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Jugendbildungsstätte Schloss Peseckendorf 24./25. – 29.07.2011

Kultur schockt Beutel
Dass Socken in Sandalen kulturell schockierend wirken können, mögen zumindest südländische Einwohner beim Betrachten deutscher Touristen durchaus bestätigen. Laut einiger Lexikoneinträge wird das Tragen von Sandaletten ohne Socken als korrekte Tragweise angesehen und der Verweis auf eine Kombination mit zumeist weißer Tennissocke mit spießig beschrieben, obwohl dies eigentlich gar nicht stimmt. Schon die alten Römer zogen – zugegeben nur in den nördlicheren Gefilden des Reiches – Socken unter ihre Sandalen und längst hat die Socke samt luftigem Unterwerk die Modewelt von Mailand und Paris erreicht. Der Rest der Welt sieht diese schockierenden Exemplare allerdings immer noch als Fashion-Fauxpas an. Doch für uns, den FSJ Kulturler_innen des Zyklus‘ 2010/2011 ist dieses Motiv und dessen Sinn dahinter genau die richtige Nachricht an die Welt: Kultur ist schockierend…interessant!

Zu diesem Anlass versammelten sich Ende Juli 2011 (fast) alle FSJ Kulturler_innen aus Sachsen-Anhalt in der Jugendbildungsstätte Peseckendorf. Eine Woche war das gelbe Schloss fest in kulturellen Händen.

Aus den Seminarräumen und von der Wiese klangen Musik, Gesang, Monologe, Beifall, Telefonate, Sondierungsgespräche, Vorschläge, Ideen, Wutausbrüche, Lachen, Tonproben und Interviews. Alles in Vorbereitung auf die AUFtakt- und ABgesangsveranstaltung im August 2011, eine Veranstaltung, die den neuen FSJler_innen einen Einblick in die Tätigkeiten, die sie ab August/September erwarten, gibt, und den „alten Hasen“ als Verabschiedung mit Zertifikatübergabe dienen soll.

Die Seminarwoche begann (zumindest für ca. 20 FSJler_innen) bereits am Sonntag. An diesem ging das erste Alumnitreffen verschiedener FSJ Kultur-Jahrgänge zu Ende und Ehemalige aus 10 Jahren FSJ Kultur trafen auf den aktuellen Jahrgang 2010/11. Am Lagerfeuer in entspannter Atmosphäre wurden Geschichten und Erfahrungen ausgetauscht, die allen merkwürdig bekannt vorkamen.

Gleich am Montag begann, zusammen mit der Anreise der restlichen FSJler_innen, die eigentliche Arbeit in den Seminar- und anschließend in den Workshopgruppen. Die Gruppe besprach die vor ihnen liegenden Aufgaben, die unterschiedlicher nicht sein konnten: Über mögliche Songs und FSJ Kultur-Hymnen, der richtigen Motivgröße für die Care-Pakete-Taschen, Möglichkeiten einer Stadtralley für den neuen Jahrgang, den besten Besetzungen für das Theaterstück, die interessantesten Fragen für die Staffelstäbe, das perfekte Licht bis hin zu einer guten Kameraeinstellung auf der Bühne und im Fotostudio, den Materiallisten für die Deko-Gruppe und Überlegungen, wie man ein E-Piano am sichersten ins Schloss bringen kann, sowie vieles weitere, das bis dato noch ungeklärt war. Im Plenum wurden jeden Tag die Ergebnisse und Fortschritte, aber auch Unklarheiten unddringend benötigte Dinge und Informationen besprochen.

Eine regelrechte Arbeitswut packte jeden der insgesamt sechs Workshopgruppen.

Das Ziel: Bis Donnerstag alles bearbeiten, vorbereiten, schreiben, aufnehmen, einüben, überarbeiten, packen, gestalten, verzieren, schneiden, planen, klären; überhaupt machen und schaffen! Ein großes Vorhaben, wobei aber auch der Spaß und die regelmäßigen Essenszeiten nicht zu kurz kommen sollten (und kamen). Es gab darüber hinaus noch einiges mehr, das – durchaus positiv – schockierte.

Eingestimmt wurde am Monatabend mit einer Cocktail-Party 2021 (in jenem Jahr trinkt man die Cocktails natürlich alkoholfrei). In der zuvor erhaltenen Einladung wurde um passende Kleidung für diesen besonderen Anlass gebeten, welcher sich als perfekte Gelegenheit herausstellte, sich mal so richtig in Schale zu werfen! Bereits an diesem Abend, bei dem unter anderem auch sinniert wurde, wer, was und wie man in zehn Jahren sein wird, war die Stimmung untereinander großartig, obwohl sich viele der aktuellen FSJler_innen zum ersten oder zweiten Mal begegneten. Mit einem „Freipirinha“ in der Hand genießt man das Leben gleich noch mehr.

Der Dienstag erwies sich als sehr produktiv und entspannend, vor allem beim abendlichen Lagerfeuer. Ebenso der Mittwoch, obwohl sich die Abendgestaltung vom Tag davor bedeutend unterschied. Denn ein Gast, der die Seminargruppe 1 auf ihrem ersten Seminar in eben jenem Schloss beglückte, besuchte Peseckendorf erneut. Mit 30 Minuten Verspätung, wie es sich gehört, fegte Lady Maxime wie ein Wirbelwind über das Publikum hinweg, war sanft wie eine Sommerbrise zu einem Geburtstagskind und erntete am Ende rasende Begeisterungsstürme an Beifall und Zugabe-Rufen.

Der Donnerstag war mit Abstand der verrückteste Abend dieser Woche. Nicht nur, dass berühmte Comic-Helden, wie Ash und Misty oder die Ninja-Turtles zusammen mit Rittern und Minni Mouse tanzten, nein sogar Tote sind nur für diese Party wieder auferstanden. Wo bitte sonst sieht man denn Amy Winehouse, Elvis Presley, Audrey Hepburn und Jesus neben dem Modezar Karl Lagerfeld höchstpersönlich, wenn nicht in Peseckendorf?!

Vieles wurde in kürzester Zeit vorbereitet und eingeübt. Eine Woche voller Ideen, Taten, Lachen, Sorgen, Zusammenfinden und Zusammenwachsen, die – genau wie alle Seminare davor – ewig in Erinnerung bleiben. Doch dieses vielleicht mehr als alles andere. Sowohl in Form von Fotos als auch durch „unseren Song“!

Am Ende bleiben die grandiosen T-Shirts, das Suchen nach Feuerholz, das Grummeln, die Staffelstäbe, das gute Frühstück, der Applaus und die Ohrwürmer, das Versprechen auf ein Alumni-Treffen im nächsten Jahr und ein paar leise Worte:

Großen Dank, Grüße und Küsse an unsere Seminarperlen Steffi und Bine, Kirsten und Sophie, Franzi und Kati, Hut ab vor jedem Eigenverantwortlichen Projekt und den Seminarergebnissen, ein Lächeln für jeden Brief und unsere Ego-Blume, hochachtungsvoll und herzlichst goodbye, Auf Wiedersehen, Au Revoir, Arrivederci, Sayônara, Hasta la vista, ?? ???????? und Thank you for the music!

Danke.

Angelina Schüler (FSJlerin in der Kultur 2010/11 in der Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt)