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Erster Zwischenbericht: Laos Thakhek – Lao People Revolutionary Youth Union von Kolja Hauke Frahm

 

Vorwort

Drei Monate sind rum. Das ging genauso schnell wie gedacht: schneller als man denkt. Genauso viel hab ich auch erlebt. Inzwischen komme ich auch immer mehr dazu, meinen Blog auf den aktuellen Stand zu bringen. Wer also mehr über meine Erlebnisse erfahren möchte, kann sich diesen gerne durchlesen: http://klaos.de/

Die Einsatzstelle und der Arbeitsalltag

Michi und ich leben in der Stadt Thakhek, die mittlerweile die viertgrößte Stadt Laos‘ und die zweitgrößte Einsatzstelle nach Vientiane ist. Wir leben in einem Haus, das zwar relativ groß ist, allerdings nur mit dem allernötigsten ausgestattet ist und wir uns schon mehrmals etwas nachkaufen mussten. Egal wohin wir  fahren, fahren wir in den allermeisten Fällen mit einem Moped, da wir ein wenig außerhalb wohnen. Allerdings ist bei uns in der Nähe ein Markt, auf dem man so gut wie alles einkaufen kann. Um 8 Uhr stehe ich ungefähr auf, weil unser Lao-Unterricht von 9 bis 10Uhr geht. Danach habe ich einmal die Woche eine Grundschulklasse von 10 bis 11:30 Uhr, sonst frühstücken wir nach dem Lao-Unterricht meistens gemeinsam. Wenn wir etwas vom Markt brauchen, oder irgendetwas anderes am Tag erledigen müssen, ist dazu dann meistens die  Zeit. Am Nachmittag habe ich einmal die Woche eine  Klasse, in der ich Menschen aus der Regierungsorganisation unterrichte, die zwischen 20 und 40 Jahre alt sind. Jeden Abend, außer am Wochenende habe ich drei verschiedene Klassen: Eine von 17:00 bis 18:00Uhr, die nächste bis 19:00Uhr und die letzte bis 20:00Uhr. Dabei habe ich von Montag bis Mittwoch immer dieselben drei Klassen und am Donnerstag und Freitag jeweils drei andere. Die Klassen hier sind nicht nach Alter, sondern nach Bildungsgrad geteilt, auch wenn es innerhalb einer Klasse natürlich unterschiedlich gute Schüler*innen gibt. So sind in einigen Klassen Schüler*innen zwischen (geschätzt) acht und 18 Jahren.  Alle Lehrer*innen halten sich an verschiedene  Bücher für  verschiedene  Bildungslevel, nach denen wir  unterrichten. Die Stunden laufen meistens so ab: Da die meisten Schüler*innen kein Buch besitzen, wird am Anfang eine Konversation, eine Aufgabe oder ein anderer Text an die Tafel geschrieben, den die Schüler*innen dann fleißig abschreiben. Danach übe ich zusammen mit ihnen die Aussprache dieses Textes, da diese für Laot*innen besonders schwer ist. Nachdem alle Schüler*innen im Chor den Text nachgesprochen haben, kommen sie dann noch mal einzeln nach vorn und lesen den Text vor der Klasse vor. Das variiert natürlich von Stunde zu Stunde ein wenig, aber ist im Großen und Ganzen das, was ich mache.

Da Michi und ich noch nicht wirklich gut Lao sprechen können, gestaltet es sich noch als etwas schwierig, die Stunden genauso zu halten, wie man sich das vorstellt. Glücklicherweise haben wir im Unterricht meistens eine  laotische  Lehrerperson,  die uns hilft bestimmte Vokabeln zu dolmetschen oder die Grammatik den Schüler*innen zu erklären. Da in es in Laos zum guten Ton gehört, wenn eine  Familie  ihre  Söhne  für  ein  paar Jahre ins Kloster schickt, sind in einigen Klassen viele  Novizen. Nach der Schule  essen wir meist zu Abend, entweder zu Hause etwas Selbstgekochtes oder im Restaurant.

Das Leben und der Alltag

Auch in unserer Freizeit haben wir viel mit den Lehrer*innen unserer Schule zu tun. So gibt es zum Beispiel einen ehemaligen Lehrer, der uns schon mit zum Angeln genommen hat und uns öfter anbietet, zusammen etwas zu unternehmen. Am meisten unternehmen wir allerdings mit einem Lehrer, der mir auch jeden Tag  beim Unterricht assistiert, und seinem Cousin. Wir waren schon picknicken bei einer Höhle, schwimmen in einem Fluss, mehrmals in einer Art Sauna und er zeigt uns auch immer gerne, wo irgendwas ist.

Sonstiges

Laos ist anders. Und das liegt nicht nur am Vergleich mit  Deutschland, sondern mindestens genauso viel am Lande und  am früheren Laos. Während ich auf dem Seminar erfahren habe, dass freundschaftliche Beziehungen zwischen den Geschlechtern sehr unüblich sind, sind sie hier eher normal und niemand wundert sich darüber. Auch das ducken beim Durchqueren einer Konversation sehe ich, anders als erwartet, eher selten. Am meisten überrascht hat mich jedoch, dass auch hier die Menschen sehr direkt sein können. Während ich erwartet habe, dass ich es gar nicht merke oder verstehe, wenn jemand etwas nicht weiß oder mir nein sagen möchte, drücken sich die Leute doch immer sehr verständlich aus. Außerdem wird sich öfter mal über jemanden lustig gemacht, während dieser dabei ist (natürlich nicht bösartig), was ich auch nicht für den sehr indirekten Umgang halte, den ich erwartet habe. Auch wenn ich vor allem auf dem Vorbereitungsseminar ein wenig Zweifel bekommen habe, ob wirklich alles an diesem Projekt so sinnvoll ist, haben sie  sich inzwischen wieder gelegt. Das wir als Englischlehrer*innen eingesetzt werden, ist wirklich hilfreich, da die englische Aussprache viel näher an der deutschen liegt als an der laotischen. So können wir den Schüler*innen diese leichter näher bringen und auch auf andere Punkte achten, als es die laotischen Lehrer*innen können. Zudem sind wir an unserer Schule nicht unersetzbar. Der Unterricht würde also auch stattfinden, wenn es keine Freiwilligen gäbe, was ich insofern wichtig finde, dass dann niemand denkt, dass man nur durch Freiwillige Englisch lernen könne.

Insofern bin ich im Großen und Ganzen zufrieden mit meiner Einsatzstelle und bereue es nicht, nach Laos gegangen zu sein.

Laos Thakhek - Lao People Revolutionary Youth Union

Laos Thakhek – Lao People Revolutionary Youth Union