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1.Zwischenbericht: Laos Nonesavang – Lao People Revolutionary Youth Union von Eva Koenings

 

Vorwort

Es fühlt sich nicht so an, als wäre ich schon drei Monate in Laos und es schon Zeit ist, den ersten Zwischenbericht zu schreiben, den ich mit meiner Ankunft beginne. Ich flog, gemeinsam mit allen anderen Laos-Freiwilligen, am 23. August los und kam am Tag darauf in Vientiane an. Glücklicherweise gab es keine größeren Probleme mit Gepäck oder Visum. Nach einigem Warten am Flughafen wurden wir alle von der LYU (Lao Youth Union), unserer Partnerorganisation, vor Ort abgeholt und in unsere jeweiligen Einsatzstellen gefahren. Normalerweise dauert eine Autofahrt von Vientiane zu meiner Einsatzstelle in Nonsavang keine zwei Stunden, aber da die Leute von der LYU zuerst in den Süden fuhren, musste ich mitfahren, was mir die Chance gab den ersten Eindruck vom Land zu bekommen. Nach einer Nacht in einer anderen Einsatzstelle und einer langen Autofahrt zurück in den Norden, kam ich dann endlich in meiner Einsatzstelle in Nonsavang an. Dort wurde ich sofort herzlichst von der Schulleiterin und meiner Mentorin begrüßt. Mit ihnen unterhielt ich mich über meine Aufgaben als Lehrerin in dieser Einsatzstelle und wurde zu meinem Zimmer gebracht.

Die Einsatzstelle und das Arbeitsumfeld

Eine Woche nach Ankunft begann ich meine Arbeit. Mein Job ist einheimischen Jugendlichen Englisch beizubringen. Mein Unterricht findet nachmittags statt, da alle Schüler*innen normal tagsüber in die Schule gehen um dann nachmittags bei mir Englisch lernen. Die Klassen, die ich unterrichte, sind sehr groß, weswegen es mir in den ersten Tagen etwas schwer fiel sie unter Kontrolle zu behalten. Aber mit jedem weiteren Tag lernte ich mehr und mehr, was es heißt eine gute Lehrerin zu sein. Was mir bei meiner Arbeit hilft ist die Tatsache, dass meine Schüler*innen lernen wollen und dankbar sind, dass ich sie unterrichte. Das motiviert mich dazu mein Bestes zu geben, da ich ihnen, so viel wie möglich, helfen möchte. Eine weitere Hilfe, die ich bekam war, dass ich eine Stunde bei einem Lehrer beobachten durfte und sah die laotische Art zu unterrichten und konnte mich deshalb mehr darauf einstellen, was meine Schüler*innen von mir erwarten und brauchen. Ich musste am Anfang auch mit ein paar persönlichen Schwierigkeiten kämpfen, wie zum Beispiel die Tatsache, dass ich generell sehr leise und schnell spreche und meine Schüler*innen sich deshalb öfter bei mir beschwert haben, dass sie mich nicht verstehen. Daher fing ich an zu versuchen, lauter und langsamer zu sprechen, was jetzt ganz gut funktioniert. Obwohl es nicht immer einfach ist und es schwieriger ist, eine gute Lehrerin zu sein als erwartet, freue ich mich immer wieder, wenn sich meine Schüler*innen bei mir bedanken oder wir nach viel harter Arbeit ein Spiel zusammen spielen.

Das Leben und der Alltag

Es gibt einige Menschen die mich in meiner Umgebung prägen. In erster Linie ist es meine Mentorin. Sie hat mir die ersten drei Monate sehr geholfen und ist

immer ansprechbar, wenn ich etwas brauche oder einfach nur eine Frage habe. Meine Einsatzstelle befindet sich in einem sehr kleinen Dorf in einer Provinz in Laos. Weswegen ich die einzige „Falang“, was wortwörtlich „Langnase“ übersetzt bedeutet, aber eher ein gebräuchlicher Begriff für ‚Weiße‘ ist, hier bin. Aber außer der Tatsache, dass jede*r im Dorf weiß, wer ich bin, macht das für mich nicht wirklich einen Unterschied, da ,,weiße‘‘ Menschen in Laos generell respektiert werden. Meine Schüler*innen prägen mich auch sehr, da ich mich mit ihnen sehr oft unterhalte, wenn ich sie nicht unterrichte und ich einen Einblick in eine ganz andere Art aufzuwachsen bekomme.

 Wie bereits gesagt, wohne ich in einem sehr kleinen Dorf in einer Provinz in Laos. Daher gibt es nicht viele Aktivitäten, die man außerhalb der Arbeit machen kann. Das Leben in diesem Dorf ist sehr traditionell. Deshalb gab es für mich einige Herausforderungen vor Ort. In allen Einsatzstellen in Laos befinden sich immer zwei Freiwillige und normalerweise ist das in meiner Einsatzstelle auch der Fall. Da dieses Jahr aber sich nicht genügend Freiwillige beworben haben, lief es darauf hinaus, dass ich alleine in meine Einsatzstelle kam. Dies verursachte ein paar Schwierigkeiten, da, obwohl ich das traditionelle laotische Leben kennenlerne, ich mich manchmal einsam fühle. Dazu kam noch, dass in der Hauptstadt Vientiane, eine Einsatzstelle frei wurde und ich oft mit dem Gedanken spielte zu wechseln. Den Gedanken verwarf ich allerdings sehr schnell wieder. Traditionen und Kultur spielen noch eine sehr große Rolle in Laos. Man sieht auch eindeutige Unterschiede zwischen den Provinzen und den Städten. Während man in den Städten noch sehr viele post-koloniale Strukturen erkennt, ist dies in den Provinzen nicht der Fall. In der Hauptstadt Vientiane sieht man noch viele Zeichen des französischen Kolonialismus, wie französische Straßennamen und Schilder, Essen (wie Baguette und Cafés) und einige Wahrzeichen, wie der Patuxai, der stark dem Arc de Triomphe in Paris ähnelt. Man sieht auch viel mehr „Falangs“ auf den Straßen. In den Provinzen findet man eher noch die Traditionen, wie zum Beispiel Kleidung. Die traditionelle Kleidung der laotischen Frauen besteht aus einem „sin“ (laotischer Rock), den man viel mehr in den Provinzen sieht als in den Städten. Man findet auch sehr viele ‚westliche‘ Produkte in den Städten, während man in den Provinzen eher auf lokale Produkte angewiesen ist. Ein entscheidender Unterschied zwischen den Städten und den Provinzen ist auch die Sprache. In Laos spricht man Lao. Wegen dem hohen Tourismus in den Städten, gibt es dort immer mehr Menschen, die auch Englisch sprechen, während man sehr selten englisch-sprechende Menschen in den Provinzen findet.

Sonstiges

Die größte Umstellung für mich war, dass ich aus einer Großstadt komme und in ein sehr kleines Dorf zog. Generell brauchte ich ein bisschen Zeit, um mich an all die verschiedenen Eindrücke zu gewöhnen. Langsam aber sicher habe ich mich an alles relativ gut gewöhnt. Was mich immer noch etwas irritiert, sind die ständigen Strom- und Wasserausfälle, die hier ganz normal sind. Meine bisher gewohnte „Normalität“ wurde oft in Frage gestellt, da ich vieles, das hier normal ist, nicht gewohnt bin: bestimmtes Essen, die ständigen Stromausfälle und die generelle Sprache, die ich noch nicht richtig beherrsche. Meiner Meinung nach hatte ich nicht sehr viele Vorurteile, bevor ich nach Laos kam. Ich war positiv überrascht, da hier eine sehr große Lebensfreude existiert und alle Menschen unglaublich gastfreundlich sind.

Wenn ihr mehr erfahren wollt, besucht meine website: ofriceandzenger.wordpress.com