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Erster Zwischenbericht: Ghana – Sacred Heart Senior High School von Leonard Uhlirz

 

Vorwort

Ghana, Westafrika. Mein Zuhause für das nächste Jahr. Ich warte am Kofferband auf mein Gepäck, voller Vorfreude, aber auch voller Fragen, was mich hier wohl erwarten wird.

Jetzt sind schon über drei Monate vergangen und es ist so viel passiert in dieser Zeit.

Die ersten Tage habe ich in Accra verbracht. Netterweise durfte ich hier bei Anett, einer Mitfreiwilligen, in ihrer Wohnung übernachten. So habe ich schon in den ersten Tagen ein bisschen etwas von der Hauptstadt Accras kennengelernt.

Ich möchte aber lieber von Ho berichten, der Stadt, in der ich nun lebe, arbeite und viele Menschen kennengelernt habe. Direkt zu meiner Ankunft aus Accra habe ich meinen Mentor Father William kenngelernt. Er ist der Priester der Sacred-Heart-Cathedral und gleichzeitig auch Manager der dazugehörigen Schulen in Ho. Er hat mich sehr herzlich in Ho und der Gemeinde willkommen geheißen und ich fühlte mich sofort sehr wohl. Er ist ein herzlicher Mensch, der mir im Laufe der Zeit viel über die Traditionen und Bräuche hier in Ho beigebracht hat.

Die ersten Wochen habe ich im Büro der Kirchengemeinde gearbeitet, hauptsachlich Arbeit mit Dokumenten am Computer, und bin ab und zu mit Father William mit dem Auto unterwegs gewesen. Wir haben ein Kloster besucht, waren zu einem Priesterjubiläum eines Freundes eingeladen (33 Jahre als Priester) und er hat mir auch seine Familie vorgestellt, die in der Nähe von Ho in einem kleinen Dorf wohnt.

Die Einsatzstelle und das Arbeitsumfeld

Mit dem Start ins neue Jahr habe ich auch eine neue Aufgabe bekommen.  Da im Büro der Kirchengemeinde nicht wirklich etwas zu tun war, assistiere ich jetzt an der Junior-Highschool „Philip Akpo“, die auch zur Sacred-Heart Gemeinde gehört. Ich assistiere den beiden ICT-Lehrern bei den Stunden und beim Korrigieren der Exercises (kleine Aufgaben, die die Schüler*innen am Ende der Stunde machen). ICT (Internet, Computer& Technology) ist ein Fach, in dem die Schüler*innen viel über die Bedienung des Computers, das Internet und der Office-Programme lernen.

Es macht mir viel Spaß hier mitzumachen. Oft bereite ich kleine Spiele als Wiederholung vor und helfe den Schüler*innen direkt am Computer, wenn es Probleme oder Fragen bei den Praxisübungen gibt. Die Schule ist mit ca. 30 Computern sehr gut ausgestattet, so kann fast jede*r Schüler*in einen eigenen Computer für die Übungen benutzen.

Da in ein paar Wochen für die Senior-Highschool (auch Teil der Sacred-Heart-Gemeinde) ein Fußballturnier, gegen andere Schulen aus Ho, ansteht, wurde ich vom Sportlehrer der Schule gefragt, ob ich beim Fußball als Co-Trainerin mithelfen möchte. Ich selbst spiele sehr gerne Fußball, daher habe ich zugesagt und so trainieren wir jetzt mit den Schüler*innen zwei bis dreimal die Woche in einem nahegelegenen Park. Mir macht das sehr viel Spaß, da die Grundregeln und Taktiken doch überall auf der Welt ähnlich sind und es den Schüler*innen offensichtlich auch sehr gut gefällt. Natürlich freue ich mich schon sehr auf das bevorstehende Turnier.

Die Hauptsprache hier in Ho ist, wie die Amtsprache Ghanas, Englisch, denn das sprechen und verstehen die meisten. Auch Französisch wird wegen der Nähe zu Togo von vielen gesprochen. Die lokale Sprache, die hauptsächlich hier in der Voltaregion (im Südosten Ghanas) gesprochen wird, heißt „Ewe“ und wird auch von den meisten gesprochen. Zuhause wird bei den Familien Ewe gesprochen und in der Schule bzw. im Kindergarten wird dann Englisch gelernt. Deshalb sprechen viele jüngere Kinder fast noch kein Englisch.  Meine Kolleg*innen in der Schule haben mir nach ein paar Tagen auch gleich einen Ewe-Namen gegeben, mit dem mich auch die Schüler*innen ansprechen: ,,Edem‘‘, dh. ,,Gott ist mit dir‘‘. Fast alle Ewe-Namen sind religiös oder haben eine sinnliche Bedeutung. Mir gefällt das, da der Name hier für viele direkt ein Lebensmotto darstellt, das man für sich versucht einzuhalten.

Das Leben und der Alltag

Mittlerweile wohnen wir zu dritt (weltwärts-Freiwillige) in einer WG in Fiave, einem Stadtteil, der nicht ganz zentral in Ho liegt, sondern etwas außerhalb. Mir gefällt es sehr gut dort. In den Shops an den Straßen kann man fast alle wichtigen Dinge wie Brot, Eier, Waschmittel, und Getränke bekommen. Um zur Arbeit zu kommen, nehme ich immer ein Sharing-Taxi. Diese sind in Ho ein gewöhnliches Fortbewegungsmittel. Das funktioniert anders als in Deutschland, nämlich ungefähr so: Man winkt am Straßenrand ein Taxi heran und ruft dem Fahrer das Ziel zu. Wenn das Taxi in diese Richtung fährt, kann man einsteigen. Da es ein Sharing-Taxi ist, steigen immer mal wieder andere Leute dazu oder aus. Oft unterhalte ich mich mit dem Fahrer über Fußballergebnisse oder Neuigkeiten aus Ho, so erfährt man leicht, wenn beispielsweise ein Stadtfest ansteht.

Wenn in Ho Markttag ist (alle fünf Tage ohne Ausnahme), dann ist auf der Hauptstraße oft Stau. Ich mag den Markt sehr und genieße es, die vielen Waren anzuschauen und mir das passende fürs Abendessen zu suchen. Oft ist es sehr eng und hektisch, aber ich habe trotzdem Zeit, mich kurz mit den Verkäufer*innen zu unterhalten. Besonders den Fisch direkt aus dem Voltasee mag ich sehr gerne. Man kann ihn roh, geräuchert oder direkt vom Grill kaufen.

Sonstiges

Das sind meine ersten Eindrücke, die ich nach den ersten drei Monaten hier in Ho habe und ich bin schon gespannt und freue mich auf die kommenden.

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