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Seminargedanken von Teo D.

Tag 1 – Ankunft

Das »Grüne Haus« im Elb-Havelwinkel, idyllisch in Kamern am See gelegen, ist schon ein wenig schwer zu erreichen.
Als wir allerdings einmal angekommen waren, konnten wir die Aussicht genießen.
Wichtiger als das Ambiente, waren jedoch die Leute mit denen wir dort in den nächsten Tagen »festsaßen«.
Wer sind sie? Und was machten sie überhaupt hier?
Nun gut, die zweite Frage ist leicht beantwortet.
Es gibt eine Teilnahmepflicht an den FSJ-Seminaren.
Des weiteren erübrigte sich die erste Frage durch die »Kennlernspiele«.
Zudem wurden Steckbriefe zur Erinnerung geschrieben, schließlich hatten wir uns einige neue Gesichter zu merken.
Trotz dieser und den dazugehörenden vielen Namen, entwickelte sich schnell eine angenehme Atmosphäre, die den Tag über anhielt und von Gemeinschaftsspielen und guter Gesellschaft am Abend abgerundet wurde. Es sollte wahrscheinlich vermerkt werden, dass das Dorf bei den Werwolfspielen weniger Probleme hatte als die Erzähler*innen …

2016/2017: Seminarimpressionen der Seminargruppe Gelb

 

Tag 2 – Kommunikation

Wir wussten zwar jetzt schon wer die Anderen FSJ-Freiwilligen sind, doch was war mit ihren Einsatzstellen?
Was sind ihre Aufgaben? Gibt es überhaupt ein perfektes Beispiel für die beiden Kategorien?
Arbeit mit Kindern in Theatern und Gedenkstätten, in Europa für die .lkj) Sachsen-Anhalt e.V. reisen, Umfragen für Fernsehsendungen führen (nur um ein paar genannt zu haben) usw.
Die Aufgaben und Einsatzstellen von uns sind unglaublich vielfältig.
Kommunikation darf dabei nicht zu kurz kommen.
Verständigung ist ein wichtiger Bereich unseres alltäglichen Lebens.
Jeder Mensch bringt seine eigenen Ansichten und Erlebnisse mit.
Deswegen sind wir darauf angewiesen unsere Erwartungen und Vorstellungen auszutauschen.
Ohne das kann es schon etwas Chaos geben. Schweigen ist durchaus ein demonstratives Mittel … Und wie spricht man Probleme richtig an?
Was für ein Glück, dass wir auch Meta-Kommunikation und Giraffensprache als Thema während des Seminars hatten.
Viele Prozesse laufen unterbewusst ab und wir bemerken oft nicht, dass Sprache auch eine Barriere sein kann. Erst wenn wir Leute in unbekannter Sprache sprechen hören, wird es uns bewusst.
Als »Dritte*r« nichts zu verstehen kann schon unangenehm sein.
Ich bin mit dieser Sprachbarriere aufgewachsen.
Es gab zwar immer eine Sprache, die ich mit bestimmten Personen oder Gruppen gemeinsam sprach …
Allerdings fällt mir mit den Jahren doch auf, was für Schwierigkeiten dies bereiten kann … Sehr oft haben meine Großeltern und ich über Themen diskutiert, sind auch etwas lauter geworden (natürlich nur weil Opa nicht mehr so gut hört), um dann festzustellen, dass wir alle drei genau das gleiche sagen wollten.
Aber auch durch Mimik und Gestik kann ersichtlich werden, was eine Person ausdrücken möchte.
Ich spreche zum Beispiel kein ungarisch, wusste aber worüber sich ein Teil meiner Verwandtschaft unterhalten hat, nur weil ich auf ihre Gesichter geachtet hatte.
Deswegen sollten wir versuchen, anderen aufmerksamer zuzuhören und wenn wir etwas nicht verstehen, lieber einmal mehr nachzufragen was denn gemeint sei.
Nichts ist schöner als sich verstanden zu wissen, natürlich nur abgesehen von einer Tüte Chips.

2016/2017: Seminarimpressionen der Seminargruppe Gelb

Tag 3 – Antidiskriminierung

Wer bist du ?
Also mir fiel es schwer 10 originelle Antworten auf diese Frage zu finden und auf einen Zettel zuschreiben. Schwester, Tochter… Alle möglichen Rollen, die ich habe, sind mir eingefallen. Später sollten wir jeweils einen der Zettel pro Runde ablegen. Komischerweise schien es mir, dass ich die einzige war, die alle Zettel hätte weggeben können. Wahrscheinlich liegt es daran, dass ich weiß, dass Bezeichnungen nichts an dem ändern wer oder was wir sind. Oder mir viel es leichter fällt, mich von den Zetteln und ihren Worten zu differenzieren. Andere hatten das Gefühl, dass sie durch die Ablage eines Zettels einen Teil ihrer Identität weggeben würden und ihnen fiel es mit der Zeit immer schwerer …

Schließlich sind es Namen die wir uns selbst gegeben hatten, von denen wir glaubten, dass sie uns gut beschreiben und ausmachen …
Doch was ist mit Namen, die uns andere geben? Wie sehr identifizieren wir uns mit ihnen …
Ich habe ziemlich viele Spitznamen.
Viele meiner Verwandten haben einen eigenen Spitznamen für mich, und irgendwie sind diese wie Facetten von meiner Persönlichkeit. Jeder sagt etwas über die verschiedenen Beziehungen aus.

Aber Namen oder Worte können auch diskriminieren … Politisch korrekte Bezeichnungen zu finden ist schwieriger als man denkt … Anhand von verschiedenen Beispielen haben wir erprobt, wie neue, korrekte Begriffe für diskrimnierende Redewendungen gefunden werden können.
Wichtig bei diesen ganzen Überlegungen ist, dass Menschen die Selbstbezeichnung von anderen anerkennen.

2016/2017: Seminarimpressionen der Seminargruppe Gelb

Tag 4 – Kultur

Kultur ist ein unglaublich vielseitiger Begriff, mit dem wir Wochen an Diskussionen füllen könnten.
Ich möchte mich daher auf ein paar meiner Hauptgedanken zu dem Thema beschränken.
Unser gesamtes Leben lernen wir, was auch den Prozess der Sozialisation ausmacht.
Dabei spielt Kultur eine große Rolle. In welchem Land wir aufwachsen, in welchen Sprachen wir sprechen die Herkunft unserer Familien, die Religion, all diese Faktoren haben einen bedeutsamen Einfluss auf unsere Entwicklung.
Besonders spannend finde ich auch wie verschiedene Kulturen miteinander umgehen.
Mein Lieblingsbeispiel ist natürlich meine Familie. Wir haben alle unseren Ursprung in Serbien bei meinen Großeltern. Mein Onkel trampte mit 18 Jahren nach Italien und dort wohnt und arbeitet er heute noch. Meine Tante lebt mit ihrer Familie in Wales und wir (meine Mutter und meine Geschwister) wohnen seid 14 Jahren in Deutschland.
Wenn wir alle im Sommer in Serbien sind und zum Schwimmen fahren wollen, ist es schon lustig mit anzusehen.
Wir, schon lange fertig und ungeduldig auf die anderen wartend. Die »Briten«, langsam das letzte Gepäck und den Kinderwagen von einem Kind verstauend. Die »Italiener« ganz ohne Hektik und mit sehr sehr viel Ruhe die drei Kinder einsammeln.
Während der Fahrt düst mein Onkel natürlich vorne weg, ganz der berüchtigten Fahrweise der Italiener nach. Wir versuchen ein Mittelmaß. Und die Briten vorsichtig hinter her, damit dem Baby nichts passiert.
Ich möchte hiermit keine Klischees fördern, sondern einfach nur andeuten, dass ich ab und zu das Gefühl habe, dass Leute sich eine andere Kultur adaptieren. Und da passt es gut, dass wir alle aus einer Familie sind.
Als ich ausgezogen bin, wusste ich zwar, dass ich in einen Ort komme, in dem sehr viele internationale Student*innen wohnen, war aber eigentlich noch nicht wirklich darauf vorbereitet, obwohl ich dort schon einmal acht Jahre gewohnt hatte. Mittlerweile hat ich hier einige scheinbare Gepflogenheiten aus anderen Ländern und Kulturen gelernt. Ich kann jetzt stolz sagen, dass ich mit Stäbchen essen kann. Wegdenken könnte ich es mir auch nicht mehr. Eine Freundin hat mir nämlich eines Tages Stäbchen und »Youtube«-Videos vorgesetzt und gemeint, dass ich mit Stäbchen essen lernen müsse. Außerdem denke ich auch schon manchmal auf Englisch. Bei vielen Gesprächen mit den unterschiedlichsten Leuten ist mir aufgefallen, wie verschieden Menschen aufwachsen können, und das Essgewohnheiten sehr wichtig sind, aber auch die Verhaltensregeln. Manche umarmen einfach jeden und andere finden Körperkontakt unhöflich. Viele (eigentlich jede*r) mussten sich auch erst an Deutschland gewöhnen, nicht zu vergessen, mit Besteck zu essen.
Für mich ist Kultur so faszinierend, da die Grenzen verschwimmen und Definitionen bestimmte Vorkommnisse beschreiben können, aber nicht ihre vollständige Dimension. Es gehört immer viel mehr dazu als wir auf den ersten Blick sehen. Und kleinste Faktoren können sehr viel im Laufe des Lebens einer Person bestimmen.

2016/2017: Seminarimpressionen der Seminargruppe Gelb

Tag 5 – Abreise

Viele Dinge habe ich auch nicht erwähnt, wie zum Beispiel das Kanufahren, Beatboxen, den Fotokurs, das Capoiera-Tanzen oder den Arabischkurs.
An sich waren es vielseitige Angebote. Großen Spaß hat es vor allem durch unsere Gruppe gemacht. Nicht zu vergessen das gemeinsame Kochen.
Danke noch einmal für die Mühe von Allen.
Aber Werwolf-Spielen müssen wir noch etwas üben. Schließlich ist es schon etwas verdächtig wenn der erste Bürgermeister* bis fast zu der Endrunde überlebt …
Trotzdem freue ich mich schon auf das nächste Seminar.