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Erster Zwischenbericht: Laos Vientiane – Lao People Revolutionary Youth Union von Lucie Glockmann

 

Vorwort

Seit etwa zweieinhalb Monaten lebe ich jetzt in meinem Einsatzland. Nach einem leichten Kulturschock zu Anfang und diversen anderen Hindernissen, habe ich mich mittlerweile sehr gut eingelebt und mich in Land und Leute verliebt. Im folgenden Bericht möchte ich meine ersten Eindrücke und Erlebnisse schildern, sowie einen Einblick in meine Arbeit hier geben.

Im Nachhinein kann ich das Gefühl, das mich die ersten paar Tage begleitet hatte, kaum noch erklären. Ich würde es einen Kulturschock nennen, ob es einer war, weiß ich nicht bzw. kann ich nicht sagen. Es war ein allgemeines Unwohlsein, das Gefühl, „fremd“ zu sein. Dazu kam eine gewisse Dosis Heimweh und Angst vor dem Ungewissen, die vor meinem Abflug noch im sicheren, gewohnten Zuhause ausgeblieben waren und dann aber mit voller Wucht einschlug. Nicht nur einmal stellte sich mir die Frage, ob ich mir das alles wirklich gut überlegt hatte. So langsam legte sich dann aber dieses Gefühl. Wir erkundeten mehr und mehr die Stadt, gingen das erste Mal abends aus und kamen in Kontakt mit Einheimischen. Laot*innen habe ich bisher als unglaublich offen und liebevoll erfahren. Die von mir kennengelernten Personen sind sehr neugierig und wenn wir mal auf jemanden treffen, der ein bisschen Englisch spricht, halten sie sich nicht damit zurück, uns viele Fragen zu stellen. Mittlerweile hat sich das Gefühl, das ich am Anfang hatte, aufgelöst. Ich fühle mich hier wohl und Laos ist mein zweites Zuhause geworden.

Die Einsatzstelle und das Arbeitsumfeld

Ich bin zusammen mit Max, einem meiner zwei Mitfreiwilligen, in der privaten Grundschule Chittisak eingesetzt. Wir unterrichten dort Schüler*innen der ersten bis fünften Klasse in Englisch. Die Schule ist sieben Kilometer von unserer Wohnung entfernt, weshalb wir jeden Morgen mit dem Moped fahren müssen. Begonnen haben wir mit dem Unterricht erst am 01. September, da bei unserer Ankunft noch Ferien waren. Wir unterrichten momentan noch zusammen und werden zudem von einer unserer beiden Mentorinnen begleitet. Sie spricht leider nicht so gut Englisch wie ihre Kollegin, was die Verständigung während des Unterrichts erschwert. Allerdings sind wir froh über ihre Anwesenheit, da sie hauptsächlich die Kommunikation mit den Kindern übernimmt, wobei auch diese immer besser funktioniert, wenn auch eher mit Händen und Füßen. Unsere Mentorinnen, Mouk und Nat, sind beide sehr lieb. Nat spricht gut Englisch, weshalb sie unsere erste Ansprechpartnerin ist, wenn wir Fragen oder Probleme haben. Was mir jedoch negativ aufgefallen ist, ist der zeitweise ruppige Umgang, den die Lehrerenden an unserer Schule mit den Kindern pflegen. Wir hatten in den ersten zwei Monaten Laotisch-Unterricht bei unseren Mentorinnen. Wir sind aber bisher nicht so gut, wie wir es uns erhofft hatten. Momentan beherrschen wir hauptsächlich einzelne Vokabeln und es fällt uns schwer, Sätze zu bilden, da Laotisch für „Westler*innen“, aufgrund der Aussprache sowie der Schriftzeichen, sehr schwer zu erlernen ist. Der Unterricht mit den Schüler*innen war zu Anfang gewöhnungsbedürftig. Die Schüler*innen sind eigentlich nur Frontalunterricht gewöhnt, weshalb es schwer für uns war, aktiv Alternativen einzubringen. Wir versuchten es zunächst mit einfachen Dingen wie Dialogen. Besonderen und persönlichen Erfolg hatten wir mit einem Spiel, bei

dem es darum ging, so schnell wie möglich für (fast) alle Buchstaben im Alphabet englische Worte zu finden. Wir waren überrascht davon, wie gut das Spiel funktionierte und wie motiviert sie mitmachten. Durch den Frontalunterricht sind es die Schüler*innen allerdings nicht gewöhnt, eine Leistung als Individuum zu bringen. Gelesen wird oft nur im Chor mit der ganzen Klasse oder zu zweit, sodass man sich immer noch gut verstecken kann. So kann ein Großteil der Schüler*innen, auch in den höheren Klassen, nicht Englisch lesen. Wir haben jeden Tag eine eineinhalb stündige Mittagspause, in der ich gerne eine Lese- und Schreib-AG anbieten würde. Ich habe mich bisher noch nicht getraut diese Idee direkt anzusprechen, weil ich nicht weiß wie sie ankommt. Als ich es vor einigen Tagen dann doch getan habe, wurde die Idee mit Freude begrüßt, so dass wir ab nächster Woche mit dem Unterricht in der Pause beginnen sollen. Die Kinder sind alle unglaublich lieb und wir haben sie sehr ins Herz geschlossen, und ich glaube, sie uns auch. Wir werden jedes Mal herzlich begrüßt, wenn wir in der Schule kommen. Die Kinder sind auch der Grund, weswegen es nie langweilig wird, auch wenn der Unterricht mal schleppend voran geht.

Das Leben und der Alltag

Da wir in Vientiane leben, in der Anonymität die Großstadt herrscht, bekommen wir wahrscheinlich wenig vom laotischen Alltagsleben mit. Viele sprechen Englisch, weshalb wir auch bisher ohne gute Laotisch Kenntnisse zu Recht kamen. Wir haben schon den einen oder anderen Ausflug ins Landesinnere unternommen und sind in den Genuss der wundervollen Landschaften von Laos gekommen. Von Vientiane muss man leider etwas weiter fahren, um Abwechslung von der flachen Stadtlandschaft zu bekommen, aber es lohnt sich. Laos besitzt sowohl flache Landstriche mit weiten Reisfeldern, als auch beeindruckende Bergregionen. Vor kurzem sind wir an einem Sonntag früh aufgestanden, um einer buddhistischen Zeremonie beizuwohnen, die im Tempel gegenüber der GLAD (German-Lao- Association for Development), der Organisation, bei der wir wohnen, stattgefunden hat. Wir nahmen am Gebet und an der Verteilung der Opfergaben teil. Im Gegensatz zu den Laot*innen hatten wir keine Opferschalen dabei. Eine Frau reichte mir eine ihrer, als es ihr auffiel. Sie wollte sie auch nach dem Gebet nicht zurück haben. So verteilte ich die Gaben darin an die Mönche und gab ihr die leere Schale zurück. Dies war nur einer von vielen Momenten, in denen ich von der Gastfreundschaft der Laot*innen überrascht wurde.

Anfangs dachte ich, es würde mir an vielem fehlen beim Essen. Milchprodukte sind deutlich teurer als in Deutschland, genauso wie westliches Essen. Jetzt weiß ich, dass sich lediglich ein großes Fenster neuer Möglichkeiten geöffnet hat. Auf Milchprodukte verzichte ich mittlerweile weitestgehend. Statt Kuhmilch im Kaffee verwende ich jetzt Sojamilch. Auf Käse und Schokolade kann ich leichter verzichten, als ich es mir zu Beginn vorgestellt hatte. An jeder Ecke kann man sehr leckere einheimische Gerichte kaufen. Am häufigsten steht Khau Niew (dampfgegarter Reis, oftmals über offenem Feuer traditionell im geflochtenen Bambusblattkorb zubereitet) mit diversen Beilagen (Fleisch, Fisch, Gemüse) auf dem Speiseplan. Ich freue mich, nach diesem Einstieg auf den Rest meines Freiwilligenjahres