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Erster Zwischenbericht: Kamerun – Centre for Community Regeneration and Development von Tim Schmieder

 

Vorwort

Nun sind also schon drei Monate vergangen, seitdem mich der Flieger von Berlin – Tegel nach Kamerun oder genauer gesagt nach Douala brachte. Von dort ging die Reise weiter nach Buea, welches im Südwesten Kameruns liegt. Hier hat die NGO „CCREAD – Cameroon“ (Center for Community Regeneration and Development) ihren Hauptsitz und in dieser schönen, am Rande des Mt. Cameroon gelegenen Stadt, werde ich nun meine nächsten 12 Monate verbringen. Meinen Freiwilligendienst verbringe ich aber nicht allein, sondern ich habe das große Glück, meine Erfahrungen zusammen mit meiner Freundin zu machen. Da wir die ersten Freiwilligen sind, die von der .lkj) Sachsen – Anhalt mit dem weltwärts – Programm an CCREAD – Cameroon vermittelt wurden, hatten wir im Vorhinein noch keine großen Kenntnisse darüber, wie unsere Arbeit im Speziellen aussehen wird. Ich wusste nur, das was wir uns selbst über das Internet angelesen hatten, und zwar dass CCREAD – Cameroon sich als Aufgabe gesetzt hat, die Rechte und Möglichkeiten von Frauen, sowie Kindern und Jugendlichen zu stärken. Außerdem geht die Organisation in die ländlichen Regionen Kameruns, um dort die Communitys zu unterstützen, indem Workshops zu nachhaltiger Entwicklung durchgeführt werden. Mit diesen Vorkenntnissen war ich sehr gespannt, wie unsere Arbeit dann letztendlich aussehen wird.

Die ersten Tage sollten uns jedoch zunächst als Eingewöhnung an Land und Menschen dienen und dazu stand uns Belinda, die Frau des Direktors, mit Rat und Tat zur Verfügung. Sie zeigte uns die Umgebung, stellte uns Leuten vor, ging mit uns zum Markt und zeigte uns wie wir alltägliche Dinge, wie das Fahren mit einem Taxi oder einem „Moto“, meistern können.

Untergebracht sind wir in einer schönen Wohnung mit Wohnzimmer, Schlafzimmer, kleiner Küche und Bad. Es gibt fließendes Wasser (zu mindestens meistens, ansonsten wird sich mit der großen Wassertonne ausgeholfen), Strom und zum Kochen haben wir einen Gaskocher, mit dem wir unser Essen zubereiten können.

Die Einsatzstelle und das Arbeitsumfeld

Mit der Arbeit ging es dann so richtig erst in der folgenden Woche los. Im Büro lernte ich unsere Kolleg*innen kennen und nach einem kurzen Kennenlerngespräch, bestand die erste Aufgabe darin, eine riesige Bücherspende, die aus Großbritannien kam, zu katalogisieren und in die kleine organisationseigene Bibliothek einzusortieren. Die offizielle Vorstellung und Einführung sollte dann erst am nächsten Tag stattfinden, da dann auch Tomomi, eine weitere Freiwillige aus Japan, anwesend sein würde. Dort haben wir dann auch erfahren, was unsere Hauptaufgabe für die nächsten Monate sein wird. CCREAD hat nämlich ein „Education for Sustainable Development“ – Programm (ESD), mit dem sie an Secondary Schools gehen, um Schüler*innen zu Themen der nachhaltigen Entwicklung zu unterrichten. Für dieses Programm sollten wir zu den Themen „Sexuality and Family Planning“, „Entrepreneurship“, „Environmental Education“, „Human Rights and Good Governance“ und „Peace Building and Conflict Management“ Vorträge erarbeiten mit denen wir später an die Schulen gehen können.

Da wir zusammen mit unseren kamerunischen Mitfreiwilligen jeweils zu zweit an den Themen gearbeitet haben, waren die PowerPoint – Präsentationen auch recht schnell fertig. Das einzige Problem was wir nun noch hatten, war, dass es noch keine Genehmigung vom zuständigen Delegierten für die Secondary Schools für dieses Programm gab. Ohne diese Genehmigung waren uns die Hände gebunden und wir konnten nicht beginnen an die Schulen zu gehen. Dieser Zustand zog sich dann leider über mehrere Wochen hinweg, da sich auch in Kamerun die Uhren der Bürokratie sehr langsam drehen.

Die Zeit des Wartens haben wir damit überbrückt, die Vorträge auch auf Flipchart-Papieren vorzubereiten, eine ausführliche schriftliche Erläuterung jedes Themas zu verfassen und uns Gedanken zu möglichen eigenen Projekten zu machen. Aber auch diese Aufgaben waren irgendwann erledigt und so machte sich zunehmend Unmut in uns breit, da wir schließlich alle hierhergekommen sind, um etwas zu bewegen und nun teilweise ohne Aufgaben im Büro saßen.

Demotivierend in dieser Zeit war außerdem, dass wir auch, wenn wir oft nachhakten, was denn nun mit der Genehmigung sei oder ob wir nicht dieses oder jenes jetzt schon starten können, immer wieder keine klaren Antworten bekamen und immer wieder auf einen anderen Tag vertröstet wurden.

Ich habe diese Zeit genutzt, um einige Dinge, die mir etwas ungeordnet und uneffektiv erschienen, anzupacken und neue Lösungen dafür zu entwerfen. Dazu gehörte zum Beispiel eine Excel – Datenbank über alle Schulen in Buea, die Teil des ESD – Programms werden sollen. In dieser kann man die Kontaktdaten der Schulleiter sowie die möglichen Tage und Zeiten für unsere Schulbesuche eintragen. Vorher wurden diese Informationen auf losen Zetteln zusammengetragen, so dass vor jedem Besuch der Schulen das große Suchen losging. In diesem Zusammenhang ist auch die Idee in mir gewachsen, für die nächsten Wochen einen Excel Unterricht zu kreieren, um zunächst meine Kolleg*innen in diesem Programm zu unterrichten und dann das Ganze eventuell auch auf einen öffentlichen Kurs auszuweiten, denn viele meiner kamerunischen Kolleg*innen haben bereits den Wunsch geäußert, mehr Erfahrungen mit Excel sammeln zu wollen.

Zum Ende der ersten drei Monate haben wir somit leider auch nur geschafft, mit unserem Programm an insgesamt zwei Schulen zu gehen. Jedoch hatte ich in der letzten Zeit das Gefühl, dass die Dinge nun schneller vorwärts gingen und sehe somit positiv den nächsten Monaten entgegen.

In der Zeit, in der wir nicht in den Schulen waren, saßen wir aber auch nicht nur untätig herum, sondern haben auch einige andere Projekte umgesetzt. So haben wir als Ergänzung zu unserem ESD – Programm eine Essay Competition gestartet, bei dem die Schüler*innen mit der Frage beschäftigen sollen, inwiefern Education for Sustainable Development eine Rolle beim Erreichen der Vision 2035 spielt, die sich die kamerunische Regierung selbst auferlegt hat. Diese Essay Competition wurde von den Schüler*innen sehr gut angenommen, so dass uns viele Zuschriften erreichten. Die besten Essays haben wir bereits ausgewählt, so dass Anfang Dezember die Preisverleihung erfolgen soll.

Ein anderes Projekt, was wir in unseren ersten drei Monaten bei CCREAD – Cameroon umsetzen konnten, ist das Errichten einer kleinen Ferkelfarm. Der Hintergrund ist, dass wenn die Schweine das erste Mal neue Ferkel werfen, diese an andere Farmer weitergegeben werden und diese die Ferkel wiederum aufziehen, bis erneut Ferkel zur Welt kommen. Von diesen Ferkeln sollen jeweils 2 wieder an CCREAD zurückgegeben werden, damit diese Ferkel wiederum an neue potentielle Farmer gegeben werden können. Das Ganze soll dann nach Art des Schneeball – Prinzips funktionieren und somit so vielen Leuten wie möglich helfen,  soweit die Theorie. Ob das Ganze dann wirklich so gut funktioniert, bleibt abzuwarten, denn ein ausgewachsenes Schwein kostet ca. 100.000 CFA (ca. 150 €) und ist somit ziemlich wertvoll. Nach allem was wir bis jetzt mitbekommen haben, ist Korruption in Kamerun sehr tief verwurzelt und tritt sogar im Kleinen sehr oft auf. Die Gefahr ist also sehr groß, dass Ferkel bzw. Schweine einfach verkauft werden, ohne dass an die Organisation der abgemachte Anteil zurückgegeben wird.

Das Leben und der Alltag

Von der Korruption einmal abgesehen, ist Kamerun, von dem was wir kennenlernen durften, ein sehr gastfreundliches und friedliches Land. Die Menschen sind immer sehr freundlich und hilfsbereit. Was man aber wissen muss, ist, dass Religion eine sehr große Rolle im Leben der Menschen spielt. Es wird mehrmals in der Woche in die Kirche gegangen und der Glaube ist auch im Alltag omnipräsent. Auch wir haben schon unsere Erfahrungen in der kamerunischen Kirche gemacht, da wir einmal mit der Familie des Direktors und auch mit unseren Nachbarn den Gottesdienst besuchten. Diese gehen meistens mehrere Stunden und unterscheiden sich stark von den uns bekannten Gottesdiensten aus Deutschland. Es wird viel gesungen, getanzt und laut zusammen gebetet. Was uns aber letztendlich dazu gebracht hat nicht weiter in die Kirche zu gehen, waren die Predigen, welche teilweise sehr laut und unterstützt von großen Lautsprecherboxen geschrien wurden. Man konnte somit nicht mehr wirklich etwas verstehen und ich persönlich habe mich dabei auch nicht mehr wohlgefühlt.

Auch daran, dass man als „weiße“ Person in Buea immer auffällt und einem sehr oft auf der Straße als „white man“ hinterher gerufen wird, musste ich mich erst einmal gewöhnen. Das ist aber nie böse gemeint, sondern eher als Begrüßung gedacht und wenn man freundlich zurück grüßt, freuen sich alle.

Sonstiges

Im Großen und Ganzen kann ich sagen, dass ich mich nach den drei Monaten mittlerweile sehr gut eingelebt habe und auch nur eine sehr kurze Phase hatte, in der ich Deutschland ein wenig vermisst habe. Nun breitet sich eher das Gefühl in mir aus, dass die Zeit zu schnell verfliegt und ich gar nicht schaffe alles zu machen, was ich mir vorgenommen habe. Aber immerhin verbleiben ja noch neun Monate und so versuche ich die Zeit weiterhin effektiv zu nutzen und bin gespannt auf die nächsten Monate!

weltwärts//Kamerun - Centre for Community Regeneration and Development

weltwärts//Kamerun – Centre for Community Regeneration and Development