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Am Morgen des 22. Februar 2016 brachen 23 junge Freiwillige und deren zwei Teamer_innen aus den verschiedensten Regionen Sachsen-Anhalts auf, um sich nach einem halben Jahr das erste Mal in dieser großen Runde wieder zu begegnen. Das erste Zwischenseminar stand vor der Tür, diesmal in der Villa Jühling in Halle Dölau. Nach einer herzlichen Begrüßung und dem Beziehen der Zimmer, setzten wir uns erstmal zusammen und tauschten uns ausgiebig über dies und das aus. Außerdem waren wir alle neugierig, mehr über den neu zu uns gestoßenen Omar zu erfahren, der seinen Bundesfreiwilligendienst in einer Schule in Merseburg absolviert. Als uns auch unsere Teamer_innen Nadia und Martin erreichten, wurde nach einer freudigen Begrüßung der Bus ausgeräumt. Der Seminarraum war bezogen, Zeit für die offizielle Begrüßung, den WUP (wie sollte es anders sein)!

Wir stimmten uns mit Spielen zum Namen erinnern und einer Reflexion der letzten Monate auf die kommenden fünf Tage ein. Was bei der Organisation unserer Seminare natürlich nicht fehlen darf, ist die Einteilung in Kochgruppen, die für das leibliche Wohl sorgen und das Auslosen unserer „secret friends“. Der erste gemeinsame Abend nach so langer Zeit wurde vor allem für ausgiebige Gespräche genutzt. Bei einigen entbrannte die Leidenschaft für das Fantasy-­Kartenspiel „Munchkin“, mit dem zahlreiche Abendstunden verbracht wurden.
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Foto: Martin Hoffmann

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Foto: Martin Hoffmann

Am nächsten Morgen nach dem Frühstück wurde natürlich zuerst „gewuppt“: Wir bildeten einen Stuhlkreis und setzten uns nicht etwa auf die Stühle, wir stellten uns darauf. Auf den Stühlen stehend, sollten wir uns ohne zu reden nach verschiedenen Kriterien sortieren: nach Hausnummer, Quersumme des Geburtsdatums und zu guter Letzt nach Augenfarbe. Allerdings war für die Küchencrew schon die Vorbereitung des Frühstücks eine Herausforderung. Wir hatten heute ein Geburtstagskind: Vanessa.
Mit Kuchen und kleinen Aufmerksamkeiten versuchten wir ihr den Geburtstag zu versüßen. Wach und motiviert näherten wir uns dann dem eher unbeliebten Thema EVP. Wir berichteten über den aktuellen Stand, unsere Ideen und eröffneten eine Gesprächsrunde, bei der wir uns gegenseitige Unterstützung und Hilfe anboten. Schnell artete es allerdings in einen lockeren Smalltalk über alles andere als unsere EVPs aus und endete schließlich mit dem gemeinsamen Mittagessen. Nachmittags bekamen wir Besuch von der Referentin Caro, die für uns den Workshop „Let´s talk about…“ zum Thema Sexualpädagogik vorbereitet hatte. Nach einer kurzen Vorstellungsrunde begannen wir in Kleingruppen über Themen wie Eifersucht, Sexualerziehung, Pornokonsum oder Abtreibung zu diskutieren und stellten unsere Ergebnisse anschließend in der großen Runde vor. Nach dem gemeinsamen Geburtstagskaffeetrinken ging es weiter mit süßen Plüschtieren, die weniger süßes darstellen sollten und einem Beutel voller interessanter Utensilien. Es war ein wirklich interessanter und informativer Workshop. Oft neigt man in unserem Alter ja dazu, anzunehmen bereits alles über das Thema zu wissen. Caro hat uns bewiesen, dass man immer etwas Neues dazulernt. Vielen Dank, Caro!
Am Dienstag stand ein freier Bastelabend an, an dem wir all die schönen Bastelsachen ausprobieren durften, die uns Nadia und Martin aus der .lkj) mitgebracht hatten. Wir entdeckten Paulines großes Talent für Henna-Tattoos, ließen uns von Luisa zeigen, wie man Flower-Pompons zauberte oder bastelten eine kleine Überraschung für unsere „secret friends“.
Mittwoch und Donnerstag standen unsere Kreativ-Workshops an. Wir konnten von den Angeboten Graffiti & Tape-Art mit Danilo von der Freiraumgalerie Halle, Soundcollage mit Connie, Forumtheater mit Franzi und Zukunftswerkstatt mit unseren Teamer_innen zwei auswählen, die jeweils einen Tag in Anspruch nahmen.

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Foto: Martin Hoffmann

Die Sprayer_innen und Taper_innen erhielten vom Leiter Danilo erst eine kurze Einführung in die Geschichte des Graffitis sowie in die Bedeutung von Freiräumen im heutigen Städtedschungel. Dann war es Zeit für Taten: Unseren „Freiraum“ zum Sprayen bildete ein Wall aus gestärkter Plastikfolie, der zwischen den Masten des Volleyballfeldes gespannt war. Danilo zeigte uns die grundlegenden Techniken, die beim Graffiti verwendet werden. Jeder konnte nun fleißig ausprobieren. Und wenn etwas nicht gelang: Einfach darüber sprühen!
Mit Hilfe von Schablonen entstanden schicke Bilder zum nach Hause nehmen und am Ende erprobten wir unser gelerntes Können mit einer Gruppenarbeit auf der großen „Wand“. Beim zweiten Teil des Workshops, Tape-Art, zauberten wir mit buntem Klebeband Bilder auf eine Leinwand. Danilo nahm unsere dabei entstandenen Werke in Form eines Stop­ Motion ­Films auf.

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Foto: Martin Hoffmann

Hin und wieder begegneten uns dabei die Teilnehmer_innen des Workshops Soundcollage. Sie hatten sich mit Aufnahmegeräten auf die Suche nach interessanten Geräuschen in der Umgebung gemacht. Seien es Schritte, Türknarren oder das Miauen der Katze, die die Villa Jühling bewohnte, es war eine äußerst interessante Erfahrung. Im Wirrwarr der Alltagsgeräusche, die einen täglich umgeben, achtet man meist kaum auf die Beschaffenheit einzelner Klänge. Mit dieser Übung wurde man also faktisch dafür sensibilisiert, einzelnen Geräuschen mal genau zuzuhören, seien sie auch noch so gewöhnlich. Am Ende schnitt Connie, die Leiterin des Workshops, mit den anderen die Aufnahmen zu einer Soundcollage zusammen.

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Foto: Martin Hoffmann

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Foto: Martin Hoffmann

Auch beim Workshop Forumtheater war viel los. Der Begriff beinhaltet, dass die Zuschauer der jeweiligen Szene aktiv in die dargestellte Situation eingreifen und sogar einzelne Charaktere ersetzen können. Der Konfliktausgang kann so verändert und zu einem besseren Ende geführt werden. Zur Einstimmung lockerten sich die Teilnehmer­_innen mit Stimm­- und Körperübungen auf. Als Themen für ihre Szenen wählten sie die aktuellen gesellschaftlichen Probleme Homophobie und Rassismus. Zum Abschluss probierten sie sich am Improvisationstheater.
Am Donnerstag boten Nadia und Martin den Workshop Zukunftswerkstatt an, der im Wesentlichen in zwei Teile gegliedert war: Am Morgen durchliefen wir verschiedene Stationen zum Thema Identität. Wir blickten dabei auf unser bisheriges Leben, machten einen Superhelden oder eine Superheldin aus uns oder ließen uns durch eine_n Partner_in bei der Übung „Blick in den Spiegel“ beschreiben. Im zweiten Teil führte uns Martin an das Thema Coaching heran. Ein Begriff, den man zwar oft hört, unter dem man sich aber gar nichts Genaues vorstellen kann. Wenn man jemanden coacht, hilft man ihm, ein Problem zu bewältigen. Dies passiert meist innerhalb eines Gespräches. Die Besonderheit dabei ist jedoch, dass man den anderen nur durch Fragen zur Lösung seines Problems leitet. Der Sinn dahinter ist das Prinzip „Hilfe zur Selbsthilfe“. Der/die Coachee (der/die, der/die gecoacht wird) soll also durch gezielte Fragestellung des/der Coaches/in von allein auf die Lösung seines/ihres Problems kommen. Gar nicht so einfach, dies selbst in einem Gespräch mit jemandem zu realisieren, wenn man so etwas noch nie zuvor angewandt hat.

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Foto: Martin Hoffmann

Donnerstag hatten wir außerdem ein zweites Geburtstagskind: Shannon. Da hieß es am Vorabend wieder Kuchen backen, es fanden sich aber immer Freiwillige, die die Backbleche mit süßen Leckereien füllten und unseren Geburtstagskindern den Tag verschönerten. Es war wahrscheinlich auch der Tag des spontansten, aber auch leckersten Mittagessens. Anders als beim letzten Seminar gab es eine kleine Änderung bei der Aufteilung der Mahlzeiten für die Koch-­Teams, was dazu führte, dass das letzte Koch-­Team verpasst hat, dass es mit Mittagessen kochen dran war. Was nun?
Zum Glück haben wir Nadia, die in dieser Situation den sehr tollen Einfall hatte Pizzabrötchen zu backen und die anderen Reste zu verwerten. Aus den Brötchen sind dann Röllchen geworden, diese waren aber echt der Hit.
Am Abschlussabend, der uns leider so blitzschnell erreicht hatte, schauten und hörten wir uns die Ergebnisse der zwei spaßigen Kreativ-Workshop-Tage an. Entstanden sind zwei getapte Stop ­Motion ­Clips, bunte Freiräume auf dem Volleyballfeld, zwei Theaterstücke zu aktuellen gesellschaftlichen Brennpunkten und zwei Soundcollagen. Gemeinsam ließen wir die vergangenen Tage mit den entstandenen Fotos revuepassieren und verbrachten noch einmal schöne Stunden in gemeinsamer Runde. Das Forumtheater in großer Runde war leider nicht jedermanns Sache, beim gemeinsamen Spiel „Detektiv“ wurde aber die eine oder andere Träne gelacht. Schließlich ließen wir den Abend mit Kartenspielen, Gitarrenklängen, gemeinsamen Singen und Musik der Neunziger ausklingen.
Freitag beinhaltete wie immer müde Gesichter und einen Aufräum­Marathon nach dem Frühstück. Doch auch für magische Momente war noch Zeit. Bei einer abschließenden Übung klebte sich jeder einen Zettel auf den Rücken und wir schrieben uns gegenseitig liebe Worte oder persönliche Botschaften darauf, um uns buchstäblich den Rücken zu stärken. Nadia wird sie uns am Ende des FSJ­ Kultur wiedergeben, damit wir diese schöne Erinnerung und die stärkenden Worte mit in unseren nächsten Lebensabschnitt nehmen können.

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Foto: Martin Hoffmann

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Foto: Martin Hoffmann

Wir können ferner sagen, nach diesem ersten Zwischenseminar tatsächlich im FSJ Kultur angekommen zu sein: Denn das Kreisbilden und die Begeisterung für das „Wuppen“ funktionierten am letzten Tag nahezu perfekt. Zu unseren neuen Lieblingen dürfen wir dabei u. a. Das „Funky Chicken“ und den „All Bananas United“­-Wup zählen. Es waren wundervolle, aber leider viel zu kurze fünf Tage, voller Ereignisse und Erlebnisse, die uns als Seminargruppe Magenta unglaublich zusammenschweißten und an die wir uns bestimmt noch lange zurück erinnern werden.
An dieser Stelle möchten wir uns noch einmal bei den tollen Referierenden bedanken, die mit uns die super schönen Kreativ ­Workshops durchgeführt haben. Ein besonders großer Dank gilt natürlich auch unseren Teamer_innen Nadia und Martin, die das Seminar super organisiert und für uns, vor allem aber mit uns durchgezogen haben. Vielen Dank auch an unsere einzigartige Seminargruppe Magenta, die jedes gemeinsame Erlebnis zu etwas besonderem macht.

Text: Laura und Luisa