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Erster Zwischenbericht: Laos, Thakhek – Lao People Revolutionary Youth Union von Michael Burgis

 

Vorwort

Es sind schon drei Monate vergangen? Das ging aber schnell. Wie man eben immer zu sagen pflegt: Wenn man Spaß hat, vergeht die Zeit umso schneller. In den ersten drei Monaten ist so viel passiert. Zu viel, um hier im Bericht alles zu erzählen. Wenn bei jemanden Bedarf besteht nach dem Bericht noch mehr von mir zu lesen, kann diese Person gerne meinen Blog besuchen. Ihr findet ihn unter diesem Link: sprachlos-in-laos-home.blogspot.com

Mein Aufenthalt in Laos begann mit der Ankunft am Flughafen in Vientiane, an dem wir von einer Mitarbeiterin der Lao Youth Union (werde die Partnerorganisation ab jetzt nur noch mit LYU abkürzen) abgeholt und zum Büro in Vientiane gefahren wurden. Nach ein paar begrüßenden Worten ging es für alle Freiwilligen zu ihren Einsatzstellen. Dieses Jahr wurden Freiwillige in Vientiane, Luang Prabang, Non Savang, Pakxan und Thakhek eingesetzt. Da die Fahrt nach Thakhek einige Zeit beanspruchte, mussten Kolja und ich (später nur noch als wir) dort die erste Nacht erstmal in einem Hotel übernachten. Am nächsten Morgen wurden wir dann geweckt, um unser Frühstück zu uns zu nehmen. Die Auswahl war etwas Toast und Marmelade oder die typisch laotische Variante: eine „Khaopiak“ (Nudelsuppe). Ich habe mich natürlich erstmal für die Nudelsuppe entschieden. Später wurden wir von den LYU-Mitarbeiter*innen aus Thakhek empfangen und es wurden auch hier begrüßende Worte an uns gerichtet. Nach dem Empfang konnten wir die Zeit nutzen, um unser Haus zu besuchen, dass wir netterweise von unseren Vorgängerinnen Clara und Paulina übernehmen konnten. Wir haben beide unsere eigenen Zimmer und jeweils ein Bad. Außerdem besitzt das Haus eine große Küchenzeile und Ausblick auf ein kleines Bächlein. Wenn sonst irgendwas benötigt wird, ist man in Thakhek gut aufgehoben, da man hier so ziemlich alles bekommt, was man sich nur wünschen kann. Als Fazit über das Haus lässt sich sagen, sehr groß und ausreichend ausgestattet. Was will man mehr?

Die Einsatzstelle und das Arbeitsumfeld

Nun aber mal ein paar Worte zu dem Projekt. Der Englischunterricht an unserer Schule findet von 5:00 Uhr – 8:00 Uhr abends statt. Da wir beide ohne Vorkenntnisse der laotischen Sprache nach Laos gegangen sind, gestaltet sich der Unterricht wie folgt: Wir haben einen Stundenplan bekommen auf dem uns die Klassennummern für die jeweilige Stunde mitgeteilt wurden. Jede laotische Lehrperson wird einer Raumnummer zugeordnet. Wir gehen also jede Stunde in ein anderes Zimmer zu einer anderen Lehrperson und halten unseren Unterricht. Wenn wir den Schüler*innen etwas über die Grammatik erklären oder auf einen Fehler hinweisen wollen, hilft die Lehrperson in der Regel und übersetzt für die Schüler*innen. Es kam aber die letzten drei Monate oft vor, dass ich einfach alleine ohne Lehrer*in unterrichten musste. Ich war darüber manchmal etwas genervt, da man mit Zeichensprache nicht immer alles erklären kann. Auf der anderen Seite hieß ich die Herausforderung sehr gern willkommen. Die Bücher mit denen wir arbeiten sind vom Ministerium für Bildung und Sport erstellt worden. An manchen Stellen finde ich diese ganz gut, an manchen Stellen sind diese jedoch eher Totalausfälle. Während ich meinen Unterricht halte, muss ich zwischendurch oftmals die Texte der Bücher korrigieren. Aber das hat auch sein Gutes, da jede Unterrichtsstunde somit auch eine Lernstunde für mich ist. Die Altersstruktur befindet sich zwischen 8 und 18 Jahren.

Ich habe auf Wunsch eines Lehrers im frühen November eine Deutschstunde an der Schule gehalten. Und das Ganze lief sogar ziemlich gut. Ich habe dazu das englische Wort hingeschrieben, habe es dann auf Deutsch an die Tafel geschrieben und dann in laotischer Sprache die Aussprache notiert. Am Ende kamen die Schüler*innen auf mich zu und haben nach speziellen Wörtern, wie love, darling oder beloved gefragt. Ist das nicht süß?

Über den Unterricht am Abend hinaus, haben wir ein sogennantes „staff teaching“, in dem wir Regierungsbeamt*innen und Lehrer*innen unterrichten. Es gibt dafür zwei Klassen: einmal basic level und einmal intermediate level. Der Fokus wird hier ähnlich wie bei dem Abendunterricht auch auf Aussprache und Betonung gelegt. Am Anfang fand dieser Unterricht pro Woche zweimal statt. Jetzt im November musste der Unterricht aufgrund mangelnder Besucherzahl zusammengelegt werden. So haben wir nur noch einmal die Woche diesen Unterricht. Die Schüler*innen liegen in der Altersspanne von 20- 40 Jahren. Der Unterricht hier macht auch sehr viel Spaß, da hier immer alle sehr engagiert mitarbeiten und jede*r seine*ihre Aufgaben erledigt, wenn man welche aufgibt.

In Laos hat jeder Name eine Bedeutung. So kann es vorkommen, dass jemand beispielsweise übersetzt anmutige Farbe heißt. Das Lustigste bis jetzt war aber ein Schüler im staff teaching, der übersetzt Herr Banane heißt. Die anderen Schüler*innen nannten ihn daraufhin nur noch Mister Banana.

So kommen wir nun zum vorletzten Unterrichtsgebilde: Der Grundschulunterricht. Was kann ich dazu sagen, außer super? Mir macht es extrem viel Spaß Kinder zu unterrichten. Die Englischkenntnisse sind ist hier natürlich niedriger im Vergleich zu den Schüler*innen am Abend. Aber das erklärt sich ja auch von selbst, da die Schüler*innen dort 6-8 Jahre alt sind. Es werden hier simple Sätze gebildet wie beispielsweise: „This is a pen!“. Nachdem die Kinder die Struktur solcher Sätze verstanden haben, lasse ich sie meistens ihre eigenen Sätze erstellen und lese diese dann Korrektur. Die Kleinen erfreuen sich dabei immer an kleineren Späßen, die ich mir erlaube oder amüsieren sich über meine krakeligen und unästhetischen Zeichnungen. Aber ich bin ja auch nicht zum Malen hier. Der letzte Unterricht ist zugleich der, der als erstes am Tag stattfindet: Der lao-Unterricht. Wir werden hier von der Co-Direktorin der Schule persönlich unterrichtet. Das Schwierigste hierbei ist, dass lao eine Tonsprache ist. Das heißt es macht einen riesigen Unterschied, ob ich dieses Wort nun aufsteigend oder absteigend ausspreche. Außerdem machen es die vielen Vokale etwas schwierig den Überblick zu behalten. Es gibt alleine schon mehr Vokale als Konsonanten. Lasst euch das mal durch den Kopf gehen! Mittlerweile kann ich die Sprache schon gut genug, um lesen zu können. Das alleine bringt jedoch nicht allzu viel, da ich zwar weiß, wie das Wort ausgesprochen wird, nicht aber was sie bedeuten.

Um mal die Probleme mit der Betonung zu verdeutlichen. Wenn man auf lao Entschuldigung sagen will, sagt man kho toot. Wenn man nun aber das o am Ende kürzer ausspricht, heißt das Ganze nicht mehr Entschuldigung, sondern es beschreibt die Exkremente einer Kuh.

 Das Leben und der Alltag

Wir hatten leider nicht die Möglichkeit unsere Vorgängerinnen persönlich kennenzulernen. Doch die Aufgabe uns die Stadt und viele Locations vor Ort zu zeigen, übernahmen die Lehrer*innen sehr gut. So kannten wir schon nach gut vier Wochen die wichtigsten Orte in Thakhek, um eigenständig leben zu können. Außerdem hatten wir das Glück den Freiwilligen Tim, der 2014/2015 in Thakhek eingesetzt war, zu treffen. Dieser hat uns einigen Leuten vorgestellt und viel mit uns unternommen. So lernten wir die laotische Kultur schneller kennen und hatten immer einen Experten zur Seite, der sich flüssig auf Lao mit allen verständigen konnte. Viele Laot*innen lieben Bier und trinken sehr viel davon. Es wird nicht ohne Grund oft als zweites Nahrungsmittel hinter dem Reis deklariert. An und für sich ja gar nicht so schlimm, doch viele Laot*innen trinken oft einige Flaschen Bier, schwingen sich danach auf ihr Motorrad und fahren durch Thakhek. So bekam ich bis jetzt schon zwei Mal von Motorradunfällen zu hören, bei denen Familienmitglieder von Lehrer*innen unserer Schule verwickelt waren. Kulinarisch geht mir hier in Laos das Herz auf. Egal ob scharfes Essen, Hähnchenschenkel am Straßenstand oder der traditionelle sticky-Reis. Alles hat seinen eigenen Touch und schmeckt auch echt gut. Leider geht das Ganze aber auch oft mit Magenbeschwerden einher. Das ist es mir aber wert. In Laos bewegt sich eigentlich jeder mit dem Auto, mit dem Motorrad oder dem Fahrrad fort. Gelaufen wird hier fast nicht. Wenn man doch einmal läuft, so wie ich es oft mache, wird man sehr schief angeschaut. Ich mache generell viel Sport, doch hier gestaltet sich das etwas schwieriger. Der Badmintonclub hat nur abends auf, während wir unterrichten und der Fußballplatz kostet Geld pro Feld pro Stunde, nämlich 10€ und zum Spielen gehen die Leute da auch nur abends hin. Also habe ich eigentlich nur die Möglichkeit laufen zu gehen oder eben am Wochenende Sport zu machen. Da ich aber auch oft unterwegs bin, um zu reisen, fällt die sportliche Aktivität auch oft weg. Das Ende vom Lied: Ich mache zu wenig Sport und es ist nicht unweigerlich meine Schuld.

Sonstiges

Zum Schluss komme ich zu einem unangenehmen Thema: Müll. Die Laote*innen sind mit dem Thema Müll sehr stark konfrontiert, da man in jedem Shop nach dem Einkauf eine Plastiktüte mitbekommt. Nimmt man jetzt an, man hat eine Karotte vergessen zu kaufen, und kauft diese, stehen die Verkäufer*innen sofort wieder mit der Tüte bereit und wollen dir noch eine mitgeben. Ich lehne dann immer dankend ab. Mittlerweile nehmen wir die Tüten beim Einkaufen selber mit, um den Plastikmüll zu minimieren. In unserem Viertel wird der Müll auf der Straße verbrannt. Vor unserem Haus liegt jeden Tag neuer Müll, den wir dann entsorgen. In diesem Punkt müsste man die Bevölkerung Laos‘ meines Erachtens mehr sensibilisieren.

Die Menschen, die ich kennengelernt habe, sind eher direkt. Während in Deutschland oder anderswo auf politische Korrektheit beim Beschreiben einer Person geachtet wird, bekommt man hier so viel zu hören wie: ,,Ach hallo, du bist aber fett geworden.‘‘ Das ist zwar im ersten Moment ganz amüsant, aber im zweiten auch ziemlich verletzend.

Ich bereue es bis jetzt auf keinen Fall, mich für das Projekt entschieden zu haben und habe immer noch so viel Spaß wie anfangs auch. Ich hoffe ich konnte euch einen guten Einblick in meine Arbeit geben.