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Der Bericht zum Einführungsseminar der SG 3, 30.09. bis 04.10.2013 in Niederndodeleben von Robert V. und Anna-Lena L.

 

Warnhinweis: Der nun folgende Text ist nicht für Kinder unter 16 Jahren geeignet. Zu Risiken und Nebenwirkungen lasern Sie die Packungsbeilage und fressen Sie Ihre_n Ärzt_in oder Apotheker_in.

1. Tag (Anreisetag)

Am Anfang steht ein Gedicht:

Aufgewühlte Gemüter haben sich den Weg im Takt gewagt.

Melodien im Kopf und jede ist individuell.

Wir fragen uns wie wird das wenn wir sie mischen?!

Und es ist wie schreiben ohne Leerzeichen, denken ohne Pause, Leben ohne Komma.

Macht, Krieg, Hunger, Hoffnung, Ausweich vom Alltag, wenn‘s hoch kommt Harmonie, Hunger der Jugend.

Jugend, der Hunger, Jungen Hunger, Mädchen Hunger. Freiwilligen Hunger. Gezwungener Hunger, Hunger ohne Komma, essen ohne Leerzeichen, jedoch mit schmatzen.

Harmonie wenn‘s hoch kommt.

Wir schubsen uns durch die Seiten, die schwingenden Seiten . Zwischen den Zeilen und so ganz ohne Leerzeichen.

Der Hunger der Jugend eben. Schubs uns!

JEDE ISTALLTAGKOMMTEWIG

Wir schreiben Lieder für die Ewigkeit, ewig, ohne Gedanken an einen neuen Atemzug. Ohne Komma, Leertaste und mit einem zwinkernden Auge, blinzeln wagend aus dem Fassadenfusselvorhang.

Ich höre die Segel in E-Moll schlagen, nicht mehr aus der Ferne. Ganz nah, Bass in meinen Ohren.

Ein perfektes Drehbuch für den Käpt’n .

Salzwasser in den Augen, die erste Nacht des zehnten Monats, Birnen in Plastiktüten, Minze in eisgekühlten Karaffen und frisches Brot, bereit zum Verzehr, bereit für essen ohne Tischmanieren.

Der Hunger der Jugend, wir machen uns bereit für einen Tag ohne leere Zeichen.

Die Wahrheit liegt zwischen den Zeilen.

Der Kapitän

FSJ Kultur Einführungsseminar SG3 Niederndodeleben 2013/2014

 

 

2. Tag (Dienstag)

Das erste Beschnuppern war also abgeschlossen. Diejenigen, die sich ein Zimmer teilten, waren noch bis tief in die Nacht damit beschäftigt, aber am nächsten Morgen kannte man sich …

… ein bisschen.

Der nächste Morgen begann für die erste Essensgruppe natürlich quälend, weil sie das Frühstück vorbereiten mussten. Dennoch hatte sie Glück, denn es war erste die erste Nacht vergangen und die weiteren sollten immer kürzer werden.

Währenddessen sind andere auch langsam aus dem Bett gekrochen und haben die wenigen Bäder besetzt. Schließlich waren alle beim Frühstück und stärkten sich an selbstgebackenem Brot. Außer Dennis. Er ließ lieber das Frühstück ausfallen, um länger die Wärme seines Bettes genießen zu können.

Im Theorieteil setzte man sich schließlich mit dem Kulturbegriff auseinander und bekam die Aufgabe, seine Einsatzstellen sowie den perfekten Freiwilligen möglichst kreativ darzustellen. Die Ergebnisse – so vielfältig sie auch waren – waren alle einzigartig und toll. Es wurde gesungen, geschauspielt, interviewt und Sätze ausschließlich aus drei Wörtern bestehend gebildet. Alles war großartig.

Nachdem diese Aufgabe so kreativ umgesetzt wurde, bekamen wir unsere Wochenaufgaben zu hören bzw. lesen. Jede Gruppe bekam ein Zitat, welches sie auf möglichst kreative Weise darstellen sollen. Zeit gab es bis Donnerstagabend.

Dann zog sich die heutige Essensgruppe in die Küche zurück. Manche spielten Twister, andere gingen einkaufen, manche besorgten Holz für das Lagerfeuer, welches am Abend gemacht werden sollte, und wieder andere spannten unserem Teamer Christian seine Freundin WLAN aus .

Schließlich gab es Essen: Nudeln mit Tomatensoße sowie Milchreis. Ein einfaches Mahl, was aber so schmackhaft zubereitet wurde, dass es zu einem Oskar reichte.

Wer an diesem Tag durch das Haus gegangen ist oder sich auf dem Hof aufhielt, konnte immer mal laute PENGs, PUFFs und PAFFs hören. Dieses Spiel – beigebracht von Dennis – hat uns sehr viel Spaß bereitet.

Abends gab es das geplante Lagerfeuer samt passender Gitarrenmusik und Gesang. Außerdem wurde Ingwertee gekocht, denn die ersten Personen waren leicht erkältet.

Schließlich zog man sich auf seine Zimmer zurück mit dem Gefühl, inzwischen alle schon ziemlich gut zu kennen.

FSJ Kultur Einführungsseminar SG3 Niederndodeleben 2013/2014

 

3. Tag (Mittwoch)

Tag 3 begann. Die Personen, die früh aufstehen mussten, um das Frühstück vorzubereiten mussten – langsam immer mehr – die Beteiligung am Frühstück nahm zunehmend ab.

Auch heute war wieder unsere Kreativität gefragt, als es darum ging, die anderen Freiwilligen zu malen. Picasso wurde alle Ehre gemacht.

Nach dem Mittagessen fuhr man nach Magdeburg. Nicht vergessen: Ein Hopper-Ticket gilt nur für eine Person. Außerdem nicht vergessen: So ein Automat ist sehr langsam, auch beim Drucken …

Folge: Der Zug wurde am Bahnhof in Niederndodeleben aufgehalten für ein/zwei Minuten.

Nachdem man dann einen konsumkritischen Stadtrundgang hinter sich hatte, sind die ersten auch schon wieder zum Seminarhaus gefahren, um für die folgenden beiden Tag Essen zu kaufen (Donnerstag war Feiertag). Beziehungsweise: sie wollten fahren – der Zug hatte 15 Minuten Verspätung. Am Bahnhof hat man die freundlichen Ansagen der netten Bahnbeamtin aus den tonverzerrenden Lautmachern sehr gut verfolgen können und man konnte sich glücklich schätzen, dass es nur eine Viertelstunde ist. Die Gruppe, die den Zug eine Stunde später nehmen wollte, hatte gar 25 Minuten Verspätung. Einige Züge fielen auch aus (aber zum Glück nicht unsere).

Erkenntnis des Tages: Hält man in Niederndodeleben einen Zug für eine Minute auf, bricht in Magdeburg der Bahnverkehr zusammen.

Freizeit, Abendessen vorbereiten, Ideenfindung für die Wochenaufgabe. Abendessen (Pizza samt Nachtisch).

Entweder individuelle Abendgestaltung oder Upcycling / Siebdruck. Schlussendlich waren alle beim Upcycling.FSJ Kultur Einführungsseminar SG3 Niederndodeleben 2013/2014

 

4. Tag (Donnerstag)

Das Aufstehen wurde immer mehr zur Qual. In den Betten war es auch so schön warm, was man von den Zimmern nicht behaupten konnte.

Nach dem Frühstück ging es aber weiter mit dem Seminar. Diesmal ging es um Diskriminierung und Kommunikation. Danach gab es Mittagessen und die Fragen nach Thema, Inhalt und Workshops des nächsten Seminars.

Das beste Abendessen bekamen wir dann serviert (Eierkuchen, Obstsalat und Eis), was aber unverständlicherweise den Oskar nicht erhielt.

Die Oskarverleihung war im Anschluss, doch zuvor hatte man noch einmal Zeit für die Wochenaufgabe. Diese wurde dann kurz darauf auch schon präsentiert und die Ergebnisse waren überwältigend. Eine Gruppe schaffte es gar, einen Film zu drehen, zu schneiden und zu bearbeiten. Aber auch eine Spielidee wurde hervorgebracht, ein Plakat – mit Ähnlichkeiten zu Janus, dem doppelgesichtigen römischen Gott – wurde erschaffen und ein Improvisationstheater wurde improvisiert.

Nach der Oskarverleihung (auch an bzw. für Ferkel) wurde noch Werwolf gespielt und ein wunderschöner Abend klang mit Musik aus…

… und mit Gemüsesuppe, Schnitzel mit Kartoffelsalat, Orangensaft und Pudding (aber nur virtuell).

FSJ Kultur Einführungsseminar SG3 Niederndodeleben 2013/2014

 

5. Tag (Abreisetag)

Abschließend zwar kein Gedicht, doch von derselben Person verfasst wie der Anfang.

Bis nach Niederndodeleben und noch viel weiter

Meine Heimreise von Niederndodeleben zurück in meine vier Wände, führte auf zwei Rädern über hubbelige Wege, über Wurzeln, die verborgen liegen, Wurzeln die ich nicht sehe.

Im Gegenteil zu unseren Wurzeln.

Wir haben Wurzeln zum Wachsen und Flügel zum Fliegen.

Verborgen liegen diese längst nicht mehr & das wissen wir alle.

Wir haben die Zeit miteinander genossen, haben uns gegenseitig mit Zuneigung und Bestätigung begossen und jetzt auf der Heimreise können wir sagen »Chillige Genossen!«

Bis nach Niederndodeleben und noch viel weiter, das habe ich mir gedacht, als ich da so verweilend stand, mit Lenker Richtung Nase nach, in der Hand.

Mit Lenker Richtung Nase nach, so stand ich auf der Autobahnbrücke.

Hip-Hop Beats im Ohr und es kam mir fast vor wie ein Traum, dass ich grinste und weinte, weil es mir noch nie so gut tat zu sehen, wie die Autos kommen, gehen & niemals stehen.

Der tote Fuchs neben mir im Graben, der konnte dazu nichts mehr sagen.

Doch das tat mir gut, man kann eben nicht mit allen reden, wenn sich die Wege kreuzen, auf unseren Lebensebnen.

So stand ich da, schweigend, weinend, lachend, mir in Gedanken den Koffer packend, um Schwung zu holen, um mit Rückenwind, mit einem Wimpernschlag denkend an die Autos, loszustarten, nach Hause in meine vier Wände.

Bis nach Niederndodeleben und noch viel weiter.

So kam es, dass jetzt die Herzmedaille, schätzungsweise gemessen, in der Mitte, über meinem Käpt´nbett verweilt, an einer meiner vier Wände.

Vier Wände jetzt ein Tapetenschleier von euch.

FSJ Kultur Einführungsseminar SG3 Niederndodeleben 2013/2014