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Erster Zwischenbericht : Ghana Christ Academy Fodome Helu von Fabio Banet

 

Die Einsatzstelle und das Arbeitsumfeld

Seit drei Monaten sind mein Mitfreiwilliger und ich in Ghana und seit dem 1. September unterrichten wir an der Christ Academy in dem kleinen Dorf Fodome Helu im Osten Ghanas.
Vor Beginn des Schuljahres konnten wir uns aus acht Schulfächern eines aussuchen, welches wir im bevorstehenden Jahr dann unterrichten sollten. Auch bei den Klassen hatten wir die Wahl, welche wir zukünftig unterrichteten. Der Grund für diese enorme Entscheidungsfreiheit war, dass die Christ Academy eine private Schule der katholischen Kirche ist. Die Lehrer*innen dieser Schulen müssen nicht zwangsläufig ausgebildet sein. Häufig sind es Absolventen*innen der Senior Highschool, die zuvor schon an einer privaten Schule unterrichten.

Ich entschied mich für „Information and Communication Technology“ (ICT), was dem Informatikunterricht gleichkommt, in den Klassenstufen 4 bis 6. Daneben bin ich noch Klassenlehrer der 4. Klasse. Generell bietet die Schule den Freiwilligen sehr viele Freiheiten. Eigeninitiative kann hier bis zu einem gewissen Grad entfaltet werden. So biete ich bspw. gemeinsam mit dem anderen ICT Lehrer an zwei Nachmittagen in der Woche einen ICT Club an, der letztes Jahr ins Leben gerufen wurde und für die Schüler*innen vorgesehen ist, die neben dem allgemeinen Schulstoff im Computerbereich weitergebildet werden wollen. Eine weitere Aufgabe von mir an der Schule ist das Einsammeln des Schulgeldes. Die Schüler*innen müssen Schulgeld bezahlen, weil private Schulen finanziell nicht von der Regierung unterstützt werden. Mit dem Schulgeld werden die notwendigen Ausgaben der Schule sowie die sehr geringen Gehälter der Lehrkräfte (z.T. nur 29€ pro Monat) finanziert.

Seit einigen Jahren kümmern sich die Freiwilligen um das Schulgeld, weil ein Lehrer mal eine große Summe veruntreut hat. Die Schüler*innen bezahlen ihr Schulgeld meistens stückweise und nur sehr schleppend. Mein Vorgänger Daniel hatte das System, am Montag alle Schüler*innen nachhause zu schicken, die noch gar kein Schulgeld für den aktuellen Term bezahlt haben. Da sich viele Eltern sonst nicht dazu bewegen ließen das Schulgeld für ihre Kinder zu bezahlen, führe ich dieses System fort. Diese Aufgabe macht nicht besonders viel Spaß, aber sie ist notwendig. Anders ließe sich schließlich die Schule nicht finanzieren.

Unser Mentor ist der katholische Pfarrer des Dorfes, Father Patrick. Da er eine recht große ländliche Gegend betreut, unterstützt ihn der junge Father Richard. Wir haben ein sehr gutes Verhältnis zu ihnen. Häufig essen wir auch gemeinsam Abendbrot. Als Pfarrer ist Father Patrick auch Chef der Christ Academy. Er ist jedoch erst seit 5 Monaten Pfarrer dieser Gemeinde.  Deswegen habe ich zum Teil den Eindruck, dass er beginnt sich jetzt erst langsam für die Schule zu interessieren. Die Christ Academy ist sehr weit weg von seinem alltäglichen Arbeitsort. Er erfährt Neuigkeiten der Schule meistens erst von uns beim Abendessen. Dadurch haben wir eine besondere Verantwortung. Durch unser enges Verhältnis, legt er viel Wert auf unsere Meinung bei Konflikten und sonstigen Angelegenheiten.

In den ersten drei Monaten sind mir auch einige Dinge aufgefallen, die meiner Meinung nach an der Schule nicht gut laufen. So kommen viele Lehrer*innen deutlich zu spät, erwarten aber gleichzeitig absolute Pünktlichkeit von den Schüler*innen. Außerdem passiert es auch, dass Lehrer*innen ihre Unterrichtsstunden gar nicht wahrnehmen und stattdessen im Schatten sitzen oder irgendetwas anderes machen. So etwas ist leider keine Seltenheit und das wirkt sich natürlich auch auf die Leistungen der Schüler*innen aus. Der vergangene Abschlussjahrgang ist zu einem großen Teil komplett durchgefallen und in der 5. Klasse kann nur die Hälfte der Schüler*innen lesen. Die Gemeinde sucht deshalb mittlerweile nach neuen Lehrkräften, um diese Probleme zu beheben. Ein Faktor, der die Problemlösung an der Schule nicht einfach macht, ist die Art und Weise des Konfliktmanagements. Häufig gibt es lange und zum Teil aggressiv geführte Streitereien zwischen zwei Lehrern über verschiedenste Themen. Die Lage lässt sich häufig erst beruhigen, wenn Autoritätspersonen, wie der Schulleiter oder der Pfarrer, ein „Machtwort“ sprechen, um die Situation und die Lehrer zu beruhigen und den Streit zu schlichten. Logische Kompromisse und Vorschläge von Menschen auf derselben Hierarchieebene werden häufig nicht als Lösung anerkannt. Das macht die Lehrkraftmeetings und alltäglichen Konflikte oft kompliziert.

Das Leben und der Alltag

Mein Leben abseits des Schulalltages ist ruhig in Fodome Helu. Es ist ein sehr kleines Dorf. Die nächste Stadt ist 8km entfernt und über eine unbefestigte Straße zu erreichen. Die meisten Leute im Dorf sind Farmer. Andere gehen Tätigkeiten wie nähen, tischlern oder kochen nach. Die Leute unterhalten sich in der lokalen Sprache, Ewe. Englisch sprechen sie nur selten. Die Menschen im Dorf behandeln uns mit großem Respekt, aber häufig auch mit einer gewissen Distanz. Es wundert mich, dass Hellpigmentierte in dem Dorf immer noch so eine Besonderheit darstellen, obwohl bereits seit sieben Jahren Freiwillige aus Deutschland zu dieser Einsatzstelle kommen.

Das Dorfleben ist sehr gewöhnungsbedürftig für mich, da ich das Stadtleben gewohnt war und auch sehr geschätzt habe. Ein weiterer Aspekt, der für mich sehr neu ist, ist die strenge Religiosität der meisten Menschen im Dorf, aber auch in Ghana allgemein. In Fodome Helu ist die Mehrheit streng katholisch. Das impliziert auch sehr konservative Ansichten zu den Themen Abtreibung und Homosexualität. Es fällt mir manchmal nicht leicht meinen Alltag mit Menschen zu verbringen, die einem so anderen Wertekanon folgen.

Sonstiges

Für die nächste Zeit habe ich die Realisierung eines Projektes geplant. Unsere Vorgänger*innen haben die Schule durch den Bau eines offenen Gebäudes mit drei Klassenräumen erweitert. Leider war ihre Zeit vor der finalen Fertigstellung vorbei, so dass sie es nicht mehr schafften, das Gebäude verputzen zu lassen. Dieses Projekt würde ich gern fertigstellen und zusätzlich um einen weiteren Klassenraum ergänzen. Damit wäre das Platzproblem der Schule weitestgehend gelöst.

Die Spendengelder für dieses Projekt sind bereits gesammelt. Der Baustart ist für Dezember geplant.