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Erster Zwischenbericht: Laos Burikhamxai – Lao People Revolutionary Youth Union von Franziska Strunk

 

 

Vorwort

Ich kann mich noch gut an meine Gefhle erinnern, als ich mich auf den Weg nach Laos gemacht habe. Es war Aufregung, auch etwas Unsicherheit, aber grsstenteils einfach nur pure Vorfreude. Und jetzt, etwas mehr als drei Monate spter, fhle ich mich hier schon so wohl, wie ich es mir wirklich nur erhoffen konnte. Vieles, was ich vorher ber Laos erfahren hatte, hat sich auch bewahrheitet. Einiges hat mich aber auch berrrascht. Ich glaube, es ist schwierig alle meine Eindrcke, wenn auch erstmal nur die der ersten drei Monate, in einem Bericht festzuhalten, aber ich werde mein Bestes geben.

Ende August kam ich zusammen mit den anderen Freiwilligen in Laos Hauptstadt Vientiane an, bereits etwas geschwitzt und mit schwerem Gepck. Als wir das Flughafengebude verließen, schlug mir gleich die hohe Luftfeuchtigkeit und die Hitze ins Gesicht. Ich war zwar halbwegs darauf vorbereitet. Ende September ist Regenzeit, also nicht mal die heißeste Jahreszeit. Die LYU holte uns mit einem Minibus ab, in den wir gerade so alle reinpassten und dann wurden wir auch schon nacheinander zu den Einsatzstellen gefahren. Als Pia und ich in Pakxan, unserem neuen Zuhause ankamen, wurden wir dort von der LYU herzlich empfangen und gleich zum Essen eingeladen, ganz traditionell laotisch mit viel Chilli und Beer Lao, sozusagen das Nationalgetrnk hier. Dort haben wir auch unsere beiden Mentoren kennengelernt sowie unseren Chef und weitere Mitarbeiter*innen der LYU.
Gleich am zweiten Tag, den wir in der LYU verbrachten, um alles gezeigt zu bekommen, gab es wieder traditionell laotisches Essen. Diesmal zum Mittagessen und inklusive Schnecken und gebratenen Heuschrecken. Was das laotische Essen angeht, sind wir also von Anfang an voll in die Kultur eingetaucht. Die nchsten Tage haben wir uns erstmal etwas eingelebt in Pakxan. Außerdem haben wir mit der Wohnungssuche begonnen, denn da wir die ersten Freiwilligen hier sind, hatten wir keine Vorgngerwohnung, die wir htten bernehmen knnen und haben vorerst in einem Guesthouse gewohnt. Angefangen zu unterrichten haben wir dann ca. zwei Wochen nach Ankunft.

Die Einsatzstelle und das Arbeitsumfeld

Pia und ich unterrichten bei der LYU, der Lao Youth Union in Pakxan. Die LYU ist nicht Teil einer ganzen Schule, sondern bietet nachmittags ab ca. 16 Uhr Sportaktivitten wie z.B. Taekwondo an oder stellt Schler*innen den Volleyball- oder Bouleplatz zur Verfgung. Es findet Vietnamesisch- und jetzt hauptschlich auch Englischunterricht statt. Unsere Unterrichtsreinheit geht von 16:30 bis 19:30Uhr.  Wir unterrichten jeweils zwei Klassen, jeweils eineinhalb Stunden lang, dh. vier Klassen insgesamt. Unsere Klassen sind in zwei Level unterteilt, ihren Englischkenntnissen entsprechend. Meine Klassen sind vergleichsweise relativ klein, zwischen 10 und 15 Schler*innen, deren Alter zwischen 12 und 33Jahren liegt. Ich unterrichte die Klassen auf Level 2, dh. meine Schler*innen knnen schon relativ gut Englisch sprechen, so dass ich mich teilweise sehr gut mit ihnen unterhalten kann. Ich versuche den Unterricht ziemlich locker und entspannt zu halten. Meistens haben wir viel zu lachen, also glaube ich, dass mir das ganz gut gelingt. Schwierig, besonders am Anfang, war es meine Schler*innen zum Reden zu bekommen, denn viele sind sehr schchtern. Dabei ist die englische Ausprache hufig genau der Grund, weshalb sie zu Auslnder*innen, den „falangs“ kommen. Was das Unterrichten wirklich einfacher macht, ist, dass ich merke, dass meine Schler*innen wirklich Englisch lernen wollen und sehr motiviert sind. Da macht es mir gleich viel mehr Spass vor der Klasse zu stehen und Englisch zu reden. Überhaupt htte ich am Anfang nicht erwartet, dass mir das Unterrichten so viel Spass macht. Mittlerweile freue ich mich fast jeden Tag darauf.
Man merkt auf jeden Fall, dass wir die ersten Freiwilligen in Pakxan sind. Besonderes am Anfang, als stndig noch neue Schler*innen kamen, verlief manches noch etwas chaotisch. Aber auch das hat sich gelegt. Uns steht zur Unterrichtsvorbereitung und –bearbeitung ein Lehrbuch zur Verfügung, jedoch müssen wir es nicht benutzen, so dass wir viele Freiheiten haben unsere eigenen Methoden und Techniken anzuwenden, um zu lehren. So haben wir unsere Klassen schon gemischt, den Unterricht samt Tafel nach draußen, Spiele auf Englisch gespielt oder englische Songs gesungen. Auch haben wir die Mglichkeit am Wochenende Aktivitten mit unseren Schler*innen zu organisieren. So haben diese schon den Wunsch nach einem Fussballspiel geussert, wo Pias und meine Klasse gegeneinander antreten wollen. Und wir haben von unseren Mentoren schon das OK bekommen, einen unserer Klassenräume zusammen mit unseren Schler*innen zu streichen. Wenn es um meine Arbeitsstelle geht, kann ich natrlich die LYU Mitarbeiter*innen nicht außenvorlassen. Wie ich am Anfang schon erwhnt habe, wurden wir hier wirklich herzlich empfangen und diese Herzlichkeit ist bisher unverndert geblieben. Auch wenn unsere Lao Kentnisse eher schlecht als recht sind, werden wir fast immer bei Aktivitten mit einbezogen, sei es bei der Hauseinweihung eines Mitarbeiters,bei einem Fussballspiel der LYU oder beim gemeinsamen Karaokeabend. Auch haben wir einen sehr lieben Mentor, der auch Englischlehrer ist, mit dem wir sehr viel Spaß haben und der uns untersttzt. Allerdings sind manchmal die Absprachen etwas schwierig, da wir vieles einfach nicht rechtzeitig gesagt bekommen und demnach machmal in Situationen geworfen werden, auf die wir nicht vorbereitet waren. Das sind jedoch Kleinigkeiten, an die wir uns einfach gewhnen mssen. Meine Erfahrung mit der LYU hier ist bisher positiv, wodurch ich sehr zufrieden bin.

Das Leben und der Alltag

Dadurch, dass wir in einer Kleinstadt wohnen, hatte ich bisher das Gefhl, dass wir relativ gut in die laotische Kultur eintauchen konnten. Wir tragen zum Unterrichten immer unsere Sinhs, den traditionell laotischen Rock, und auch auf unserem Moped sind wir mittlerweile sehr gut unterwegs. Aber zur Kultur gehrt jedoch mehr als passende Kleidung und Fortbewegungsmittel. Eine Hrde stellt teilweise immer  noch das laotische Essen dar, welches generell sehr scharf ist.
Da ich persnlich den Buddhismus sehr interessant finde, freue ich mich immer, wenn wir die Mglichkeit haben, einer Zeremonie im Tempel beiwohnen zu knnen. Unseren Mentor lchern wir fters mit Fragen dazu. Er ist dann oft, wiederrum sehr zu unserem Erstaunen, berrascht, dass wir so viel darber wissen wollen. Auch waren wir schon auf laotischen Hochzeiten eingeladen, ein riesiges Fest, das sehr viel Spaß gemacht hat. Generell ist die Gasfreundlichkeit hier unglaublich groß und die Laot*innen sehr offen und neugierig, sodass wir oft von unseren Schüler*innen, der LYU oder unseren Nachbarn eingeladen werden.

Wir leben in Pakxan, einer Kleinstadt, die an der Mndung des Namxan in den Mekong, den grßten Fluss Sdostsasiens, liegt. Pakxan ist zwar die Hauptstadt der Provinz Bolikhamxai, ist aber touristisch wenig erschlossen, obwohl es in Bolikhamxai zwei große Ökotourismus- Naturparks gibt. Da es eigentlich fast keine Touristen hier gibt, hchstens mal Leute, die sich auf der Durchreise befinden, sind wir wohl so etwas wie eine Seltenheit und werden auf den Straßen immer noch hufig angestarrt. Anfangs war das schon sehr irritierend. Mittlerweile haben wir uns daran gewhnt.
Da wir, wie schon erwhnt, die ersten Freiwilligen hier sind und anfangs noch keine Wohnung hatten, mussten wir uns erst auf Wohnungssuche begeben. Zusammen mit unseren Mentoren haben wir dann ein richtig ssses kleines Haus gefunden. Anfangs war es noch etwas karg, da wir alle Wohngegenstnde erst noch einkaufen mussten. Mittlerweile haben wir uns super eingelebt und unser Haus gemtlich gestaltet. Außerdem haben wir super nette Nachbarn, die uns fter zum Bier einladen und die fr die Hochzeit ihrer Tochter auch schon in unserem Garten gekocht haben.

Sonstiges

Generell hat sich bei mir mittlerweile der Alltag eingestellt. Auf dem Markt einkaufen gehen, mit dem Moped zur Arbeit fahren, abends mit Freunden Bier trinken gehen. Manches wird geplant, andere Sachen finden ganz spontan statt. Mal hat man stressige Tage, mal ganz entspannte -genau wie in Deutschland. Ich habe mich hier schneller eingelebt, als ich es fr mglich gehalten htte und darber bin ich sehr froh. Meine Gefhle fr die nchsten Monate hier in Laos sind nur noch teilweise wie die anfänglichen Gefhle. Die Aufregung hat sich gelegt, die Unsicherheit ist verschwunden, aber die Vorfreude auf die nchsten Monate ist geblieben.