein oder andere Kekspackung vernichtet.

Doch außerhalb dieser angenehmen Routine gab es viel interessanten, neuen Input. Teil der Reflexionseinheiten war eine Austausch-Runde zu unseren EVPs. Hier wurde bequatscht, auf welchem Stand Mann/Frau gerade so steht, Impulse wurden von der Gruppe gegeben und Ideen ausgetauscht. Für die, die sich damit nicht so identifizieren konnte, zum Beispiel, weil Sie Ihr EVP schon durchgeführt hatten, gab es die Zukunftsmusik. Hier fertigten wir in 2er Gruppen ein kleines Portfolio über den/die jeweils andere/n an. Dieses wurde dann ausgestellt in einer Art Galerie. Nun konnten alle herumlaufen und mit Post-Its einen Beruf/eine Ausbildung/ein Studium dazu schreiben, der/die/das dazu passen könnte. Danach hatte Yomana noch die Luise mitgebracht, die an der Universität Hildesheim Kulturwissenschaften studiert. Sie hat dann die ein oder andere Frage rund um Studium und Immatrikulation beantwortet. Im Anschluss daran konnte wer wollte noch ein kleines Selbsteinschätzungs-Experiment „meine inneren Antreiber“ machen. Die große Frage: von was wirst DU angetrieben? Vom „sei stark!“ Typ? Oder doch „sei perfekt!“? Das Ergebnis gab mir und den anderen auf jeden Fall viel zum Nachdenken mit.

Am Mittwoch fand der größte Part des Seminares statt. Die Workshops, die wir im Seminar davor ausgewählt, besprochen und geplant hatten. Zur Auswahl gab es: Fotografie mit Kirsten, Macht-Demokratie-Politik mit Lisa und eigentlich noch einen Stunt-Bühnenkampf-Workshop mit Paul. Der konnte aber leider nicht kommen, deswegen „nur“ die 2 ersten. Was mich betrifft, kann ich über den Fotografie-Workshop nicht viel sagen, da ich bei Lisa eintrug. Die Endergebnisse waren aber unglaublich eindrucksvoll! Kirsten brachte einige Utensilien mit, zum Beispiel verschiedene Folien und Gläser, mit denen dann experimentiert werden konnte. Die Effekte die dadurch entstanden oder manches Portrait – wirklich künstlerisch! Wir, in der Macht-Demokratie-Politik-Gruppe wurden sozusagen Teil eines Gesellschafts-Experiments. Wir 15 stellten eine autonome, unabhängige Gruppe dar. Völlig ohne Gesetz oder Rahmen mussten wir uns Regeln ausdenken und ein gerechtes Abstimmungs-Instrument finden. Da war Diskussion natürlich vorprogrammiert. Wir schafften es jedoch glücklicher weise ohne Streit auszukommen und partizipativ zu bleiben. Classic Partizipationsträumchen halt. Weitere Themen waren: für wen ist welches Gesetz gut? Gibt es eine gerechte Produktionsmittel-Verteilung in der keine/r zu kurz kommt? Zu welcher Redner*innen-Gruppe gehöre ich (viel/mittel/wenig) und warum ist das so? Am Abend waren wir alle gut fertig vom vielen nachdenken, diskutieren und reflektieren. Lisa hat uns sichtbar gemacht, welche Prozesse tagtäglich in unserem Land/Staat und in unserer Gesellschaft vor sich gehen, über die Mensch vielleicht mal gründlich nachdenken sollte.

Nach diesem prozess-und ergebnisreichen Mittwoch bestand der Donnerstag komplett aus Open Space. Das wurde geboten: eine super interessante und kontroverse Diskussion über Feminismus mit Yomana, ein Impro-Theater, mit Sina „das Leben der Tomate“ -Spiel (welche Wege geht eine Tomate, verbrauchs-und nachhaltigkeitskritisch), basteln, einen veganen Back-Kurs mit Expertin Sissi (selbst ich als leidenschaftliche Tier-Produkte-Konsumentin muss sagen: OMG der beste Schokokuchen ever, schwör auf mein Leben!) und einen Sweded-Filme-Dreh (Blockbuster mit den einfachsten, spontan zur Verfügung stehenden Mitteln nachspielen). Hier haben wir uns ordentlich ins Zeug gelegt und den ganzen Tag Video-Material aufgenommen um dann am Ende die beste „Harry Potter und der Stein der Weisen“-Version aller Zeiten zu präsentieren. Ich muss wohl nicht dazu sagen, dass sich alle (aber vor allem wir während dem Dreh) schlapp gelacht haben. Lol.

Alle entstandenen Ergebnisse (bis auf den Schokokuchen, der hat sich nicht mal 1 Stunde halten können) wurden am Donnerstagabend zur Abschlusssause präsentiert. Dort wurden auch wieder die Oskars verliehen, für Personen die sich auf besondere Art hervorgetan haben.

Am Freitagmorgen musste ich leider für einen Termin in Berlin schon um 5 Uhr früh abreisen, deswegen habe ich von der Abendgestaltung bis auf nächtliches Trampeln über die Flure und Gelächter nicht viel mitbekommen. Meine Magentas hatten aber auf jeden Fall noch ordentlich Spaß bei manchem Werwolf-Massaker und Bier. Alkoholfrei selbstverständlich 😉

So, das war sie also auch schon, unsere Zwischenseminarwoche im malerischen Niederndodeleben. Schlussendlich kann ich nur sagen (und ich denke, da spreche ich für alle), dass uns diese fast Urlaub-artigen, aber unglaublich produktiven Ausflüge unglaublich fehlen werden! So ‘ne tolle Truppe ist keine Selbstverständlichkeit! Magenta in our hearts <3

Linde Berndt