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Rückkehrendenseminar in Halle (Saale) – weltwärts 17/18

von Alexander Schmitt

Es ist Montag, der 17. September 2018 und so langsam trudeln sie ein, die 24 Rückkehrer*innen. Bis zu 12 Monate waren sie weg. In Ländern des globalen Südens – Bolivien, Kolumbien, Ghana und Laos – haben sie einen entwicklungspolitischen Freiwilligendienst weltwärts absolviert. Unter Anleitung der Teamer*innen Nadia Boltes und Erik Dolch erwarten sie nun fünf Tage vollgepackt mit Reflektion des Jahres, Auseinandersetzung mit den eigenen Privilegien und Rassismus in Deutschland, sowie Möglichkeiten des weiterführenden Engagements.

Ein Jahr ist lang und jede*r hat unterschiedliche Erfahrungen gemacht. So wurde der Montag vor allem für den Austausch untereinander und ein erneutes Kennenlernen genutzt. Am Dienstag wurde dieser Austausch unter dem Aspekt einiger Leitfragen wie zum Beispiel „Welche Person aus deinem Gastland ist dir am wichtigsten geworden?“ oder „Wie hast du Weihnachten verbracht?“ intensiviert.

// Rückblick, Reflektion und Evaluation //

Wir unternahmen eine Traumreise, lebten im Schnelldurchlauf nochmal unser Jahr durch, vom ersten Seminar in Halle, bis jetzt. Nun gab es Raum für jede*n, die eigenen Gedanken zu verfestigen. Auf einem Blatt Papier oder einer Weltkarte kamen die unterschiedlichsten Ergebnisse zusammen. Einige setzten dies eher strukturiert und mit Wörtern um, andere eher künstlerisch und mit Bildern. Es folgte eine Evaluierungs- und Reflektionsrunde des Freiwilligendienstes. Auch hierbei gab es verschiedene Gesichtspunkte, die mit einer Ampelevaluation reflektiert wurden. Es ging um die Projekte und Partnerorganisationen vor Ort, aber auch um die Betreuung durch die .lkj), sowie das eigentliche Programm weltwärts und dessen Rahmenbedingungen.

Ein weiterer, eher mühsamer, Teil des zweiten Seminartages waren die Abrechnungen. In einem Jahr kommen viele Dinge zusammen: Quittungen für (Projekt-)Ausgaben, Fahrtkosten, Miet- und Nebenkosten. All das muss selbstverständlich genauestens dokumentiert werden. Zum Ausgleich dafür schauten wir am Abend gemeinsam den Film „One Year in Germany“, er begleitet vier junge Menschen aus Tansania und Kamerun, die in Hamburg und Kassel einen Süd-Nord-Freiwilligendienst im Rahmen von weltwärts absolvieren. Dabei erzählt er von unterschiedlichen Erwartungen, Begeisterungen und Herausforderungen der Freiwilligen und zeigt ihre persönlichen und vielfältigen Erfahrungen und Sichtweisen auf Deutschland.

Warm Up Seminar

weltwärts Seminarfoto

// Social Justice, Alltagsrassismus und Diskriminierung //

Der Mittwoch stand unter dem Thema „Social Justice“, Max kam vorbei und machte mit uns einen Workshop. Zunächst stellten wir uns die Frage „Wo fühle ich mich diskriminiert?“. Denn für jede*n unter uns gab es verschiedene Faktoren, in denen wir uns benachteiligt fühlten, sei es das Alter, die Bildung, der familiäre Hintergrund oder die sexuelle Orientierung. Außerdem beschäftigten wir uns mit dem alltäglichen Rassismus in Deutschland. Auf unserem Ausreiseseminar im Juli 2017 setzten wir uns bereits mit dem Thema auseinander und konnten es nun, mit anderen Erfahrungen, in einem ganz neuen Blickwinkel betrachten. Nach dem Motto „Wenn ich mit dem Finger auf dich zeige, zeigen drei Finger auf mich“, war es schön zu sehen, dass in unseren Köpfen sehr wenig Vorurteile wohnen und welch gestärktes Bewusstsein hierfür wir durch weltwärts aufgebaut haben.

// Rückkehrer*innen Engagement //

Mit einem Workshop zum Thema „Umweltbewusstsein und nachhaltiges Engagement“ sprachen wir unter der Leitung von Karl über den Faktor Umwelt während unseres Freiwilligendienstes. Dabei fiel uns auf, dass die Umweltverschmutzung, die am sichtbarsten ist, meist gar nicht die am meisten belastende ist, sondern die, die nicht im Alltagsleben zu sehen ist. Außerdem erfuhren wir viel zu „oikocredit“, einer Initiative für weltwärts-Rückkehrer*innen. Unter diesem Gesichtspunkt stand auch der weitere Teil des Donnerstags. Alumni-Engagement, aber wie geht das? Auch hier lieferten Nadia und Erik Input und zeigten uns, wie vielfältig wir uns weiterbilden können, vor allem aber Bildung weitergeben können.

// Bunter Abend und Adieu //

Während der Tage hatten wir die Aufgabe, einen gemeinsamen Abschlussabend zu organisieren. Dabei kamen die verschiedensten Dinge zusammen. Ghanaische Begriffe raten, Impro-Theater, lyrische Laos-Rückblicke oder das Tanzbein schwingen zu bolivianischen Klängen, alles fand seinen Platz. Wir schlossen den Abend mit einer Diashow von Bildern ab, die wir in unserem Jahr gemacht haben. Am Freitag war es dann schon so weit, der Abschied. Für jede*n unter uns beginnt ein neuer Lebensabschnitt, die Teilnahme am weltwärts-Programm ist für uns vorbei und wir starten ins Studium, die Ausbildung, Arbeit oder ins Ungewisse. Auf jeden Fall starten wir mit: neuen Erfahrungen, neuen Eindrücken und neu Gelerntem.

weltwärts Seminareindrücke

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