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Erster Zwischenbericht: Bolivien – Canarito – Siempre Iniciativas Solidarias (SIS) von Julia Moj

 

Vorwort

Nun sitze ich wirklich hier und verfasse nach drei Monaten Aufenthalt in Bolivien, meinen ersten Bericht. Drei Monate, in denen ich viele neue Eindrücke gewinnen durfte, Freundschaften geschlossen habe und in ein völlig neues Leben eingetaucht bin.

Das Leben und derAlltag

Meine ersten Erfahrungen mit Bolivianer*innen durfte ich am Flughafen in Madrid machen. Nervös, ein wenig traurig, aufgrund des Abschieds, aber auch voller Vorfreunde, stand ich in der Schlange für den Flieger nach Cochabamba. Neugierige Blicke trafen mich und so entwickelten sich auch schon die ersten Gespräche zwischen Bolivianer*innen und mir. Freundlich und fasziniert über meine zukünftige Arbeit in Cochabamba, erzählten sie mir, wie sehr ich die Natur und vor allem das Essen dort lieben werde. Mit einem breiten Lächeln stieg ich also in den Flieger, der nach circa 13 Stunden in Cochabamba landete. Dort wurde ich auch schon von meinen Gastelter*innen Nilda und Juan erwartet. Liebevoll wurde ich sofort in die Familie mit meinen zwei Gastschwestern Wara (16) und Nayra (22) integriert.

Dann hieß es erstmal den Kulturschock überwinden. Der Verkehr in Bolivien ist sehr verrückt. Die Straßen sind überfüllt mit Truffis (kleine Busse, Autos), die Personen überall einsammeln und auch überall wieder rauslassen. Das erleichtert den Transport um einiges und ist sehr praktisch. Dennoch staut sich der Verkehr sehr schnell und die Luft wird, durch die ganzen Abgase, verunreinigt.  Ampeln dienen hier größtenteils zur Dekoration und gehupt wird nach Lust und Laune. Das macht jede Fahrt zur Arbeit um einiges spannender.

Das Thema Essen ist auch erstmal ein kleiner Schock. Wenn man durch den Markt (Cancha) läuft, sieht man erstmal wie Fleisch, Milchprodukte und Eier in der prallen Sonne und ohne Kühlung verkauft werden. Natürlich gibt es auch Supermärkte hier, dennoch unterscheiden sich die Preise deutlich. Man gewöhnt sich sehr schnell daran, aber ich bin wirklich froh, meine Hepatitis-Impfungen in Deutschland bekommen zu haben. Außerdem muss man sagen, dass die bolivianische Küche sehr vielfältig und lecker ist. Ich mag das Essen sehr und die Preise, z.B. ein Mittagessen mit Suppe als Vorspeise für umgerechnet nicht einmal zwei Euro, sind einfach unschlagbar.

Cochabamba hat wirklich tolle und gepflegte Parks, die von Palmen, Geschäften, Essensständen und Eisdielen umgeben sind. Diese Parks dienen auch dazu sich auszuruhen, weshalb man in der Mittagspause schlafende Bolivianer*innen auf der Wiese vorfindet. Meine Mitfreiwillige und ich verbringen gerne unsere Pausen dort, um ein wenig abzuschalten. Das leckere Eis ist vielleicht auch ein Grund.

Die Menschen hier sind, meiner Meinung nach, total offen und freundlich. Hilfsbereit, wenn wir total verwirrt versuchen den Weg zu finden, einen passenden Truffi suchen oder nach Tipps für gelegentlich auftretende Magenschmerzen fragen. Aufgrund unserer Haar-und Hautfarbe werden wir gerne nach unserem Herkunftsland gefragt, was dann meist zu netten Gesprächen führt. Laura und ich sind nach 2 Monaten bei unserer Gastfamilie ausgezogen und wohnen nun in einer wunderschönen und großen Wohnung in Cochabamba. Der Umzug war nach Absprache mit der Organisation und der Gastfamilie kein Problem und bereitete bisher auch keine Schwierigkeiten. Die Wohnungssuche ist in Bolivien um einiges einfacher und auch die Preise sind nicht vergleichbar mit denen in Deutschland. Nun fühlen wir uns unabhängiger und vor allem freier.

Das Angebot an Freizeitaktivitäten ist hier sehr groß. An jeder Ecke sieht man moderne Fitnessstudios, Tanz- und Sportvereine, Musikschulen und und und. Langweilig kann es hier also nicht so schnell werden. Auch das Reisen ist gar kein Problem. Laura und ich verreisen gerne über das Wochenende mit preiswerten Reisebussen und erkunden Bolivien mit unseren Freund*innen.

Das von der Organisation ausgestellte Taschen-, Unterkunfts-, und Verpflegungsgeld ist ausreichend und auch das Kindergeld, das man weiterhin gezahlt bekommt, reicht völlig aus, um sich hier mit Hobbys und Aktivitäten entfalten zu können.

Die Einsatzstelle und das Arbeitsumfeld

Mein Projekt ist das „Centro Canarito Pampeño“, das sich in Mitte des größten lateinamerikanischen Marktes befindet. Dort betreuen Laura und ich Kinder im Alter von vier bis 12 Jahren und helfen ihnen bei ihren Hausaufgaben. Morgens kommen bis zu zehn Kindern und am Nachmittag ist das Projekt mit bis zu 20 Kindern gut besucht. Meine Aufgabe ist es, den Kindern bei den Hausaufgaben zu helfen, sie schulisch zu fördern und danach mit Spielen oder Freizeitaktivitäten zu unterhalten.

Die Kinder sind sehr offen und größtenteils impulsiv. Die Hausaufgaben werden nur ungern erledigt. Deshalb gehört es auch dazu, die Kinder zu motivieren und ein gewisses Maß an Durchsetzungsvermögen zu zeigen. Es ist nicht immer einfach. Mit der Zeit, gewöhnen sich die Kinder an einen und hören dann meistens auch auf einen.

Laura und ich arbeiten morgens alleine und bekommen nachmittags gelegentlich Unterstützung von unserer ehemaligen Gastmutter, die gleichzeitig unsere Chefin ist. Außerdem arbeiten derzeit bis November Psychologiestudent*innen mit, die bei der Anzahl der Kinder wirklich eine große Hilfe sind.

Wir sind in unserer Arbeit sehr selbstständig und frei, weshalb wir entscheiden dürfen, was mir mit den Kindern machen, wenn sie ihre Hausaufgaben erledigt haben. Projekte gestalten und Spieleangebote gehören daher auch zu den Aufgaben. Wir gehen sehr gerne auf den Spielplatz, basteln mit den Kindern und erstellen sogar eigene Spiele.

Mir gefällt es, dass ich eine große Entscheidungsfreiheit habe und völlig frei Angebote gestalten darf. Bisher macht die Arbeit mit den Kindern Spaß und ich kann jeden Tag mit dem Gefühl nach Hause gehen, etwas Sinnvolles geleistet zu haben.

Sonstiges

Nach der Anreise in Bolivien hat man genau 30 Tage Zeit, um sich das Visum zu besorgen. Dafür braucht man viel Geduld, Zeit und Geld. Mein Gastvater Juan hilft in der Regel mit den Besorgungen für das Visum, was das alles ein wenig einfacher macht. Dennoch sind das stundenlange Schlange stehen bei den Behörden, das Hin- und Herfahren und die Enttäuschungen, wenn man bei der Migration gesagt bekommt, dass erneut wieder etwas fehlt, echt lästig. Daher bin ich sehr froh, dass ich mein Visum mittlerweile in der Tasche habe. Dennoch hat mich der ganze Spaß um die 600 Euro gekostet.

Das Thema Sicherheit ist für den Einen oder Anderen ein interessantes Thema. Ich persönlich fühle mich sehr sicher hier in Bolivien, auch wenn ich schon ausgeraubt worden bin. Zum einen wurde mir mein Geldbeutel geklaut, zum anderen wurde mir eine Halskette vom Hals gerissen. Dennoch finde ich, kann man sich immer noch gut selbst schützen. Ich trage mein Handy mit meiner deutschen Nummer nie bei mir, sondern ein kleines, zum Telefonieren ausreichendes, Handy. Außerdem ist es sinnvoll nicht gerade Dokumente oder viel Geld mit sich zuführen. Abends und nachts verlasse ich das Haus nicht alleine und ich steige nur in Radio-Taxis, also keine privaten Taxis.

Zum Thema medizinische Versorgung musste ich leider auch schon Erfahrungen machen. Kurz nach meiner Anreise musste ich schon für 7 Tage ins Krankenhaus. Dennoch war ich mit der Behandlung sehr zufrieden und mache mir bis heute keine weiteren Sorgen. Außerdem stehe ich bei Problemen immer mit deutschen Ärzten in Kontakt, die mir ebenfalls helfen. Deshalb mache ich mir in der Hinsicht auch keine großen Sorgen.

 

Wie man vielleicht merkt, habe ich mich schon gut in Bolivien eingelebt. Bisher bin ich sehr zufrieden und bereue noch keine Entscheidung. Ich freue mich auf die weiteren Monate und bin gespannt, was die Zukunft für mich bereithält.

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