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Bergpark Willhelmshöhe

Ruhe

Vogelgezwitscher

Wind

»Der perfekte Ort zum abschalten. Der Park strahlt Ruhe raus. Ruhe und natürliche Schönheit. Man legt sich ins Gras, lauscht den Vögeln, dem Wind, generell den Geräuschen der Natur und entspannt. Lässt die Seele baumeln und kapselt sich von der Welt ab.«
»Ein riesiger Park mit einer Burg, einem barockähnlichen Garten und Springbrunnen, zum Wünschen. Herrschaftlich blickt man auf die Stadt und fühlt sich von hier oben doch so klein. Es ist, als wäre ich in eine andere Welt  übergegangen – eine ruhige, märchenhafte. Die documenta ist weit weg, kein Trubel, keine aufgestellte Kunst, alles nur Natur und frei. Mein Körper  und der Geist erholen sich fern ab der Hektik. Hier könnte ich ewig bleiben.«
»Der Geist früherer Jahrhunderte liegt in der Luft. Ich kann ihn spüren, wenn der Wind sich an die steinernen Säulen schmiegt und das Wasser von wogenden Wellen neu gefärbt wird. All diese Mauern, all diese Gärten und Bäume – welche Geschichten haben sie zu erzählen, welche Schicksale verbergen sie vor der Zeit und vor uns?
Wir wandeln unwissend auf den Spuren vergangener Leben, ohne dass wir es überhaupt bemerken. All das hier ist so weit, so groß, so unendlich voll von Leben. Wer ist einst über diese Wiesen gewandelt, welche bittersüßen Schmerzen und welche höchsten Freuden liegen noch immer hier unsichtbar vor unseren Augen?
Der Geist früherer Jahrhunderte liegt in der Luft. Und er trägt unzählige Leben mit sich: gelebte, momentane und zukünftige. All diese werden eins und all diese verweilen für immer hier. Denn dieser Ort vergisst nicht und der Wind der Erinnerung trägt uns mit sich. In alle Ewigkeit.«
»Wir sitzen im Bergpark zusammen. Wo meine FSJ-Freunde sind, weiß ich nicht. Sicher irgendwo verstreut. Bald gehen wir alle auseinander. Der Sand des FSJ rieselt das Stundenglas langsam hinunter. 4 Wochen. 4 Wochen noch bis ich wieder in einem großem Loch schwebe. Ein Loch so dunkel, dass ich auch mit Leitfaden die Orientierung verliere. Ich gleite so hindurch zwischen verlorener Liebe, wartender Hoffnung und vielleicht neuen Entscheidungen.
Der Text ist als Blogeintrag über unseren Lieblingsort in Kassel gedacht, aber wenn ich so da sitze und dem Wasser zuhöre blickend zum Hercules, dann wünsche ich mir, ich wäre auch so stark und unbesiegbar. Dann könnte mich nichts erschüttern und ich würde einfach so durchs Leben gehen können. Aber es ist die tägliche Frage vom Gehen oder Bleiben: Should I stay or should I go? Irgendwo ins Unbekannte sich stürzen oder doch zurück in den wohlbehüteten Schoß. Man sagt: Hör auf dein Bauchgefühl. Aber wenn ich dann mal inne halte, knurrt nur mein Magen hungrig daher. Im wahrsten Sinne des Wortes sind meine Vorräte aufgebraucht.
Aber was heule ich hier so rum… dieses ständige #mimimi Meine Ängste sind so klein im Vergleich zu der Welt. Hercules auf der Wilhelmshöhe blickt schon spöttisch hinab. Ich bin nicht allein, niemals. Ein unlösbares Problem zu finden ist ein Kinderspiel. Doch manchmal tut es gut die Zweifel im Herzen zu ignorieren, durchzuatmen und dann los zu laufen- hinauf den Berg und mich einmal so kraftvoll zu fühlen wie diese Statue. Und ich kann die Dinge mit Abstand bestaunen.«

Die Reihe »Unsere Lieblingsorte« ist entstanden im Rahmen des Workshops Stadt(er)leben der documenta-Fahrt vom 14.-18.06.2017 nach Kassel der .lkj) Sachsen-Anhalt e.V. Freiwilligendienste.
Die Teilgruppe »Stadt(er)leben« setzte sich mit der Kassel auseinander. Durch verschiedene Methoden konnten die Teilnehmer*innen ihre Eindrücke der Stadt aufbereiten und dabei den Spuren der documenta im Stadtbild folgen. Themen des Workshops waren Orientierung und Leben in der Stadt, Wahrnehmung von urbanen Räumen mit allen Sinnen und Auseinandersetzung mit Kunstwerken im Stadtbild von Kassel.