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Erster Zwischenbericht: Laos – Lao Youth Union Vocational Training Centre von Moritz Beyer

 

Vorwort

Freiheit, Einsamkeit, Gastfreundlichkeit, Zusammenarbeit,..
Ich verbringe seit 3 Monaten meinen Freiwilligendienst in Vientiane, der Hauptstadt von Laos. In diesem Zwischenbericht will ich meine bisherige Zeit reflektieren und den Leser*innen einen Einblick in mein Leben und meine Arbeit hier geben. Ich wohne aktuell mit zwei anderen Weltwärtsfreiwilligen in der German Lao Association for Development (GLAD). Meine Einsatzpartnerin Lea musste leider nach 2 Wochen aus gesundheitlichen Gründen wieder zurück nach Deutschland reisen. Deshalb bin ich einer der wenigen Freiwilligen, die sich alleine in der Einsatzstelle zurechtfinden müssen.

Meine Ankunft in Laos habe ich sehr positiv in Erinnerung. Ich hatte keinen Jetlag und auch von einem Kulturschock kann ich nicht wirklich reden. Natürlich ist am Anfang erstmal vieles anders, aber das soll ja so sein. Denn ohne verschiedene Kulturen, gibt es auch keinen kulturellen Austausch. Und solange man nichts gegen scharfes und laktosefreies Essen hat, sollte man sich hier eigentlich ganz gut zurechtfinden.

Die Einsatzstelle und das Arbeitsumfeld

Ich arbeite im Lao Youth Vocational Training Centre. Zu Anfang habe ich etwa zwei Wochen bei den Lehrer*innen hospitiert und viele Tipps zum Umgang mit den Schüler*innen bekommen. Seit September unterrichte ich dort selbst, unter anderem meine ‚Morning Class‘. Das ist eine Klasse, wo die Schüler*innen einen geringen Bildungsgrad aufweisen. Zudem ist das Alter dort stark gemischt (von 17 bis 40). Bis Mitte November konnte ich dennoch sehr gut mit der Klasse arbeiten. Seit einer Weile habe ich jedoch das Problem, dass immer wieder neue Schüler*innen in die Klasse kommen. Das ist natürlich einerseits schön, weil wir vorher maximal zu zehnt waren, andererseits ist es unglaublich schwer den Unterricht anzupassen, denn die neuen Schüler*innen können oft gar kein oder sehr wenig Englisch.

Ich kann auch nicht stets beim Unterrichtsstoff von vorn beginnen, da die fortgeschrittenen Schüler*innen sich langweilen würden und schließlich auch schon Schulgeld bezahlt haben, um weitergebildet zu werden. Zudem machen die Fortgeschrittenen die Mehrzahl der Klasse aus. Ein weiteres Problem auf welches ich stieß war, dass mich meine Schüler*innen baten, wieder frontal zu unterrichten, als ich den Unterricht durch Spiele auflockern wollte. Inzwischen stehen sie dem allerdings offener gegenüber und probieren meine Angebote aus. Die meisten Spiele muss ich jedoch vorher sehr stark an die geringen Englischkenntnisse anpassen. Statt Stadt-Land-Fluss spielen wir ,,Ort‘‘ (also Stadt, Land, Region,…), ,,Essen‘‘ oder ,,Getränk‘‘, ,,Verb‘‘, ,,Name‘‘. Abends, von 17- 18:30Uhr, hatte ich zuerst eine Klasse mit 27 Schüler*innen zwischen 12 und 22 Jahren. Ihr Bildungsgrad war nur leicht höher als das der oben beschriebenen Klasse. Sie benutzten schon das Buch ‚New Interchange Intro‘, auf dem ich meinen Unterricht aufbauen konnte. Ich habe vor meinem Einsatzbeginn viel Kritik an dieser Bücherreihe (Intro-1-2-3) gehört, allerdings arbeite ich persönlich gern damit. An einigen Stellen muss man die Bücher zwar durch eigene Übungen ergänzen, um alle Bereiche (besonders

Dialoge) abzudecken, aber dafür ist der*die Lehrer*in ja da. In dieser Klasse wurde ich dann Ende September abgelöst, da ich eine fortgeschrittenere Klasse auf ihre Abschlussprüfung vorbereiten sollte. Das war eine willkommene Abwechslung, da das Level hier deutlich höher war. Ich konnte mit allen Schüler*innen reden und auch komplexere Aufgaben aufgeben. Da es nur 12 Schüler*innen in der Klasse gab, konnte ich mir auch zum ersten Mal einige Namen merken. Allerdings konnte ich das gar nicht richtig genießen, da ich sie innerhalb von einem Monat auf ihre Abschlussprüfung, die ich selbst erstellen durfte, vorbereiten musste. Nachdem also im November das neue ‚Schuljahr‘ (welches meiner Kenntnis aus 3 Monaten besteht) begonnen hatte, habe ich eine neue Abendklasse bekommen. Diese ist auf einem ähnlichen Stand wie die Zweitbeschriebene und benutzt auch das gleiche Buch. Hier unterrichte ich sehr gern, da ich die Klasse von Anfang an hatte und so langsam auch einen persönlicheren Bezug zu den Schüler*innen aufbauen kann. In der ersten Stunde waren 15 Schüler*innen anwesend, in der zweiten 32 und inzwischen sind 43 Schüler*innen für den Unterricht eingetragen. Zu meinem Glück kommen meistens nur 25- 30, denn es gäbe gar nicht genug Plätze für alle. Diese Klasse ist sehr interessiert an meinem Zuhause und meinem Leben dort. Ich freue mich auch immer, wenn sie von selbst Fragen stellen und nehme mir deshalb die Zeit, diese zu beantworten.

Das Leben und der Alltag

Da ich nur von Montag bis Mittwoch unterrichte, kann ich viel Zeit für andere Dinge nutzen. Einerseits wohne ich ganz in der Nähe eines großen Platzes, der für verschiedenste Sportarten genutzt wird. Dort gehe ich gern laufen und beobachte die Laot*innen beim Volleyball, Fußball, Skateboarden und Spazieren (denn joggen ist hier nicht so verbreitet). Außerdem helfe ich bei der Leitung eines Chores in der deutschen Botschaft als Korrepetitor. Dadurch ist es mir auch gestattet, zweimal wöchentlich den Flügel in der Botschaft privat zu nutzen.

Sonstiges

Ich habe oft das Gefühl, dass wir Freiwillige hier in Vientiane einen deutlich „westlicheren“ Lebensstil verfolgen können, als die Freiwilligen in den Provinzen. Denn man kann hier eigentlich alle Lebensmittel erwerben, wenn auch Milchprodukte überteuert sind. Auch bei der Freizeitgestaltung fällt das auf: Wir können ins Kino, in eine Bar oder einen Club gehen. Diese Möglichkeiten haben andere Freiwillige gar nicht. Mir ist bewusst, dass wir dafür teilweise beneidet werden. Andererseits gibt es auch ein großes Problem. Es ist schwieriger, sich kulturell zu integrieren. Es gibt nur wenige Laot*innen, mit denen ich regelmäßig Kontakt habe. Dazu gehören meine Kolleg*innen und die Mitarbeiter*innen der GLAD. Es gibt auch keine Notwendigkeit, Laotisch zu lernen, da man sich in einer Großstadt meistens mit Englisch verständigen kann. Ich habe inzwischen zwar dreimal die Woche bei einem meiner Kollegen Unterricht, aber am Anfang musste ich mich immer wieder selbst dazu zwingen mir Vokabeln einzuprägen und Sprechen zu üben. Der kulturelle Austausch wird in dieser Einsatzstelle also stark erschwert.