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Erster Zwischenbericht: Kamerun – Centre for Community Regeneration and Development von Elisa Tarnick

 

 

Vorwort

Drei Monate ist es jetzt her seit ich in Deutschland die Koffer gepackt und meine Familie und Freunde verabschiedet habe. Genauer gesagt, lebe ich nun schon seit dem 17. August im schönen Kamerun und zwar in Buea. Eine lebhafte Studentenstadt in der Südwest- Region, die auf ca. 1000m Meeresspiegelhöhe am Fuße des Mount Cameroon liegt.

Seit dieser Zeit bin ich auch CCREAD-Mitglied. CCREAD ist das Center for Community Regeneration and Development und mein Arbeitsplatz für ein Jahr. Das Aufgabengebiet ist weit gefächert, zielt aber vor allem auf das „Empowerment“ von Frauen, Kindern und Jugendlichen ab. So sollen Zukunftsperspektiven, besonders in den Kommunen der ländlichen Gebiete, die ohnehin strukturell benachteiligt sind, aufgezeigt und geschaffen werden. CCREAD leistet dabei Hilfe zur Selbsthilfe, klärt dabei aber auch über regionale und globale Zusammenhänge auf. Im Vorfeld war ich durch diese Fülle beeindruckt, ehrlich gesagt aber auch etwas abgeschreckt, da laut Stellenbeschreibung ein hohes Maß an eigenverantwortlichen Arbeiten vorausgesetzt wurde.

In der Realität, trat mir ein sehr offener und menschlicher Direktor entgegen, der mir vom ersten Tag an den Druck von den Schultern nahm. Ziel sei es ein eigenes Projekt während des Jahres auf die Beine zu stellen, jedoch wird den überwiegenden Teil der Zeit im Team gearbeitet. Und dieses ist mit ungefähr 15 lokalen Mitarbeiter*innen vertreten,  von denen acht jeden Tag im Büro sind und uns durch den Alltag begleiten.

Die Einsatzstelle und das Arbeitsumfeld

Unsere aktuelle Hauptaufgabe besteht darin Möglichkeiten zu entwickeln, das Thema „Nachhaltige Entwicklung“ für unsere Zielgruppen so interessant und zugänglich wie möglich zu gestalten. In Zusammenarbeit mit der UNESCO wurde deshalb das „Education for Sustainable Development“- Progamm ins Leben gerufen.

Praktisch bedeutet das, dass wir Powerpoint- und Flipchartpräsentationen zu Themen erarbeitet haben, die helfen sollen die UN- Sustainable Development Goals zu erreichen. Darunter fallen „Sexuality and Family Planning“, „Entrepreneurship“, „Environmental Education“, „Peacebuilding“ und „Good Governance and Human Rights“. Ausgelegt sind sie in erster Linie darauf den Stundenplan für Schulen zu ergänzen. Später sollen jedoch auch die Kommunen damit besucht werden. Das Erarbeiten und Diskutieren im Team hat mir viel Spaß bereitet. Besonders interessant ist es dabei zu erfahren, was für Schwerpunkte hier für Schüler gelegt werden. Leider waren wir bis jetzt nur zweimal an Schulen, um die Präzis in interaktiver Weise zu halten. Dafür gibt es mehrere Gründe. Zum einen mussten wir mehrere Wochen auf die Erlaubnis der Delegation warten, zum anderen läuft ein Großteil der Arbeit relativ unorganisiert ab. Das bedeutet, dass wir zum Beispiel, um unsere Organisation vorzustellen, in vielen Schulen waren, jedoch bei dieser Gelegenheit uns nicht gleich den Stundenplan haben geben lassen, um einen Termin für die Präzis zu finden. Da CCREAD in Besitz von nur einem Auto ist und ein Fahrer häufig nicht zur Stelle, verbrachten wir viel Zeit damit zu warten. Auch Versuche auf eigene Faust zu den gut, innerhalb der Stadt zu erreichenden, Schulen zu gehen, scheiterten daran, dass die Unterschrift des Direktors auf den Schreiben fehlte.

Viele Ansätze die wir verfolgen sind trotzdem sehr gut.

Zum Beispiel haben wir eine Essay-Competition für Schüler*innen ins Leben gerufen, in der Education for Sustainable Development in Zusammenhang mit der Vision 2035 (Kameruns selbstauferlegte Entwicklungsziele bis zum Jahr 2035) gebracht werden sollte. Ich war und bin immer noch beeindruckt von manchen Arbeiten, da manche so klar benennen konnten, welche scheinbar kleinen Schritte getan werden müssen, um ein ganzes Land profitieren zu lassen. Um unsere praktischen Fähigkeiten zu trainieren haben wir eine Schweinefarm selbst aufgebaut, worauf ich sehr stolz bin. Zwar hatten wir einen professionellen Bauarbeiter als Unterstützung, aber alle von uns haben kräftig mit angepackt und inzwischen ist das Zuhause der Vierbeiner auch fertig gestellt. Sinn von dem Ganzen ist nicht allein unsere Fitness auf Vordermann zu bringen, sondern das Weitergeben von den ersten kleinen Ferkeln an potentielle Neufarmer*innen. Diese sollen somit finanziell entlastet werden, da ein Schwein hier ein kleines Vermögen kostet. Im Gegenzug ist es gewünscht, dass auch wir wieder zwei Schweine zurück erhalten, wenn der erste Wurf ansteht. So besteht für beide Seiten eine Win-Win-Situation.

Das sind definitiv die schönen Seiten meines Arbeitsalltags.

Häufig gibt es jedoch keine klare Aufgabe und wir sind uns selbst überlassen. Ohne Internetzugang fällt es dann schon manchmal schwer, ein neues Projekt zu entwickeln und seine Zeit somit sinnvoll zu investieren. Ich persönlich habe mein Interesse auf zwei Schwerpunkte gelegt. Zum einen liegt mir das Thema Plastikentsorgung und -recyling am Herzen. Umweltverschmutzung ist leider ein Problem, was einem jeden Tag ziemlich offensichtlich ins Auge fällt. Deshalb nutze ich freie Zeit dafür Methoden zu recherchieren, wie man auf einfache Weise dem Herr werden kann. Ins Auge fasse ich dabei für die nahe Zukunft auch Aufräumaktionen, bei der jeder, der Lust hat, mitmachen kann. Besonders aber möchte ich jungen Leuten zeigen, dass es wichtig ist, seinen Müll nicht in Flüsse oder Wälder zu werfen.

Ein anderes Projekt, was mich aufgrund der medizinischen Komponente anspricht, ist das Birthkit-Projekt, was CCREAD vor drei Jahren schon einmal durchgeführt hat. Damals wurden Geburtshilfe-Sets an Kommunen außerhalb der Städte verteilt.

Hier lebt der Großteil der Menschen ohne die Möglichkeit einer professionellen medizinischen Versorgung, da häufig nicht die finanziellen Mittel vorhanden sind. Was erschwerend hinzukommt, sind schlechte Straßenverhältnisse, was sogar Taxis davon abhält Kranke und Schwangere ins Krankenhaus zu bringen. So sind die Frauen, wenn es zur Geburt kommt, fast immer sich selbst überlassen. Hebammen erhalten hier keine offizielle Ausbildung und das Misstrauen gegenüber ihnen ist, wie mir von meinen Kolleg*innen und dem Direktor erklärt wurde, oftmals groß.

Um diese Lücke zu füllen, möchte ich Workshops anbieten und zusammen mit interessierten Hebammen und Frauen die wichtigsten Vorgänge rund um den Geburtsvorgang erarbeiten. Natürlich sollen hierbei auch die Sets ausgeteilt werden.

Ein weiteres Projekt, was ich zusammen mit zwei Kolleginnen bereits in Gang gebracht habe, ist eine Umfrage zur sexuellen Belästigung an Secondary Schools. Rund 200 Fragebögen konnten wir schon in einer Datenbank auswerten und ich hoffe sehr, dass im Laufe der weiteren Monate noch einige hinzukommen, um ein repräsentatives Ergebnis zu erzielen. Sexuelle Belästigung ist leider ein Problem, welches auch im Schulalltag anzutreffen ist. Um Aufmerksamkeit für dieses sensible Thema zu wecken, wollen wir die Daten am Ende der Zeit veröffentlichen. Ob es möglich wird, den Schulalltag in irgendeiner Form für die Betroffenen zu verbessern, wird sich zeigen. Bis jetzt gibt es aber eine Art Hilfe-Hotline, durch die sich Schüler*innen bei mir melden können.

Das Leben und der Alltag

Um am Ende noch etwas zu meinem privaten Leben zu schreiben, kann ich sagen, dass es mir hier sehr gut geht. Von der Mehrzahl der Kameruner*innen wurde ich ganz herzlich empfangen und mittlerweile fühle ich mich wie zu Hause. Nicht zuletzt liegt das an meinen tollen Nachbarn. Evelin, eine von ihnen, ist Mutter von drei Kindern und gleichzeitig meine Kochlehrerin. Das ein oder andere typisch kamerunische Gericht kann ich mittlerweile dank ihr auch schon selbst zaubern. Die Kinder rund um mein Haus sind mir im Laufe der Zeit schon ziemlich ans Herz gewachsen. Für die meisten bin ich eine Art große Schwester. Die ganz Kleinen nennen mich liebevoll auch Mama. Regelmäßig machen wir Spieleabende oder verbringen einfach so die Zeit zusammen, in der wir basteln oder  malen. Last but not least, möchte ich noch erwähnen, dass ich mich damals entschieden habe, zusammen mit meinem Freund das Jahr zu verbringen und ich bin sehr glücklich, dass die lkj.) Sachsen- Anhalt uns diesen Wunsch erfüllt hat. Wir haben die Möglichkeit in einem schönen und etwas ruhigeren Viertel in Buea uns eine Wohnung zu teilen, die mit allem Notwendigen ausgestattet ist. Gerade wenn es auf der Arbeit mal nicht so gut lief, haben wir uns gut gegenseitig zum Um- und Neudenken motivieren können.

Für die kommenden neun Monate, wünsche ich mir, meine Projektvorstellungen realisieren zu können und mir dabei den frischen Tatenwind vom Beginn beizubehalten.

weltwärts//Kamerun - Centre for Community Regeneration and Development

weltwärts//Kamerun – Centre for Community Regeneration and Development