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Erster Zwischenbericht: Bolivien Canarito – Siempre Iniciativas Solidarias (SIS) von Laura Frommberger

 

Vorwort

13.09.2016: Ich steige in meinen Flieger, der mich in eine komplett  neue Welt, in ein völlig neues Leben schmeißen wird.

Fast drei Monate sind seit diesem Tag nun vergangen. Drei Monate voller Abenteuer, neuen Eindrücken und Erfahrungen, neuen Freundschaften, interessanten Begegnungen und vielem mehr…

In diesem Bericht will ich versuchen diese drei Monate so gut wie möglich darzustellen. Dabei möchte ich noch erwähnen, dass meine Erfahrungen mit Bolivien und Bolivianer*innen natürlich persönlich sind und somit aus einer subjektiven Perspektive dargestellt werden.

Die Einsatzstelle und das Arbeitsumfeld

Ich bin Freiwillige im Canarito, einer Hausaufgabenbetreuung für sozialbenachteiligte Kinder, deren Eltern auf der Cancha, dem größten Markt Lateinamerikas, auf dem sich auch das Canarito befindet, arbeiten.

Die Hausaufgabenbetreuung findet in zwei Schichten, vormittags von 9.00-12.00 Uhr und nachmittags von 14.30-17.00 Uhr, statt, wobei vormittags bis zu 10 und nachmittags etwa 20 Kinder kommen.

Meine Aufgabe besteht darin, die Kinder bei ihren Hausaufgaben zu unterstützen und danach zu beschäftigen. Das ist meiner Meinung nach ein sehr anstrengender Job, da wir meist nur zu zweit sind und uns  daher um sehr viele Kinder gleichzeitig  kümmern müssen, weshalb die Einzelförderung meist auf der Strecke bleibt. Unterstützung  von unserer Chefin bekommen wir nur nachmittags und das sehr unregelmäßig.

Leider  fehlt es der Einrichtung auch an Spielen, weshalb es recht schwer ist, die Kinder zu beschäftigen. Sprich, es ist viel Engagement und Kreativität gefragt. So gehen Julia und ich z.B. gerne mit den Kindern zum Spielplatz oder basteln zusammen.

Anfangs ist mir die Hausaufgabenbetreuung aufgrund meiner sehr spärlichen Spanischkenntnissen ziemlich schwer gefallen, mittlerweile hat sich das aber deutlich gebessert und es fällt es mir schon viel leichter.

Das Leben und der Alltag

Anfangs haben Julia und ich bei der Familie unserer Chefin, Nilda, gelebt. Allerdings hatten wir in der Gastfamilie einige Probleme, sodass die Stimmung sehr angespannt war. Zum Besten beider Seiten, sind wir dann vor fast zwei Monaten in eine eigene Wohnung gezogen. Jetzt wohnen wir in einem sehr modernen Stadtteil Cochabambas und haben z.B. sogar einen Supermarkt ganz in der Nähe. Das Wohnen in einer eigenen Wohnung ist auch eine wunderbare Erfahrung, weil man lernt, wie man den Haushalt selbstständig  zu schmeißen hat, wie man Arbeit und Freizeit unter einen Hut bekommt und das wiederum bedeutet natürlich auch viel Freiheit.

Generell arbeiten wir den ganzen Tag und haben auch in der Mittagspause keine Zeit nach Hause zu fahren. Daher beschränkt sich meine Freizeitgestaltung im Moment v.a. noch auf Freunde treffen, Musik hören, lesen etc. Aber da vor ein paar Tagen die Ferien begonnen haben, werde ich zum Glück demnächst mehr Zeit für Hobbys, Sport und Reisen haben.

Julia und ich haben hier auch schon einige bolivianische Freunde gefunden, wodurch wir die Kultur und Traditionen sehr gut kennenlernen können und auch mitbekommen, wie wichtige Feste hier traditionell gefeiert werden.

Sonstiges

In diesem Absatz möchte ich die prägnantesten Unterschiede zu Deutschland darstellen. Zunächst  wäre da der Verkehr, der in Bolivien  wirklich verrückt ist. Rote Ampeln dienen zum Teil nur als Dekoration und die Hupe wird als Beschwerde, Warnsignal bzw. Vorfahrtswarnung benutzt. Fußgängerampeln sind hier Fehlanzeige. Man wartet einfach auf eine ausreichende Lücke und rennt dann über die Straße in der Hoffnung, nicht überfahren zu werden.

Auch die Straßen sind hier zum Teil recht schlecht asphaltiert. So findet man zum Beispiel hin und wieder einen Baum in der Mitte der Straße oder Fußgängerwege, bei denen man Berge überquert. Anstatt von Bussen gibt es hier sogenannte Trufis (Kleinbuse) und Micros (antike Busse). Zum Einsteigen hebt man einfach die Hand, zum Austeigen schreit man „Voy a bajar“ (Ich möchte aussteigen) und kann somit an jeder beliebigen Stelle zu- bzw. aussteigen. Da Trufis und auch Taxis hier recht billig sind und man mit ihnen so gut wie jeden Ort erreichen kann, machen sie etwa die Hälfte der Autos auf den Straßen aus.

Nächster Punkt, das Essen. Generell ist die Ernährung hier viel ungesünder als in Deutschland und zu meinem Bedauern leider sehr fleischlastig. Statt Wasser wird hier eigentlich immer Cola oder Limonade getrunken und es kann auch mal vorkommen, dass in einem Restaurant das Wasser aus ist. Essen ohne Fleisch ist hier nahezu unvorstellbar und ich bekomme hier des  Öfteren einen schiefen Blick, wenn ich erwähne, dass  ich Vegetarierin bin oder ein Essen ohne Fleisch bestelle. In Bolivien hat es viele Straßenstände und Straßenlokale, in denen man für nicht einmal zwei Euro essen kann, wobei diese für Vegetarier generell nicht sonderlich geeignet sind. Hier gibt

es nämlich nur typisch bolivianisches Essen, sprich Fleisch (meist Hühnchen) mit Reis  und Kartoffeln und eventuell noch Gemüse.

Allerdings war ich überrascht, dass ich als Vegetarierin doch ganz gut durchkomme. In jedem, nicht ganz billigen, Restaurant lässt sich auch eigentlich immer etwas Vegetarisches (Pizza, Pasta, Burritos etc.) finden, weshalb ich die deutsche Küche nicht ganz so vermisse.

Ein weiterer, leider nicht so schöner, Punkt: Armut. Hier in Bolivien sieht man schon hin und wieder echtes Elend, wie man es in Deutschland nie sehen würde. Total abgemagerte und ungepflegte Männer und  Frauen, die einem kläglich ihre Hände entgegen strecken, um nach Geld zu bitten.

Auch die Kinder an meinem Arbeitsplatz kommen in der Regel aus sehr armen Familien und haben häufig ganz schmutzige Kleidung und total kaputte Zähne und riechen teilweise auch unangenehm. Es tut einem schon in der Seele weh, dass anzusehen.

Und noch einen weiteren negativen Aspekt: Die Umweltverschmutzung. Die Luft in Cochabamba ist immer ziemlich mit Abgasen verpestet, weil es hier sehr viele ältere Autos gibt bzw. das Bewusstsein für umweltfreundliche Autos nicht so, wie in Europa, vorhanden ist. Auch liegt sehr viel Müll an den Straßenrändern, v.a. auf der Cancha. Auch hier fehlt oft das Bewusstsein, dass man den Müll doch in den Mülleimer werfen sollte, v.a. den Kindern.

Zuletzt möchte ich noch das schöne lateinamerikanische Flair Boliviens, mit seinem mediterranen Klima, den Palmen, den Märkten mit Obst, Gemüse oder traditionellen Produkten aus kunterbunten Stoffen, erwähnen, das mir persönlich total gut gefällt und mich an Bolivien fasziniert.

Man kann also sagen, dass wir uns hier  schon ein richtiges Leben aufgebaut haben und ich freue mich schon auf die kommenden Wochen und Monate und bin  gespannt, was wir noch alles erleben können.

Bolivien Canarito – Siempre Iniciativas Solidarias (SIS)

Bolivien Canarito – Siempre Iniciativas Solidarias (SIS)