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Erster Zwischenbericht: Laos Luang Prabang – Lao People Revolutionary Youth Union von Marieke Plate

 

Vorwort

Seit knapp vier Monaten bin ich nun schon im sonnigen Laos und vollziehe hier meinen Freiwilligendienst mit weltwärts. Nach der Abholung vom Flughafen im August in Vientiane, der Hauptstadt Laos’, ging es mit einem kleinen Bus zu den Einsatzorten aller Freiwilligen aus Deutschland.

Und während mich die anderen Freiwilligen eher bemitleideten, so genoss ich es, die ersten Tage auf der Rückbank des Minivans zu verbringen und einfach nur die ersten Eindrücke Laos’ auf mich wirken zu lassen. So konnte ich auch alle Einsatzstellen einmal sehen und hatte die Möglichkeit an unterschiedlichsten Orten laotisches Essen zu probieren.

Die Einsatzstelle und das Arbeitsumfeld

Zum Glück haben wir vor Ort eine Mentorin, die mir bei Fragen und Problemen weiterhelfen konnte. Eigentlich heißt sie Dalyvanh, aber da hier so gut wie jeder einen Spitznamen hat, wird sie Touy, was so viel wie ‘dick’ bedeutet, genannt.

Touy arbeitet für die Luang Prabang Lao Youth Revolutionary Union. Sie und ihre Kollegin Keo besorgten mit mir die notwendigsten Dinge für die Wohnung und unterstützten mich auch ansonsten dabei, mich im schönen Luang Prabang ein wenig einzuleben.

Luang Prabang liegt, umringt  von Bergen, im Norden Laos und ist nicht umsonst UNESCO-Weltkulturerbe. Die frühere Königsstadt ist voller Palmen, edler Tempel, Häuschen und Gassen im französischen Kolonialstil und hat einen schönen historischen Stadtkern. Der Mekong und der NamKan fließen durch Luang Prabang. Letzterer muss über eine alte Holzbrücke, die nur für Fußgänger, Fahrrad- und Mopedfahrer zugänglich ist, überquert werden, um zum Wohnviertel von Ellie und mir zu kommen. Während ich anfänglich mit einem sehr bedürftigen, kleinem Fahrrad unterwegs war, teilen meine Mitfreiwillige und ich uns nun ein Moped, welches auch nur mäßig ausgestattet ist und in Deutschland wohl keine TÜV-Kontrolle überstehen würde. Mit dem Moped sind wir nun flexibler und haben uns auch einigermaßen an den Verkehr gewöhnt.

Die Schule an der ich als Lehrassistenz drei Stunden am Tag arbeite heißt “Mekong English Centre”. Es ist eine Privatschule, an der nachmittags unterrichtet wird, bei der die Schüler*innen monatlich zahlen müssen. Mithilfe selbstgestalteter Steckbriefe, die  im Sekretariat ausgehangen werden, können sie um Sponsoren bitten, die dann den Großteil der Kosten übernehmen. Auch sehr junge Schüler*innen arbeiten bereits, um den zusätzlichen Englischunterricht zu erhalten. Die Schüler*innen sind zwischen zehn und 25 Jahre alt, auch einige Novizen sind dabei. Die Klassen werden in ‘beginner’ und ‘intermediate’ eingeteilt. Der Unterricht läuft nach fest vorgegebenem Plan ab. Es werden jeden Tag ein paar Seiten der vorgeplanten PowerPoint- Präsentation abgearbeitet, meist nach dem Prinzip “Listen and repeat”. Obwohl ich den Unterricht als recht eingängig abstempeln würde, sind ein Großteil der Schüler*innen sehr fleißig, motiviert und kommen pünktlich. Die hohe Priorität des “Englisch-lernens”  wird jedoch nicht nur in der Schule deutlich, auch im Alltag machen mir Laot*innen ersichtlich, wie gerne sie mit Ausländer*innen englisch sprechen und wie sehr sie die Freiwilligenarbeit schätzen.

Das Leben und der Alltag

Aufgrund dessen fühle ich mich hier wohl und gut aufgenommen. Es ist toll, mehr als nur den touristischen Teil mitzubekommen und immerhin ab und zu überraschte Gesichter zu sehen, wenn ich mit meinen wenigen Laotischkenntnissen sagen kann, wie sehr es mir hier gefällt oder einfach nur den Verkäufer*innen klar mache, dass ich mich nicht von den Touripreisen veräppeln lasse…

Hauptsächlich wird hier Reis gegessen und zwar in allen möglichen Varianten. Sei es als Klebreis,  gekochter Reis mit Gemüse, süßer Reis mit Obst, etc. Außerdem gibt es überall Straßenstände und kleine Läden in denen frisch Gegrilltes, Gebratenes oder Frittiertes (Fleisch, Fisch und Gemüse) angeboten wird. Die meisten dieser Läden sind quasi “mobile” Läden, da sie an Motorrädern befestigt sind oder anderweitig beliebig hin- und her gefahren werden. Der Großteil ist frisch zubereitet und ziemlich scharf gewürzt. Was man zudem überall findet ist Nudelsuppe, eine  Brühe mit Reisnudeln, Kräutern und Fleisch, bei der man manchmal noch einen Korb mit Gemüse bekommt, welches man nach Belieben hinzufügen kann. Auf den Tischen befinden sich meist die verschiedensten Soßen und Pasten, so dass jede*r seine*ihre Suppe individuell nachwürzen kann. Das ganze kostet, umgerechnet nur ein bisschen mehr, als ein Euro und man wird auch gut satt.

Drei Tage nach der Ankunft in Laos wurde ich dann in einem Gästehaus in Luang Prabang einquartiert und musste die Entscheidung treffen, in welche  Unterkunft meine Mitfreiwillige Ellie und ich ein Jahr lang leben wollen. Da ich weder Vorstellung von den Preisen, noch von der Lage hatte, war dies keine leichte, erste Entscheidung. Mit der Hoffnung noch einiges von der Einrichtung, der Freiwilligen vom vorherigen Jahr, übernehmen zu können, entschied ich mich für das kleine Appartement am Rande des Stadtzentrums, in Ban Phan Luang, welches Teil eines fünfteiligen Wohnblocks ist. Darin befanden sich ein Wohnzimmer mit Küchenzeile, ein Bad, ein weiterer kleiner Raum und leider mehr unbrauchbare Reste und Dreck, als anständige Inneneinrichtungsgegenstände. Die ersten Tage war ich also mit entrümpeln, säubern, einkaufen und einrichten beschäftigt. Zudem wurde erwartet, dass ich den Großteil der Miete innerhalb der ersten Woche zahle. Ich versuchte also  sparsam mit dem Geld umzugehen und befand mich trotz dessen finanziell weit im Minus.

Meine Mitfreiwillige Ellie holte ich nach drei Wochen in Vientiane  ab. Die Nachtbusfahrt  dorthin kann man durchaus als erstes kleines Abenteuer beschreiben, da alles sehr provisorisch wirkte und mitten in der Nacht weitere Leute auf meine Matratze wollten, da es bei ihnen reinregnete. Nach einem kurzen Stopp mitten in der Nacht, natürlich um zu Essen, kam ich nach 10 Stunden an meinem Ziel an. Es war spannend mal das Großstadtleben mitzuerleben. Trotzdem bin ich glücklicher in Luang Prabang leben zu können. Spätestens als wir zu zweit waren, war uns klar, dass eine Matratze und ein Kühlschrank unabdingbar waren.

Das erste Mal Zusammenleben mit einer Person, die einem kaum vertraut ist, ist sicher nicht das Leichteste. Aber wir arrangieren uns, suchen Kompromisse und unterstützen uns. Es hilft mir, Erlebnisse besprechen zu können und das wiederum erleichtert manchmal das Verstehen von ungewohntem Handeln seitens der Laot*innen.

Unsere Nachbarn erwiesen sich größtenteils als freundlich und aufgeschlossen, so wie die meisten Laot*innen. Gerade die jüngeren Menachen sind sehr interessiert an “Falangs”, den Ausländer*innen, und freuen sich sehr, dass sie so die Möglichkeit haben Englisch zu lernen. Nicht selten werden wir gelobt und angestrahlt, wenn wir erwähnen, wie lange wir hier bleiben und was unsere Aufgabe hier ist. Insbesondere wenn ich den laotischen Rock (‘Sin’) und das blaue Schulhemd  trage, merke ich, wie sich die Reaktionen ändern.

Des Weiteren fällt mir auf, dass die Laot*innen zwar durchaus gemütlich und entspannt sind, aber wenn es drauf ankommt, alle mit anpacken und für Probleme schnell eine Lösung  finden. Die meisten Leute hier sind sehr flexibel und so wurde mir auch meist nach Ladenschluss noch geholfen (z.B. bei Mopedreparaturen). Als ungewohnt nehme ich das ständige Lächeln und Lachen war, welches auch dann nicht erlischt, wenn ernste Probleme,wie der Verlust von Wertsachen oder Krankheiten , angesprochen werden.

Ich muss sagen, alles in allem war die Reise bis jetzt  weniger kulturschockend als  erwartet, was vermutlich auch an den westlichen Einflüssen liegt. Auch wenn ich versuche, mich in den meisten Dingen gut anzupassen (bedeckte Kleidung, Schuhe vor der Haustür ausziehen, Verhaltensregeln gegenüber der Novizen und Mönche…) gelingt es mir nicht immer, was jedoch keine negativen Konsequenzen mit sich zog, da die Menschen hier sehr tolerant und geduldig sind und solche Situationen auch gerne nutzen, um von sich und Traditionen zu erzählen. Smalltalk fällt den Laot*innen generell leicht und mittlerweile wundere ich mich nicht mehr, wenn der Verkäufer, mit dem ich gerade rede, plötzlich auf laotisch über die halbe Straße schreit, nur um wem anderes irgendetwas mitzuteilen.

Wie bereits erwähnt gibt es besondere Verhaltensregeln gegenüber den Mönchen und Novizen. Dass das Land  buddhistisch geprägt ist, ist unschwer zu erkennen. Bereits an unserem Wohnblock sind große Lautsprecher befestigt, durch die ab und an Gebete ausgestrahlt werden und eine Art “Miniversion” eines Tempels aufgestellt ist, an dem die Bewohner*innen Essen, Trinken und Opfergaben legen können, die dem Hausgeist dienen. Es sind überall mehr oder weniger große verzierte Tempelanlagen in Luang Prabang zu finden, in denen prunkvolle Buddhafiguren, bunte Lichter, Kerzen und Wandgemälde zu bewundern sind. Die Mönche und Novizen leben dort. Als Frau ist es mir nicht erlaubt, sie zu berühren, ihnen Gegenstände direkt zu übergeben, neben ihnen zu sitzen usw. Die Mönche nehmen eine höhere Position, als alle anderen, ein und sollten deshalb auch so behandelt werden. Sie folgen einer strikten Tagesstruktur und befolgen Regeln, wie z.B. den Verzicht auf Alkohol, keine Mahlzeiten nach dem Mittagessen, keinen sexuellen Kontakt  etc. Ihre erste Mahlzeit erhalten sie über die morgendliche Almosengabe der Bürger*innen. Ich bin meiner Mentorin sehr dankbar, ab und zu an dieser teilnehmen zu können und auch sonst oft mitgenommen zu werden, sofern Feiern oder Prozessionen anstehen. So konnte ich z.B. das Fireboatfestival miterleben, bei der bunte Papierfiguren und selbstgemachte Blumenarrangements ins Wasser gesetzt wurden, um das Ende der buddhistischen Fastenzeit zu feiern. Aber auch das Boatracingfestival im September und das Filmfestival im Dezember waren Attraktionen, die durchaus spannend waren mitzuerleben.

Sonstiges

Ab Januar sollen Ellie und ich dann auch Schulungen für den eigenen Unterricht bekommen, um selbstständig unterrichten zu können.  Leider hat sich das alles sehr nach hinten verschoben und manchmal habe ich das Gefühl, als Freiwilliger, eher eine Last zu sein, die man beschäftigen muss, zu mindestens von Seiten der laotischen Organisation aus. Demnach denke ich, ist es notwendig, dass ich noch mehr aus der Eigeninitiative handle.

Ich  bin schon sehr gespannt auf die weitere Zeit und hoffe dass ich  trotz der Schwierigkeiten, wie Diebstahl, dem Verschieben der Schulungen und der Geldprobleme, noch weiterhin eine aufregende Zeit haben werde und bin dankbar, hier sein zu dürfen.