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1.Zwischenbericht: Laos Burikhamxai- Lao People Revolutionary Youth Union// Pia-Marie Charlotte Kolloge

 

Vorwort

Nach einem zehnstündigen Flug und einem Fünfstundenaufenthalt in Bangkok, können wir endlich in den Flieger Richtung Laos steigen. Nach etwa der Hälfte des Flugs erkennen wir die Landschaft des einzigen Binnenlands in Südostasien. Nach Thailand sieht es, wie in meinen Vorstellungen, super grün aus, viele kleine Flüsse schlängeln sich durch die vielen Bäume durch und zwischendurch sieht man Berge die aus dem Boden ragen. Der erste Anblick des Mekongs aus dem Flugzeug ist unglaublich. Der riesige Fluss bahnt sich seinen Weg durch die Landschaft.

Als wir aus dem Flugzeug stiegen, schlug uns die schwülwarme Luft des Tropenklimas entgegen und uns war schnell klar, dass das mit dem Schwitzen unumgänglich sein wird. Nachdem wir uns unsere Visa geholt und unsere Koffer in Empfang genommen haben, konnten wir endlich aus dem Flughafen raus und einen ersten Blick auf die Hauptstadt Vientiane erhaschen. Nach einer erstaunlichen kurzen Wartezeit, wurden wir von der LYU abgeholt. Die erste Fahrt durch Vientiane war spektakulär: Die Koffer, die sich hinter mir auftürmten, sind nicht gesichert worden und ich bin froh, dass wir keine Vollbremsung machen mussten. Um uns herum schlängelten sich viele Mofas durch den Verkehr und ich konnte die ersten kleinen Parks und Tempel erkennen. Angekommen bei der LYU wuden wir in einem Konferenzraum mit Wasser und einer Ansprache von dem Chef der LYU begrüßt. Zum ersten Mal wurden wir mit dem Englisch der Laoten konfrontiert, welches am Anfang extrem schwer zu verstehen war. Danach machten wir die erste Erfahrung mit den Hocktoiletten, wobei man kein Toilettenpapier, sondern eine Duschbrause benutzt, was sich am Anfang als extrem schwierig herausstellte.

Das Leben und der Alltag

Noch am selben Tag wurden wir, entgegen unserer Erwartungen, in unsere Einsatzstellen gebracht. Meine Mitfreiwillige Franziska und ich erfuhren dann endlich, wo sich unsere befand. Als erstes verabschiedeten wir uns von den vier Freiwilligen, die in Vientiane blieben. Nach einer Fahrt von zwei Stunden kamen wir gegen Spätnachmittag in der Stadt Pakxan in der Provinz Bolikhamxay an, welche an  der Einmündung des Nam Xan in den Mekong liegt. Hier lernten Franzi und ich unseren Chef, unseren Mentor und weitere Mitarbeiter*innen der LYU in Bolikhamsay kennen. Mit den anderen Freiwilligen zusammen wurden wir zu unserem ersten laotischen Essen eingeladen, bei dem es Reis mit viel Gemüse und Fleisch als Beilage gab. Hier bekamen wir das erste Mal das berühmte Beer Lao zu trinken, das wir immer wieder neu aufgefüllt bekamen. Auch kamen wir das erste Mal an unsere Grenzen, als wir von dem, für die Laoten eher kaum scharfem Essen, probierten, denn für unsere deutschen Geschmacksnerven ist es schon ziemlich scharf. Hier lernten wir auch unsere ersten laotischen Worte wie ,,khop chai‘‘, was so viel wie ,,danke‘‘ bedeutet. Nach dem Essen brachen die anderen Freiwilligen auf, um zu mindestens teilweise an diesem Abend zu ihren eigenen Einsatzstellen zu gelangen. So waren Franzi und ich allein mit den Mitarbeiter*innen der LYU und tranken noch ein bisschen Beer Lao und sangen Karaoke. Danach wurden wir in unsere vorübergehende Unterkunft gebracht, in welcher wir drei Nächte geblieben sind.

Am ersten Morgen bekamen wir original laotisches Frühstück, nämlich eine Suppe mit Reis und Zwiebeln, Fleisch und Kräutern. Als unsere Mentoren Mr. Pa und Khamkay uns mit 40 minütiger Verspätung abholten, fuhren wir zum Office der LYU. Dort wurde uns die Schule und der Rest des Offices gezeigt. Den restlichen Vormittag gingen wir mit unseren Mentoren auf Wohnungssuche, was sich als sehr schwierig erwies, denn die ersten Wohnungen, die uns relativ gut gefielen, waren unseren Mentoren zu unsicher, jedoch hatten die Guesthouses, welche sie bevorzugten, keine Küchen. Irgendwann hatten wir uns dann doch für ein kleines süßes Haus entschieden, was uns anfänglich nicht so gefallen hatte. Aber nachdem wir ordentlich sauber machten und es mit unserem persoenlichen Dingen eingerichtet hatten, war es dann doch unser Zuhause geworden.

Zwei Tage nach unserer Ankunft hatten wir mit dem Chef der LYU in Bolikhamsay, sowie den Lehrer*innen der LYU, angefangen den Plan für unsere Unterrichtsstunden zu erarbeiten. Dabei erfuhren wir, dass wir alle Altersgruppen, sowie auch mehrere Mitarbeiter*innen der LYU selbst fünf Mal die Woche sechs Stunden, unterrichten werden.

Die Tage danach hatten wir die Stadt erkundet, soweit das bei der Hitze hier zu Fuß möglich war. Dabei hatten einen kleinen Markt in der Innenstadt und weitere kleine Läden entdeckt. Der unglaublichste Anblick war der Mekong, die „Mutter aller Fluesse“. In diesem Moment konnte ich es kaum fassen, dass ich tatsächlich am anderen Ende der Welt in diesem unglaublichen Land stand und hier für ein Jahr leben würde.

Die Einsatzstelle und das Arbeitsumfeld

Anderthalb Wochen nach unserer Ankunft am 5. September begann dann die erste Arbeitswoche für uns: Wir starten ab 15 Uhr. In dieser ersten Stunde unterrichten wir Teile der Mitarbeiter*innen der LYU, welche 60 Minuten ging. Danach hatten wir eine halbe Stunde Pause. Um 16:30 Uhr ging es dann weiter mit dem ersten Englischkurs mit Schüler*innen im Alter von acht bis 40 Jahren, ca. anderthalb Stunden lang. Um 18 Uhr begann auch schon der zweite Kurs mit den nächsten Schüler*innen bis ca. 19.30.

Am ersten Tag hatten Franzi und ich einen Einstufungstest vorbereitet, welchen wir mit allen Schüler*innen an diesem Tag durchführten. Die Ergebnisse waren sehr durchwachsen, denn es waren viele Anfänger*innen, aber auch viele Fortgeschrittene, dabei. Aufgrund dieser Ergebnisse wurden die Klassen einige Tage später in zwei Levels geteilt. Level 1, welche ich übernahm und Level 2, welche Franzi übernahm. Kräftige Unterstützung bekamen wir von unserem einen Mentor, welcher selbst Englischlehrer ist. Jedoch kann man hier die Englischlehrer*innen nicht unbedingt  mit den deutschen vergleichen, denn wir haben schon viele Lehrer kennengelernt, die sich leider nicht ansatzweise mit uns unterhalten konnten.

Die erste Stunde allein war sehr aufregend für mich, da ich nicht genau wusste, was auf mich zukommen würde. So stand ich vor meiner Klasse, welche im Laufe der Woche immer größer wurde und sollte nun Menschen unterrichten, welche teils viel älter waren als ich. Aber als ich erstmal mit meinen Stoff angefangen hatte, ging es ziemlich gut, bis auf ein paar Verständnisprobleme, bei der mir eine LYU Mitarbeiterin half.

Mein Unterrichtstoff besteht aus einfachen Dingen wie Vokabeln, leichte Grammatik und viel Sprechen. Wir haben von der LYU hier zwei verschiedene Bücher bekommen, die wir für unseren Unterricht nutzen können. Dadurch, dass Franzi und ich hier die ersten Freiwilligen sind, haben wir eigentlich keine wirklichen Vorgaben, wie wir unterrichten müssen. Deshalb müssen wir uns nicht sonderlich an die Bücher halten. Doch ich kann sagen, dass diese schon eine große Hilfe sind, auch wenn die Aufgaben in den Büchern teilweise nicht wirklich Sinn ergeben. Nach den 12 Wochen habe ich allmählich ein Gefühl für meine Schüler*innen entwickelt und kann meinen Unterrichtsstoff an sie anpassen.

Mittlerweile habe ich um die 40 Schüler*innen. Doch es kommen ständig neue Gesichter dazu. Die LYU macht weiterhin kräftig  Werbung für unsere Englischkurse, sodass wir sogar mittlerweile auf Plakaten verewigt wurden, die überall in Pakxan verteilt hängen. Die Motivation ist bei meinen Schüler*innen sehr hoch. Alle sind immer fleißig dabei. Leider sind diese oft sehr schüchtern, weshalb ich manchmal dazu übergehe, viele Dialoge und kleine Spiele in den Unterricht mit einzubauen. Vor allem Spiele, wo die Schüler*innen gegeneinander antreten müssen, finden großen Anreiz. So haben meine Mitfreiwillige Franzi und ich schon Aktionstage gemacht. Einmal haben wir beispielsweise  unsere Kurse zusammen gewürfelt und verschiedenste Spiele und Energizer vom Vorbereitungsseminar mit unserem Unterricht verbunden. Die Schüler*innen hatten dabei einen riesigen Spaß und auch wir haben viel gelacht.

Während des Unterrichts tragen Franzi und ich, wie die anderen Frauen in Laos, einen traditionellen laotischen Rock. Dieser besteht aus verschiedensten Stoffen. Er geht bis ungefähr zur Mitte der Wade und ist vorn gefaltet. Unten haben die Röcke eine Borte, welche verschiedenste Muster hat. Nach drei Monaten ist es schon so normal geworden diese zu tragen und ich könnte mir von ihnen noch tausende kaufen.

An einem Freitag hatten wir Besuch von zwei Weltwärtsfreiwilligen aus der Stadt Thakkek, vier Stunden entfernt von Pakxan, und einem Freiwilligen aus Kambodscha. Da wir diese in unseren Unterricht mit einbinden wollten, haben wir uns etwas Besonderes überlegt. Franzi und ich haben ein Lied heraus gesucht, was hier relativ verbreitet ist und haben mit dem Text einen Lückentext erstellt. So mussten die Schüler*innen das Lied hören und dann den Text einfügen. Danach haben wir die Aussprache mit ihnen geübt, wobei wir die Unterstüzung von den drei anderen Freiwilligen bekamen. Am Ende standen wir zusammen mit unseren Schüler*innen beim Sonnenuntergang draußen im Kreis und haben „Let her go“ von Passenger gesungen. Das hat meinen Schüler*innen so gefallen, dass sie an einem Montag zu mir kamen und unbedingt nochmal singen wollten. Ich hab ihnen diesen Gefallen getan und schnell noch den Text von einem anderen Lied heraus gesucht.

Am Ende jeden Monats muss ein Test geschrieben werden. Ende September war es dann soweit, ich musste zum ersten Mal in meinem Leben eine Klausur vorbereiten und kann sagen, ich beneide meine Lehrer*innen nicht, denn die Klausur musste nach der Vorbereitung, auch wieder korrigiert werden. Auch die Aufsicht war etwas mühselig. Die Schüler*innen kennen es hier nicht, wie in Deutschland, alleine an einer Klausur zu arbeiten. So versuchten sie den Test in Gruppen oder mit Partner*innen zu lösen. Meine Aufgabe bestand also darin, alle fünf Minuten die Schüler*innen an die Einzelarbeit zu erinnern. Insgesamt fiel der Test sehr positiv aus, was mich sehr gefreut hat. Bei dem nächsten Test, Ende Oktober, war ich etwas schlauer und habe alle Schüler*innen auseinander gesetzt. Sie haben zwar auch hier teilweise abgeschaut, aber es war deutlich angenehmer als bei dem ersten Test. Eine neue Erfahrung war für mich der Teachersday. Am Vortag findet kein normaler Unterricht statt, denn die Schüler*innen bringen ihren Lehrer*innen kleine Geschenke, wie Süßigkeiten, mit oder basteln etwas für sie oder führen etwas vor. Am Teachersday selbst fällt dann die Schule aus, sodass die Lehrerden den Tag feiern oder auch einfach sich ausruhen können. Wir wurden an diesem in die LYU eingeladen und haben mit den LYU Mitarbeiter*innen Beer Lao getrunken und etwas gegessen. Am Ende haben wir sogar noch einen riesigen Präsentkorb mit Süßigkeiten, Kaffee und Getränken bekommen.

Ungefähr nach knapp zwei Monaten wurde dann das Englischcenter, was nur aus Franzi, mir und zwei, drei anderen Englischlehrer*innen, die seit wir hier sind noch nicht unterrichtet hatten, besteht, eröffnet. Die LYU hat uns an einem Donnerstagvormittag zu einem riesigen Saal auf dem Gelände der Regierung von Bolikhamsay gebracht, wo viele unserer und anderer Schüler*innen, Erwachsene und auch wichtige Personen wie der Chef des Militärs von Bolikhamsay waren. Dort mussten wir unsere vorbereitete Rede halten. Unser Mentor hat es dann für uns auf Lao übersetzt. Im Laufe der Eröffnung haben Franzi und ich ein Geschenk von der LYU erhalten. Ein traditionelle laotischer Rock, der „sin“, der aus Seide besteht und ein blaues LYU T-Shirt.

Die Lao Youth Union hat uns sehr gut integriert. Wir kennen mittlerweile alle Mitarbeiter*innen bei uns im Office. Sie unterstützen uns so gut wie sie können, laden uns zu ihren Festen ein oder helfen uns, wenn wir mal in der Patsche stecken. So sind am Anfang, als Franzi und ich in unser Haus eingezogen sind, die ganzen LYU Menschen mitgekommen, bewaffnet mit Putzeimern, Staubwedeln, Besen und Heckenschere, um unser neues Zuhause erstmal auf Vordermann zu bringen. Als dann alles sauber war, haben sie erstmal was zu essen gekauft und wir haben auf unserem Boden gepicknickt und Beer Lao getrunken. Ein anderes Mal hat Franzi, durch ein Missgeschick, die Dusche aus der Wand gerissen, sodass das Wasser aus der Wand sprudelte. Leider wussten wir nicht, wo der Hauptwasserhahn war. Doch nachdem wir Bescheid gesagt hatten, stand innerhalb von zehn Minuten ein Mitarbeiter auf unserer Matte und hat das Wasser ausgeschaltet und schon am nächsten Tag wieder repariert. Auch machen sie Ausflüge mit uns, wie den einen Tag zu einem wunderschönen Wasserfall. Aber vor allem sind die Mentoren uns eine große Hilfe. So waren wir umso trauriger, als Ende November ein Mitarbeiter bei einem Verkehrsunfall gestorben ist.

Wir haben hier in Pakxan zwei, statt nur einen, Mentor. Dabei ist der eine für die offizielen und formelle Dinge zuständig und hat uns zum Beispiel geholfen endlich unser Visum zu bekommen. Der andere, Khamkhay ist Mentor für alles andere, sozusagen unser lieber Onkel. Er hat uns anfangs mit dem Auto immer zur Arbeit gebracht, hat uns das Mopedfahren beigebracht, bringt uns Lao bei und hilft uns bei unseren Problemen. So musste er uns einmal beim Grenzübergang in Pakxan abholen, da unsere Pässe noch in Vientiane waren oder einmal musste er mit uns Mayonaise suchen gehen oder im Computerladen für uns übersetzten. Ohne ihn wären wir hier schon oft aufgeschmissen gewesen.

Sonstiges

Insgesamt hab ich die laotischen Menschen sehr zu schätzen gelernt, denn sie sind super freundlich, sehr geduldig und springen immer ein, wenn wir mal Hilfe brauchen. Ständig werden wir zum Bier trinken eingeladen oder bekommen auf dem Markt noch einen Apfel extra geschenkt. Auch wenn wir Schwierigkeiten hatten, trafen wir bis jetzt immer auf Laot*innen, die uns sofort zu Hilfe eilten, wenn wir sie brauchten. So sind schon vier Laoten mit uns in ihrem Jeep in die Berge gefahren, um unser kaputtes Moped zu holen und es dann 100 Kilometer zurück nach Pakxan zu bringen. Hier in Pakxan sind wir eher eine Seltenheit, denn diese kleine Stadt ist, was wir sehr zu schätzen gelernt haben, noch nicht so touristisch. Es gibt nur wenige westliche Produkte oder Läden. Auch hellhäutige Menschen gibt es hier nur sehr selten, sodass uns vor allem am Anfang viele Blicke verfolgt haben. Englisch sprechen hier eher wenige. Doch man kann sich immer irgendwie verständigen.

Insgesamt kann ich sagen, dass das Leben in Laos komplett anders ist als mein gewohntes Leben in Deutschland. Hier strahlt alles eine Ruhe und Gelassenheit aus, was sich zwangsläufig auf mich übertragen hat. Es bleibt einem hier auch nichts anderes übrig, denn die Laot*innen kommen meistens auf dem letzten Drücker. Da bringt es einfach nichts sich darüber aufzuregen, denn ändern werden sie es ganz sicher nicht. Aber warum auch immer sich stressen lassen? Ich kann es kaum fassen, wie schnell die ersten drei Monate in diesem unglaublichen Land vorbeigeangen sind. Ich habe hier schon so viel erlebt. Deshalb kann ich nur sagen, dass ich mich total auf die weiteren neun Monate freue und gespannt bin, was mich erwartet!