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Einführungsseminar der SG3 vom 13. – 17.Oktober 2014 in Wolmirstedt

FSJ Kultur Einführungsseminar SG3 Wolmirstedt 2014/2015
Dreiunddreißig Gesichter voller Neugier treffen aufeinander. Diese Gesichter werden innerhalb der fünf Tage so vertraut, dass man sie beinahe als Bestandteil seines Alltags sieht und überrascht ist, als plötzlich schon der Freitag an die Tür klopft. Trotz der großen Teilnehmer_innenzahl glückt es uns, jeder Persönlichkeit ein wenig Platz zur Mitteilung zu geben.

Gegensätzliche Charaktere begegnen sich, die unterschiedlichsten Geschichten werden erzählt, die Realität muss sich gegenüber Erwartung und Vorstellung behaupten – mit Erfolg. Wir diskutieren, lachen, schreiben, denken, entwickeln eigene Ideen, lassen unserer Kreativität freien Lauf und konfrontieren einander mit den verschiedensten Auffassungen und Empfindungen von Kunst und Kultur.

So Vieles haben wir in der wenigen Zeit erlebt und dazu gelernt. Mut, auf Fremde zu zugehen, Offenheit für die Geschichte eines jeden, ein Ohr für Probleme anderer, Vorstellungskraft, in eine andere Rolle zu schlüpfen und für deren Konflikte Lösungen zu finden. Nebenbei Motivation dafür, mit dem goldenen Kochlöffel in der Hand den Weg nach Hause anzutreten und Freude daran, im Team zu arbeiten. Aber auch Bewusstsein dafür, wie schnell Vorurteile entstehen und einen Impuls, diese abzulegen. Kurzum: den Anstoß, die Welt ein bisschen mehr nach unserem eigenen Bild zu malen.

1.Tag:

Rebecca, Anna, Elisa, Marie, Mia … oder doch Pia?! Bei 35 Namen konnte man anfangs schon einmal den Überblick verlieren. Doch durch ausreichend Kennenlernspiele halfen unsere Teamerinnen Nadia und Kati uns dabei, sie uns langsam aber sicher einzuprägen. Zusammen hielten wir zunächst unsere Erwartungen an das Kommende fest, die hauptsächlich daraus bestanden, Spaß zu haben, keine Klassenfahrt-Stimmung aufkommen zu lassen, viel Spaß zu haben, neue Leute kennenzulernen und ganz viel Spaß zu haben. Später am Abend setzten wir uns dann in Gruppen zusammen und schätzten die jeweils anderen ein. Hat sie/er Geschwister? Mag sie/er Pferde oder ist sie/er doch eher der Katzentyp? Am Ende hatte jedenfalls fast jede_r einen Goldhamster zu Hause und wenn wir später mal Probleme haben, sollten wir zu Mona gehen, die wird nämlich einmal Familientherapeutin.
FSJ Kultur Einführungsseminar SG3 Wolmirstedt 2014/2015

Des Nachts machten noch einige Werwölfe die Runde, gemütlich einschlafen konnte dann aber doch jede_r. (Und zu aller Beruhigung erschienen auch alle beim nächsten Frühstück …)

2.Tag:

Die Namen der Teilnehmenden hatte man allmählich drauf, nun waren die Einsatzstellen an der Reihe. In Gruppen stellten wir unsere Tätigkeiten, Inhalte und weitere Besonderheiten unserer FSJ-Stelle vor. Flyer, Broschüren und Erfahrungen wurden ausgetauscht und einander näher gebracht. Als Nächstes stand das Thema Kultur auf dem Programm. Wir diskutierten kontrovers Zitate im „Café Culture“ und schauten die Rede „The danger of a single story“ von Chimamanda Ngozi Adichie, die uns zeigte, wie vielfältig Kultur sein kann und gesehen werden sollte.

Mit einem abendlichen Tauschmarkt wurde so manche_r seinen unbenutzten Kram los, andere wiederum empfingen die Sachen mit großer Freude.

3.Tag:

Ein Ausflug nach Magdeburg – viel zu sehen, viel zu entdecken. Aber wie hört Magdeburg sich eigentlich an? Mattis und Hannes haben einmal ganz genau hingehört.

FSJ Kultur Einführungsseminar SG3 Wolmirstedt 2014/2015

Eines unserer Resultate des Citybound`s am Mittwoch:

„Hunde bellen und Enten schnattern. Kinderwagenreifen knirschen langsam durch den Kiesweg, die Mutter unterhält sich angeregt mit ihrem Kind. Und ein sanfter Wind streicht über die Baumkronen und begleitet so diese einzelnen Solisten.

Eben dieser trägt aber auch in leichten Böen, mal lauter, mal leiser, Rummelgeplärr über den Teich des Rothornparks und lockt uns so an diesem lebhaften Herbsttag zu sich.

Kinder schreien und ihre Schritte trampeln schnell von Fahrgeschäft zu Süßigkeitenwagon. Der Achterbahnwagen lässt das Gestell rumpeln und das Mädchen kreischen. Doch jedes Geräusch wird erdrückt durch die unterschiedliche Musik der vielen Fahrgeschäfte, die sich in einem einzigen grellen Klangcluster vereint und so in jeden Winkel des Platzes drängt. Glockenschläge aus Lautsprechern läuten Autoscooterfahrern die nächste Runde ein, uns aber den Aufbruch in ruhigere Ecken Magdeburgs. Und so setzt sich unser kleiner Stadtmarsch fort. 

Das hohe, kalte Gemäuer der Johanniskirche macht das laute Treiben der Straßen zu einem angenehmen Summen und erzeugt eine tiefe Stille, die einem die eigene Stimme fremd klingen lässt. Der Kirchturm schlägt fünf Mal dumpf, die Rathausglocken aber begnügen sich nicht mit der Aufgabe, die Uhrzeit zu verkünden, sondern geben ein munteres Glockenspiel zum Besten, das uns auf dem Weg in die Innenstadt begleitet.

Münzen klimpern hell in den Kassen, Äpfel und Birnen werden in Tüten fallen gelassen und bringen diese zum Rascheln. Der marmorierte Steinboden des Allee-Centers lässt Absätze laut und weit klackern und die kleinen Plastikrollen der Reisekoffer ihre Lasten quietschend bewegen. Den Grund dieses Motivs liefert ein tiefes, eintöniges Gemurmel, das seine Farbe wohl durch die unaufgeregte Alltagsstimmung der kaufenden und verkaufenden Murmler bekommt. Auch uns wird es hier langweilig und nach dem Gang durch eine surrende Drehtür stehen wir auf der Ernst-Reuter-Allee.

Hier spielen Autos die Musik, die Ampeln schlagen mechanisch den Takt dazu. Die Straßenbahn ächzt beim Bremsen klagend auf, beim Anfahren klickt das Fahrrad seine Kette in den nächsten Gang. Ein Moped röhrt langsam, aber laut eine Straße entlang, die auch uns aus dem wunderschönen Magdeburg in seine noch schönere Vorstadt zurückführt.“

4.Tag:

Das EVP stand an. Einzelne Ideen zu einem eigenverantwortlichen Projekt wurden aufgegriffen und in der ganzen Gruppe vorgestellt bzw. diskutiert. Neue Ideen entstanden, aber auch neue Fragen zu Organisation und Finanzierung. Weiterhin beschäftigten wir uns mit dem Thema „Kommunikation und Konflikt“. Wir bildeten vier Reihen, der/die Letzte bekam ein Bild zu sehen. Wie bei Stille Post, nur dass nicht gesprochen, sondern auf den Rücken des jeweils vor einem Stehenden gemalt wurde, wanderte das Bild nach vorne. Aus einer Sonne wurde ein dreieckiges, einem Sektensymbol ähnelndes Zeichen, das Auto wurde zum Luftballon. Die Ergebnisse waren also nicht immer ganz so wie das Original. Der Tag näherte sich immer mehr dem Abend zu und die letzten Vorbereitungen für das Abschlussabendprogramm wurden getroffen. Nach fünf einzigartigen Vorstellungen der Wochenaufgaben (u.a. Tanz, Gesang und Film) und einem gemütlichen Beisammensitzen, feierten wir noch mit Kuchen und Luftballons in Nadines Geburtstag hinein. Rundum: ein gelungener Abend!

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Letzter Tag:

Die Abreise stand bevor: Zimmer wurden ausgeräumt, Sachen zusammengesucht und Flure geputzt. Wir reflektierten gemeinsam die letzten fünf Tage und kristallisierten die guten und selten unguten Momente der Woche heraus und warfen schon einen Blick auf das nächste Seminar im Februar.

Schließlich wurde noch der heiß begehrte „Goldene Kochlöffel“ an die Koch-Gruppe 3 verliehen. Yummy!

Bis zum nächsten Seminar. Wir freuen uns,

Mona & Anne